Deadpool auf DVD und Blu-ray

Super ja, Held nein

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Eine Rückkehr, um die eigentlich niemand gebeten hat: „Deadpool“ bekommt nach seinem miesen Auftritt in „X-Men Origins: Wolverine“ eine zweite Chance.

„Captain America“? Die „X-Men“? Nein, ganz oben auf dem Marvel-Podest steht in diesem Jahr „Deadpool“, der weltweit zum Sensationserfolg wurde. Nun erscheint die Action-Love-Story für Erwachsene im Heimkino.

Gäbe es den Titel „Comic-Held des Jahres“, man könnte ihn wohl schon jetzt an Deadpool vergeben. Weltweit spielte er mit seinem ersten Solo-Auftritt über 760 Millionen US-Dollar ein, allein in Deutschland wurden etwa 2,7 Millionen Kinotickets für den Überraschungshit gelöst. Damit gehört „Deadpool“ (2015), nun auf DVD, Blu-ray Disc, Ultra HD Blu-ray und als Video-on-Demand erhältlich, zu den erfolgreichsten Marvel-Verfilmungen aller Zeiten. Gegen diesen Kerl sehen Comic-Kollegen wie die Avengers oder die X-Men plötzlich ziemlich alt aus, nicht nur zahlenmäßig.

Der Film erzählt von dem Sprücheklopfer Wade Wilson alias Deadpool (Ryan Reynolds), der nach einer experimentellen Krebstherapie über Super-Selbstheilungskräfte und mörderische Kampfskills verfügt, leider aber auch schrecklich entstellt ist (deshalb die Maske). Wade selbst bezeichnet sich als „Hoden mit Zähnen“.

Sein vorlautes Mundwerk ist das vielleicht schmutzigste in der gesamten Comicwelt, er tötet blutig und ohne Gnade. Aber nicht ohne Ziel: Er möchte den sinisteren Wissenschaftler Francis (Ed Skrein) ausfindig machen, der ihm dieses „Gesichts-Gulasch“ eingebrockt hat, damit er alles wieder rückgängig macht. Dann kann Deadpool vielleicht auch wieder zu seiner nymphomanischen Herzdame Vanessa (Morena Baccarin) zurückkehren, die er aufgrund seines vermeintlich unzumutbaren Äußeren verlassen hat.

Tatsächlich ist Deadpool nämlich ein großer Romantiker. So erklärt er dem Zuschauer dann auch selbst, während er mit dem Schwert gerade triumphierend einen Gegner aufspießt, dass „das hier eigentlich ein Liebesfilm“ ist. Natürlich ist „Deadpool“ kein Liebesfilm. Vielmehr liefert Regisseur Tim Miller bei seinem ersten großen Projekt eine abgefahrene Actionkomödie, die gehörig knallt, sich vom Konsens-Bombast anderer Comic-Verfilmung aber doch deutlich abhebt. Nicht zuletzt, weil Miller seinem Star enorm viel Raum gewährt, um seine - man muss es so sagen - gestörte Persönlichkeit zu entfalten.

Einerseits kommt der exzentrische Killer Deadpool, der seine Munition in einem pinken Hello-Kitty-Rucksack transportiert, hoffnungslos kindisch daher. Andererseits, und das ist das wahrhaft Besondere an diesem Film, richtet er sich mit all seinen versauten Sprüchen und Gewaltexzessen an ein erwachsenes Publikum. Der Film trägt auf dem Cover ein FSK-16-Siegel, wo die jungen Zuschauer üblicherweise doch fester Bestandteil der Marvel-Zielgruppe sind.

Deadpool ist weder Held noch Bösewicht, eher eine durchgeknallte Mischung aus Spider-Man und Joker. Sicher kein Typ, den jeder lieben wird (ja, er nervt ein bisschen), aber definitiv ein erfrischender Charakter mit Ecken und Kanten. Bei all jenen, die offen sind für etwas pervertierte Comic-Clownerie, dürfte diese skurrile, ideenreiche, selbstironische und überhaupt irre witzige Action-Love-Story jedenfalls hervorragend ankommen. Und wer weiß, vielleicht ballert Deadpool sogar den Weg frei für weitere „erwachsene“ Comic-Adaptionen? Von dieser Sorte zumindest dürfte es ruhig noch mehr geben.

tsch

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