TV-Kommissar im Rollstuhl

Florian Teichmeister: „Wir warten auf den nächsten Mord!“

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Im Rollstuhl durch Salzburg: Als Major Palinger ermittelt Florian Teichtmeister in der viertgrößten Stadt Österreichs.

Wenn er nicht auf der Bühne steht, springt er aus Flugzeugen: Schauspieler Florian Teichtmeister, neuer Fernsehkommissar mit Hang zum Extremsport.

In der katholischen Schule, in die er ging, sei er so etwas wie ein Rebell gewesen, erzählt der Schauspieler Florian Teichtmeister. Eine Theatergruppe gründete er dort als 16-Jähriger, Schulsprecher war er auch - mit wasserstoffblondierten Haaren. „Ich konnte es mir leisten, rebellisch zu sein“, sagt er heute, 20 Jahre später, „weil ich gut in der Schule war“. Fleißig und strebsam, das ist er noch heute. Für drei Theaterstücke steht der Wiener derzeit auf der Bühne, jetzt hat Teichtmeister seine erste Rolle als TV-Kommissar ergattert. In der deutsch-österreichischen Ko-Produktion „Die Toten von Salzburg“ (ZDF, Montag, 26. September, 20.15 Uhr) spielt er einen Major, der im Rollstuhl sitzend ermittelt.

Ob aus dem Film eine Reihe wird, ist noch offen. „Ich hatte nie den Traum, 'Tatort'-Kommissar zu werden“, meint Teichtmeister zwar. Der Wille, weiterhin in Salzburg zu ermitteln, sei aber da. „Wir warten auf den nächsten Mord!“ Bereit dazu wäre er auch. Schon für den ersten Film habe er im Rollstuhl geübt, erinnert sich Teichtmeister. Mehrere Tage sei er durch Wien gerollt, „um zu schauen, wie man so den Alltag bewältigen kann“. Eine Erfahrung, die Wirkung zeigte: „Aus dieser Perspektive erschließen sich Probleme, für die man als Gehender blind ist, viel besser. Ein Bekannter von mir, der im Rollstuhl sitzt, hat einmal zu mir gesagt: Die Welt besteht aus seiner Perspektive vor allem aus Ärschen! Und das ist tatsächlich so.“

Über Privates will der Schauspieler nicht sprechen. Nur soviel verrät er: „Ich habe seit vielen Jahren eine Beziehung, in der ich sehr glücklich bin.“ Schon seit Schulzeiten ist er mit seiner Freundin zusammen, einer Lehrerin. Verheiratet sind die beiden nicht, ein Kind ist auch nicht unterwegs. Noch nicht, betont Teichtmeister. Er ist ein Mann, der gerne spricht, aber genau überlegt, was er sagt. „Manchmal würde ich mir wünschen, dass in unserer Mediengesellschaft Zeit bliebe, die Dinge zu reflektieren, anstatt so schnell wie möglich eine Meinung haben zu müssen“, sagt er. Als unpolitischen Menschen will er sich aber nicht verstanden wissen. „Das kann man als Schauspieler auch nicht sein, weil man so viel mit Haltungen, Sichtweisen, Ideologien und politischen Verwerfungen konfrontiert ist.“

Teichtmeister ist Wiener durch und durch, ist in der Donaumetropole geboren, hier aufgewachsen und zur Schule gegangen. Heute lebt er im 9. Bezirk, unweit der Sehenswürdigkeiten der Stadt, nicht weit vom Burgtheater entfernt. Hier steht er in Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ und in Hermann Bahrs „Das Konzert“ auf der Bühne. Ins Schwärmen gerät er aber, wenn er von einer anderen Rolle erzählt, der des Fürchtegott Lehmann in Ödön von Horvaths „Niemand“. Der Bühnentext wurde erst 2016 veröffentlicht. „Ein großes Glück“ sei es, heute in der Uraufführung eines Stücks aus den 1920-ern zu spielen.

Als Wiener, so viel Klischee muss sein, ist Teichtmeister einer, der sich auch mit dem Tod beschäftigt. In Wien, sagt er, „erkennt man an, dass das Sterben eine Tatsache ist, die schmerzt, aber doch unumgänglich ist“. Der Wiener gehe mit der Unausweichlichkeit des Todes mit „einer morbiden Form des Humors“ um. Er selbst, erzählt Florian Teichtmeister, macht das mit anderen Mitteln: Er betreibt Fallschirmspringen, Motorradfahren, fährt Ski. „Wenn man mit anderen aus dem Flugzeug springt, hat das sehr wenig mit der Welt der Kunst und des Theaters zu tun. Da geht es vielmehr um Leben und Tod.“ Die Beschäftigung mit dem eigenen Tod, sagt er, das „gehört für mich zum Extremsport“.

Schon als Jugendlicher trieb Teichtmeister diese Sportarten, die man dem zierlich wirkenden Schauspieler auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Noch länger aber begleitet ihn die Schauspielerei. „Wenn ich meiner Verwandtschaft glauben darf, wollte ich schon als Kind Schauspieler werden“, erzählt er. Als er dann, mit 16, in seiner rebellischen Phase, den Hamlet erstmals spielte, sei es um ihn geschehen gewesen. „Shakespeare war mein Erweckungserlebnis“, erinnert er sich.

Die katholische Schule, auf die er damals ging, war wohl mit ausschlaggebend für diese Leidenschaft, vermutet er heute. „Das Feiern der Messe hat einen performativen Charakter, wie das Theater auch.“ Seine Eltern - der Vater war Notar, die Mutter hatte Tiermedizin studiert, aber nie in diesem Beruf gearbeitet - seien sehr unterstützend gewesen. Nach der Matura studierte Teichtmeister am berühmten Max Reinhardt Seminar in Wien Schauspiel - quasi eine Bilderbuchkarriere. „Nachdem ich die Aufnahmeprüfung bestanden hatte, war ich unendlich beseelt davon, wie selbstverständlich das alles geklappt hat.“ Erste Engagements hatte er schon während der Ausbildung.

In Österreich kennt man ihn heute, nicht nur wegen des Theaters. Kürzlich spielte Teichtmeister in der hervorragenden, bitterbösen Mini-Serie „Altes Geld“, und den „Salzburg“-Krimi verfolgte im österreichischen Fernsehen jeder dritte Zuschauer. Nebenan, in Deutschland, ist der Schauspieler weniger bekannt. Bleiben soll das freilich nicht so. „In Deutschland Erfolg zu haben, eröffnet einem neue Möglichkeiten. In Österreich ist die Filmwirtschaft so klein, dass sich nach ein paar Jahren alle kennen.“ Hierzulande war Teichtmeister zuletzt in der Neuverfilmung von „Das Tagebuch der Anne Frank“ in den Kinos zu sehen, als SS-Oberscharführer Silberbauer.

Neben seinen Engagements für Film und Theater findet Teichtmeister noch Zeit, selbst zu unterrichten. „Mut, Bescheidenheit und Bereitschaft“, brauche ein Schauspieler, erklärt er und klingt dabei tatsächlich äußerst lehrerhaft. Dann aber sagt er: „Man muss sich bewusst sein, dass das, was man tut, Entertainment ist.“ Das hätte man von einem Mann, der so für die Schauspielerei zu leben scheint, dann doch nicht erwartet.

tsch

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