Wo steckt Til Schweiger?

Ein Ausblick auf die Highlights der neuen „Tatort“-Saison

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Das virtuelle Antlitz des Bluesky-Programms wirkt nicht von ungefähr bedrohlich. Es stammt aus „HAL“, dem zweiten „Tatort“ der neuen Saison, der bitterböse Stanley Kubricks „2001 - Odyssee im Weltraum“ zitiert.

Stanley Kubrick in Stuttgart, Sterbehilfe in Luzern und zwei Norddeutsche im „Taxi nach Leipzig“. Ein Überblick über die „Tatort“-Stücke, die in der am 21. August startenden neuen Spielzeit Furore machen werden.

Wenn Fußballeuropameisterschaften und Olympische Spiele im selben Sommer stattfinden, bleibt das für Deutschlands beliebteste Krimireihe nicht ohne Folgen. Lang wie selten fiel die „Tatort“-Pause 2016 aus - seit Anfang Juni laufen am Sonntagabend nur noch Wiederholungen. Warten, bis in Rio die olympische Flamme gelöscht ist, will man bei der ARD dennoch nicht: Am 21. August wird erstmals nach zweieinhalb Monaten wieder ein neuer „Tatort“ zu sehen sein - zeitgleich zum im ZDF übertragenen letzten Wettkampftag der Sommerspiele in Brasilien. Gegen solch starke und sportive Konkurrenz schicken die Programmplaner des Ersten zwei der erfahrensten Kräfte ins Feld: Die Kölner Traditionskommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermitteln zum „Tatort-“Saisonauftakt die Hintergründe einer Familientragödie. Ein Highlight ist die bieder geratene Episode „Durchgedreht“ nicht wirklich. Für Furore sorgen dafür andere, wie unser Saison-Ausblick zeigt. Til Schweiger wurde übrigens nicht böswillig unterschlagen. Der Nick-Tschiller-Darsteller ist nach seinem Doppelschlag vom Jahresanfang gemäß jetzigem Planungsstand erst 2018 wieder im Einsatz.

28.08.: Tatort: HAL

Stanley Kubrick im Ländle: Schon der zweite „Tatort“ der neuen Saison hat es in sich. Autorenfilmer Niki Stein schickte die Stuttgarter Ermittler Lannert (Richy Müller) und Bootz (Felix Klare) auf eine Odyssee, die zwar nicht durch den Weltraum führt, aber unverhohlen den Sci-Fi-Klassiker „2001“ zitiert. Wie im Kinovorbild wendet sich ein „intelligentes“ Computerprogramm maliziös gegen seinen Schöpfer. Ein beißender Kommentar auf die Technologiehörigkeit unserer Zeit. Er wird Wellen schlagen!

04.09.: Tatort: Die Kunst des Krieges

Auch der neue Fall aus Wien dürfte für Gesprächsstoff sorgen. Und das nicht alleine wegen der grausigen Gewaltdarstellung: Einem türkischstämmigen Geschäftsmann wurden Zunge und Hände abgetrennt. Die Episode „Die Kunst des Krieges“ liefert noch mal eine neue Lesart der allgegenwärtigen Flüchtlings- und Migrationsdebatte: Eisner (Harald Krassnitzer) und Fellner (Adele Neuhauser) bekommen es mit Menschenhandel und der Zwangsprostitution von Schutzsuchenden zu tun.

18.09.: Tatort: Freitod

Eine lebensmüde Deutsche tritt zu ihrer letzten Reise in die Schweiz an: Dort verstirbt dann aber ausgerechnet ihre Sterbebegleiterin - sie wurde auf dem Heimweg brutal erschlagen. Sterbehilfe doppelt fatal - ein Debatten-„Tatort“ erster Güte, mit dem die Luzerner Ermittler Flückiger (Stefan Gubser) und Ritschard (Delia Mayer) ganz sicher beiderseits der Grenze für Aufsehen sorgen werden.

20.11.: Tatort: Es lebe der Tod

In der zurückliegenden Folge aus Wiesbaden begegnete der Schauspieler (!) Ulrich Tukur seiner Figur (!) Felix Murot. Wie es nach so einer intellektuellen Pointe weitergehen soll? Mit einem eher „konventionellen 'Tatort'“, wie Hauptdarsteller Tukur ankündigt. Aber „konventionell“ ist bei einem wie ihm natürlich ein relativer Begriff. Erzählt wird laut dem Star ein „düsteres Kammerspiel mit einem großartigen Antagonisten. Jens Harzer spielt einen Todesengel, dass man Gänsehaut bekommt.“ Glaubt man ungesehen.

27.11.: Tatort: Taxi nach Leipzig

Am 29. November 1970 ließ sich der Hamburger Hauptkommissar Paul Trimmel im „Taxi nach Leipzig“ chauffieren - im ersten „Tatort“ überhaupt. 46 Jahre und 999 Folgen später zitiert die ARD zum Jubiläumsanlass ehrfurchtsvoll den Premierentitel von dereinst. Diesmal im „Taxi nach Leipzig“ unterwegs sind die Hannoveraner LKA-Frau Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und der Kieler Kommissar Borwowski (Axel Milberg), die aus der 1.000. „Tatort“-Folge somit einen Crossover-Fall machen. Zu tun bekommen werden es die beiden mit einem rachsüchtigen KSK-Kämpfer, der aus Afghanistan heimgekehrt ist.

18.12.: Tatort: Wofür es sich zu leben lohnt

Sie zählen zu den dienstältesten Ermittlern im „Tatort“-Gewerbe. Seit 2002 ermittelt Eva Mattes als Hauptkommissarin Klara Blum am Bodensee, seit 2004 spielt Sebastian Bezzel ihren Kollegen Kai Perlmann. Kurz vor Weihnachten werden die beiden auf ewig im Bodensee-Nebel verschwinden. Der Abschiedsfall gleicht für Eva Mattes einer Begegnung mit ihrer ruhmreichen Vergangenheit. Hanna Schygulla, Irm Hermann und Margit Carstensen, die wie Mattes einst unter dem großen Rainer Werner Fassbinder spielten, geben ein Rentnerinnen-Trio. Regie führt mit Aelrun Goette eine preisgekürte Könnerin.

26.12.: Tatort: Klingelingeling

Das inzwischen obligatorische Weihnachtsspecial liefern dieses Jahr die Münchner: Die Traditionsermittler Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) kommen zur staden Zeit der rumänischen Bettlermafia auf die Schliche. Anders als vergangenes Jahr, als die Konstanzer Festtagsepisode schon im November gezeigt wurde, haben die Programmplaner diesmal fest den zweiten Weihnachtsfeiertag im Blick.

Februar 2017: Tatort: Babbeldasch

Die Experimentierfreude innerhalb der „Tatort“-Reihe macht auch vor dem Traditionsrevier Ludwigshafen nicht Halt. Axel Ranisch, exzentrisches Kino-Selfmade-Wunderkind („Ich fühl mich Disco“) und Rosa-von-Praunheim-Schüler, wurde mit der Regie der Folge „Babbeldasch“ betraut. Wie es Ranischs Methode entspricht, lag kein ausformuliertes Drehbuch zugrunde. Das Team um Ulrike Folkerts alias Kommissarin Lena Odenthal war ebenso wie Darsteller und Darstellerinnen des Ludwigshafener Amateurtheaters Hemshofschachtel zum Improvisieren nach einer groben „Grundstruktur“ aufgefordert. Als „Kriminaloperette ohne Gesang“ beschreibt Ranisch den Film, „in dem Traumsequenzen eine wichtige Rolle spielen werden“, wie der SWR in einer Mitteilung warnte.

2017: Tatort: Tanzmariechen

Endlich mal wieder ein Karnevals-„Tatort“ in der närrischsten aller Frohsinnshochburgen! Zuletzt mussten die Kölner Kommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) vor geschlagenen 17 Jahren den Mord an einem Funkenmariechen aufklären (Episode: „Restrisiko“). Diesmal hat es die Tanztrainerin des Karnevalsvereins „De jecke Aape“ erwischt. Schenk gibt die Frohnatur, Ballauf den Muffel, und Herbert Knaup spielt den Vereinspräsidenten - das kann nur famos werden. Dreimol Kölle Alaaf!

tsch

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