Robert Redford

Die Sphinx auf dem Skateboard

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Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist Robert Redford im Filmgeschäft - und auch im Alter von 80 Jahren denkt der Schauspieler nicht ans Aufhören.

Robert Redford, berühmt aus Filmen wie „Butch Cassidy“, „Jenseits von Afrika“ und „Der Pferdeflüsterer“, wird am 18. August 80 Jahre alt.

Er war und ist einer der ganz Großen in Hollywood - obwohl er eben diesem Hollywood immer wieder den Kampf ansagte und ganz eigene Wege ging. Robert Redford, der am 18. August 80 Jahre alt wird, hatte ein Leben lang den Glamour der großen, unnahbaren Stars wie James Stewart oder Cary Grant und war damit eigentlich einer, der „zu spät“ gekommen ist. Seit den 60-ern, seit „Butch Cassidy and the Sundance Kid“ (1969), reichte kaum ein Superlativ aus, um die Ausstrahlung und Schönheit des ewig jugendlichen Stars mit den stahlblauen Augen in Worte zu fassen. Der „attraktivste Mann des amerikanischen Films“ wurde trotz einer Größe von nur 1,70 Metern, aber auch trotz eines durchaus begrenzten Rollenrepertoires ein Leinwandgigant, der gleichermaßen in politischen wie romantischen Filmen überzeugte. Mitte der 1970-er spielten seine Filme an den Kinokassen mehr ein als die jedes anderen Schauspielers, einem jüngeren Publikum wurde er vor allem mit „Jenseits von Afrika“ und „Der Pferdeflüsterer“ bekannt. Längst ist Redford nicht mehr nur Schauspieler, Regisseur und Produzent hochkarätiger Filme, sondern Umweltbewahrer, Naturschützer und Kritiker eines radikalkonservativen Amerikas.

Immer wieder hat er Filme gemacht, die nach eigener Auskunft „den Zustand Amerikas in einem bestimmten Moment beschreiben sollten“, Filme wie „Der Kandidat“, „Die drei Tage des Condor“, „Die Unbestechlichen“ über den Watergate-Skandal, „Quiz Show“ über den Betrug am TV-Zuschauer, und „Von Löwen und Lämmern“, in dem er 2007 einen gealterten Professor spielte, an den niemand mehr glaubt und der dennoch einen jungen Studenten von der Notwendigkeit eines politischen Engagements überzeugen will. Zuletzt verkörperte Redford 2015 in „Der Moment der Wahrheit“ den kritischen und einflussreichen Journalisten Dan Rather - ein Film gegen den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.

Immerhin: „Ich bin Schauspieler“, beschied der in Santa Monica geborene Redford, der das Studium abbrach, aber 30 Jahre später von der Universität in Colorado den Ehrendoktor bekam, als man ihm seitens der Demokraten die Präsidentenkandidatur angetragen haben soll. Als Junge hatte er nach einem Sportfest von Präsident Nixon mit anderen eine Urkunde erhalten sollen. Der Mann, der ihm da gegenüberstand, sei eine einzige Unwahrheit gewesen, so erinnerte er sich. Von der Realpolitik war er von da an wohl für immer geheilt.

Sein Leben bietet Stoff für eine Edelschnulze: Mit 16 Jahren schiffte er sich als Heizer auf der „Queen Mary“ nach Europa ein und trampte später quer durch den Kontinent. Nach seiner Rückkehr heiratete er als 20-jähriger Kunststudent die zwei Jahre jüngere Lola. Die Ehe mit Lola Jean van Wagenen, die seine weiblichen Fans an den Rand des Wahnsinns brachte, währte immerhin 27 Jahre, das Paar ließ sich 1985 scheiden. „Ich kann sie alle haben, aber ich will nicht“, erklärte Redford, dreifacher Vater, zu besten Zeiten mal das Verhältnis zu seinen weiblichen Fans.

2009 dann wieder Aufregung um Redfords Privatleben: Da heiratete er nach zwölfjähriger Beziehung in Hamburg seine Freundin Sibylle Szaggars, eine um 20 Jahre jüngere Malerin. Das Jawort gab man sich, wie es hieß, im engsten Familienkreis. „Bild“ war immerhin exklusiv dabei und berichtete in Wort und Bild von der Trauungszeremonie, in der man zum Psalmwort: „Herr, Deine Güte reicht so weit der Himmel ist und Deine Wahrheit so weit wie die Wolken gehen ...“ die Ringe tauschte - schön wie in einem Redford-Film.

Robert Redford war nie ein Mann der Klatschgeschichten und Skandale. Als er durch Filme wie „Barfuß im Park“, „Butch Cassidy“ und „The Candidate“ längst zu höchsten Hollywoodehren aufgestiegen war, zog er sich mit seiner Familie völlig aus dem öffentlichen Leben zurück und floh auf eine Farm in den Bergen von Utah, wo er noch heute lebt. Von dort ließ sich der aktive Umweltschützer nur äußerst ungern vor die Filmkamera locken. Die erwirtschafteten Millionengagen steckte er in eigene Produktionen wie „Eine ganz normale Familie“, für die er 1981 den Oscar als bester Regisseur erhielt. Den Ehrenoscar fürs Lebenswerk bekam er 2002. Außerdem gründete er in Utah sein Sundance Institut und das gleichnamige Festival für unabhängige Filme, heute eine Institution des Independent-Kinos.

Der „Spezialist für private Drehpausen mit Überlänge“ wählte sorgfältig seine Rollen aus und verzichtete dabei bewusst auf Gagen und mögliche Erfolge. „Ich seh ja nun wirklich nicht aus wie ein Collegeboy, der noch nie gebumst hat“, lautete seine Absage an „Die Reifeprüfung“, mit der später Dustin Hoffmann seine Karriere starten sollte.

Die Versuche, Filme ganz auf die Wirkung seiner Person zuzuschneiden, nahmen teilweise groteske Formen an. An der Seite der zwölf Zentimeter größeren Jane Fonda konnte sich Redford vor der Kamera nur auf einer Art überdimensionalem Skateboard bewegen. Regisseur George Roy Hill inszenierte 1968 in „Butch Cassidy“ eine Art „Schönheitswettkampf“ und stellte die Zuschauer vor die Wahl: Redford oder Newman. Der Zweikampf endete unentschieden, sodass Hill fünf Jahre später in der brillanten Gaunerkomödie „Der Clou“ erneut auf das bewährte Gespann zurückgriff.

Medienfreundlicher blieb Nudelsoßen-Erfinder Newman allemal. Sein Urteil: „Verglichen mit Robert ist sogar die Sphinx eine Plaudertasche.“ Generationen von Reportern können dies nur mit einem Kopfnicken bestätigen. Und im Studio oder am Schneidetisch verhält er sich Zeugen zufolge gar wie ein Geist: Er macht sich unsichtbar - und ist dann im entscheidenden Moment wieder da. So hat er nun schon Generationen von Schauspielern, Regisseuren und Produzenten mit anhaltendem Erfolg überlebt.

Das Fernsehen gratuliert Robert Redford mit Filmreihen zum 80. Geburtstag:

„Der große Gatsby“ (1974; Freitag, 12. August, 22.00 Uhr, 3sat)

„Jenseits von Afrika“ (1985; Sonntag, 14. August, 20.15 Uhr, 3sat)

„Barfuß im Park“ (1967; Sonntag, 14. August, 22.50 Uhr, 3sat)

„Milagro - Der Krieg im Bohnenfeld“ (1988; Sonntag, 14. August, 0.30 Uhr, 3sat)

„Havanna“ (1990; Donnerstag, 18. August, 22.25 Uhr, 3sat)

„Die drei Tage des Condor“ (1974; Freitag, 19. August, 22.15 Uhr, 3sat)

„Die Lincoln Verschwörung“ (2010; Samstag, 20. August, 0 Uhr, MDR)

„Der elektrische Reiter“ (1979; Sonntag, 4. September, 20.15 Uhr, ARTE)

„Bill McKay - Der Kandidat“ (1972; Sonntag, 4. September, 22.10 Uhr, ARTE)

tsch

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