Kampf um Marktanteile

Disney Channel: Spagat mit Mäusen und Movie-Stars

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General Manager Lars Wagner (links) und Programmchef Ralf Gerhardt wollen den Disney Channel noch attraktiver machen. Das Vormittagsprogramm bekommt einen Relaunch ab.

Der Free-TV-Sender Disney Channel möchte sich im Kampf um Marktanteile vor allem mit neuen Eigenproduktionen, Serien-Nachschub und künftig Kino-Klassikern am Sonntag behaupten.

Als der deutschsprachige Disney Channel 2014 frei empfangbar auf Sendung ging, rechneten viele TV-Experten mit einer wahren Erschütterung auf dem Markt für Kinderfernsehen. Tatsächlich startete der Mäuse-Sender anfänglich sehr gut, Platz für andere hat er allerdings weiterhin gelassen. Im Tagesprogramm, das sich an die 3- bis 13-Jährigen richtet, erzielt der Disney Channel in der Regel Marktanteile von rund zehn Prozent, landet damit allerdings auf dem dritten Platz hinter dem öffentlich-rechtlichen Kinderkanal und Super RTL, die oft fast die doppelten Werte schaffen. Nun möchte Senderchef Lars Wagner für die TV-Saison 2016/2017 wieder kräftig Gas geben und setzt dabei auf lokale Eigenproduktionen.

Eine echte Überraschung: Auch beim eigentlich für junge Genießer und Mitesser programmierten Disney Channel soll es voraussichtlich im nächsten Jahr eine eigene Kochsendung geben - ohne eine solche scheint ja kaum ein deutscher Sender auszukommen. Allerdings hat „An die Töpfe, fertig, lecker!“ natürlich einen Clou, der nicht nur bei geschmäcklerischen Kindern gut ankommen dürfte. Ein junger Chefkoch und sein erwachsener Assistent müssen in der Comedy-Kochshow, die im Tagesprogramm ausgestrahlt werden wird, eine Promi-Gast von einer bislang ungeliebten Zutat überzeugen. Brokkoli-Alarm bei Disney!

In der Primetime wird schon bald ein Gesicht zurückkehren, das nicht nur Disney-Channel-Zuschauer gut kennen: Steven Gätjen, mittlerweile etwas glück- und farblos in ZDF-Unterhaltungssendungen zugange, präsentiert ab 14. November die Montagsshow-Ranking-Reihe „Disney Magic Moments“. Und mit dem charmanten Deutsch-Amerikaner ist eine weitere Eigenproduktion für das nächste Frühjahr geplant: In der Ableger-Showreihe „Disney Magic Moments - das Quiz“ - ebenfalls eines der beliebtesten Genres im deutschen Fernsehen - können Fans ihr einschlägiges Fachwissen über Micky, Nemo, Mogli, Captain Jack Sparrow und Konsorten ausspielen.

Eine der auffälligsten Neuerungen in der kommenden Disney-Channel-Zeit wird allerdings sein, dass Lars Wagner und sein Programmchef Ralf Gerhardt den Sonntagabend umprogrammieren werden. Weil die beliebten „Gilmore Girls“ künftig erst einmal nicht mehr zur Verfügung stehen, zeigt der Sender zum abendlichen Wochenendausklang Spielfilm-Klassiker mit Marilyn Monroe, Audrey Hepburn und James Dean. Die etwas reiferen Freunde des Senders dürfen sich ab Januar unter anderem auf ein Wiedersehen mit „Casablanca“, „Frühstück bei Tiffany“ oder der tränenreichen „Love Story“ freuen.

Tatsächlich ist es der Programm-Spagat, der die Bandbreite des Disney-Ablegers für das Free-TV ausmacht: Er will tagsüber die Jüngeren und ab der klassischen Primetime vor allem die 14- bis 49-Jährigen ansprechen. Deswegen müssen Wagner und Gerhardt das Schaufenster an allen Ecken polieren. Das Vorschulprogramm am Vormittag bekommt dafür beispielsweise schon bald ein aufgehübschtes neues Design. Unter tags sollen Serienhits die jungen Fans bei der Stange halten - demnächst unter anderem mit neuen Folgen der Serie „Miraculous - Geschichten von Ladybug und Cat Noir“ in deutscher Erstausstrahlung oder ebenfalls ganz frischen Episoden der Erfolgstelenovela „Soy Luna“.

In der Primetime kommen neue Serien wie die Musicalcomedy „Galvant“ oder „Hindsight“ zum Einsatz, dazu neue Folgen von „The Fosters“ oder „Switched at Birth“. Beim Filmangebot steht der November ganz im Zeichen von Disney-Pixar-Klassikern wie „Findet Nemo“, „Wall-E - Der Letzte räumt die Erde auf“ und die „Monster AG“. Im Dezember kommen jahreszeitlich passend die Prinzessinnen Rapunzel, Cinderella und Schneewittchen zum Einsatz.

„Wenn ich auf die vergangene TV-Saison zurückblicke, ist eine deutliche Entwicklung zu sehen: Nach einem Blitzstart 2014 haben wir viele Erfahrungen gesammelt, die wir in diesem Jahr im Programm und Marketing erfolgreich umsetzen konnten“, bilanziert Senderchef Lars Wagner. „Für die kommende TV-Saison setzen wir vor allem auf lokale Eigenproduktionen, neue Serien und ein attraktives Spielfilmangebot, um unser dynamisches Wachstum weiter fortzusetzen.“ Das Ziel ist vorgegeben. Nun dürfen die Mäuse tanzen.

tsch

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