Cheryl Shepard

Sexy mit 50

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50, sexy, selbstbewusst - und das nach einer schweren persönlichen Krise: Wie haben Sie das gemacht, Cheryl Shepard?

Cheryl Shepard, lange Jahre im Cast von "In aller Freundschaft", machte 2015 mit ihrer Familie eine schwere Krise durch. Nun geht sie - verblüffend gestärkt - eine neue Aufgabe an: Die 50-Jährige ist Hauptfigur der neuen "Rote Rosen"-Staffel.

Selten hat man eine zufriedenere, attraktivere 50-Jährige gesehen als Cheryl Shepard. 2015 machte die in Leipzig lebende Schauspielerin mit amerikanischen Wurzeln Schlagzeilen, weil sie Privatinsolvenz anmeldete. Zuvor konnte man sie zwölf Jahre lang als Ärztin im ARD-Dauerbrenner "In aller Freundschaft" sehen. Nachdem ihre Figur aus der Serie herausgeschrieben wurden, folgte der finanzielle Kollaps. Doch die Frau von Schauspielkollege Nikolaus Okonkwo und Mutter von drei leiblichen sowie zwei Adoptivkindern steckte den Kopf nicht in den Sand. Als neue Hauptdarstellerin der Midlife-Telenovela "Rote Rosen" (neue Folgen ab Donnerstag, 26. Mai, 14.10 Uhr, ARD) hat sie nun auch wieder einen Job, der sie ihre Schulden zurückzahlen lässt. In einem erstaunlich offenen Gespräch erzählt die gebürtige New Yorkerin von den Umständen, die zum finanziellen Absturz führten, ihrer Reifung als Mensch und die Sexyness von Frauen um die 50.

teleschau: "Rote Rosen" ist die einzige deutsche Telenovela, deren Hauptfiguren mittleren Alters sind. Welche Probleme hat man mit 50, die man mit 30 oder 40 noch nicht hat?

Cheryl Shepard: Es fehlen einfach ein paar Jahre Lebenserfahrungen - positive wie negative. Es braucht nicht immer große Schicksalsschläge, um sich weiterzuentwickeln. Manche Fragen beantworten sich einfach von selbst mit der Zeit, durch die Summe vieler kleiner Erfahrungen, die man macht. Zumindest bei mir war das so.

teleschau: Worin sind Sie mit 50 reifer als mit 40?

Cheryl Shepard: Zum Beispiel in meiner Partnerschaft. Daran habe ich mit meinem Mann viel gearbeitet - auch mit Hilfe eines Paartherapeuten. Mit großem Erfolg, wie ich finde. Die Partnerschaft ist meine engste und geschützteste Beziehung. Da darf ich auch Fehler machen, es ist wie ein Übungsfeld. Und ich lerne daraus viel für alle anderen Begegnungen in meinem Leben. Ob nun beruflich oder privat, eng oder etwas entfernter.

teleschau: Sie sprechen sehr positiv über Ihre Ehe. Andererseits zerbrechen viele Beziehungen in der Mitte des Lebens. Obwohl man doch davon ausgehen könnte, dass da zwei reife und erfahrene Menschen miteinander umgehen.

Cheryl Shepard: Viele Paare arrangieren sich in einer gewissen Sprachlosigkeit. Das war nie etwas für mich. Uns geht es gut. Wir sind privilegiert. Aber warum? Weil wir drangeblieben sind.

teleschau: Was ist heute besser und was ist schlechter in Ihrem Leben, wenn Sie es mit dem Lebensalter 40 vergleichen?

Cheryl Shepard: Schlechter ist überhaupt nichts. Besser dagegen einiges. Zum Beispiel, dass ich netter und bewusster mit mir selbst umgehe. Weil ich mich besser kennengelernt habe, verhalte ich mich anders. Deshalb reagiert auch mein Umfeld anders auf mich.

teleschau: Ist man mit 50 gnädiger mit sich?

Cheryl Shepard: Ich bin weniger streng und ungeduldig. Früher habe ich mich oft über andere Leute aufgeregt: Fremde, meine Kinder, meinen Mann, meinen Ex-Mann. Wenn ich mich heute aufrege, weiß ich meistens: Das ist nicht der oder die. Die Gefühle haben mit dir zu tun. Wenn man sich selbst besser kennt, kann man eine Menge Dinge im Leben besser machen.

teleschau: Sie vermissen nichts, was Sie mit 20 oder 30 hatten?

Cheryl Shepard (überlegt lange): Nein, wirklich gar nichts.

teleschau: Unterschätzt man die Probleme von jungen, attraktiven Frauen? Nach dem Motto: So eine wie die darf doch keine ernsthaften Probleme haben ...

Cheryl Shepard: Das Glück oder die Möglichkeit, Glück zu empfinden, hängt nicht von Kriterien wie Schönheit, Jugend und Erfolg ab. Kein junger und schöner Mensch sitzt daheim den ganzen Tag vor dem Spiegel und freut sich über seine Attraktivität. Auch ich habe das nie getan.

teleschau: Und gerade schöne Menschen sind oft sehr kritisch mit sich selbst.

Cheryl Shepard: Wer sich auf einen vermeintlichen eigenen Makel konzentriert, verliert alles andere aus dem Blick. Gerade junge Menschen können sich in solchen Dingen richtig verlieren und darüber unglücklich werden. Das ist auf jeden Fall eine Sache, die mit dem Alter besser wird. Die sogenannten Makel werden immer offensichtlicher, man muss sich damit arrangieren. Mir gelingt das sehr gut. Ich mag meine Falten und vor allem meine grauen Haare. Das kann nicht jede Frau nachvollziehen.

teleschau: Sie färben nicht?

Cheryl Shepard: Nein, mir gefallen die grauen Haare. Ich finde mich total sexy so (lacht). Aber es gibt Leute, die das schrecklich finden. Selbst, wenn ich es auch nur ausspreche. Aber sollen die Leute denken und machen, was sie wollen. Hauptsache sie lassen mich in Ruhe, denn ich bin total zufrieden mit mir - so wie ich bin.

teleschau: Korrespondiert Ihre Rolle in "Rote Rosen" mit dem eigenen Leben?

Cheryl Shepard: Ja, durchaus. Ich würde sagen, dass ich sehr gut auf die Rolle passe. Natürlich habe ich das Buch nicht geschrieben, aber ich rede schon länger recht offen über die Prozesse in meinem Leben. Vielleicht hat ja mal jemand von mir gelesen und dachte: Ach, daraus machen wir eine Serienfigur. Ich schäme mich für nichts in meinem Leben - und sehe das als Stärke an.

teleschau: Sie sprachen im letzten Jahr sehr offen über Ihre Privatinsolvenz. So etwas wäre den meisten Menschen maximal unangenehm. Mussten Sie tatsächlich keine Scham überwinden?

Cheryl Shepard: Ein glücklicher Zufall zwang mich zur Offenheit. Eine anonyme Person, die ich vermute zu kennen, hatte das Bedürfnis, meine Insolvenz der Presse zu stecken. Die Sache war also draußen. Bevor ich einen Eiertanz der Dementis oder eine Welle der Recherchen bei Dritten eröffne, dachte ich mir, dass ich meine Situation besser selbst erkläre. Tatsächlich gab es nichts, wofür ich mich schämen musste. Ich habe mich nach meinem Geständnis sehr befreit gefühlt.

teleschau: Hätten Sie die Insolvenz ansonsten verheimlicht?

Cheryl Shepard: Ich weiß es nicht. Ich denke, man hätte es früher oder später ohnehin gemerkt, dass wir finanzielle Probleme haben. Wir mussten umziehen, auch das Auto war nicht mehr dasselbe. Ein zeitlang fuhr ich nur Rad, weil ich kein Auto mehr hatte. Andere Kollege fliegen um die Welt in den Urlaub. Wir halt gerade nicht (lacht). Wir sind zu den Schwiegereltern nach Schleswig-Holstein oder den Eltern in die Schweiz gefahren. Aber das musste dann auch schon kalkuliert werden. Andererseits ging und geht es uns gut. Wir haben uns. Der Zusammenhalt in der Familie wurde durch diese Sache gestärkt.

teleschau: Sie haben öffentlich gemacht, dass ein Großteil der Schauspieler in Deutschland von sehr wenig Gage leben muss. Nur eine kleine Riege Auserwählter verdiene gut. In einer Boulevardzeitung stand, dass Schauspieler nicht mit Geld umgehen können. Ein gemeines Gerücht?

Cheryl Shepard: Ich sage nicht, dass ich immer gut mit Geld umgehen konnte. Dennoch bin ich nicht in die Insolvenz geschlittert, weil ich nicht mit Geld umgehen konnte. Ich verlor meine Rolle bei "In aller Freundschaft", die ich lange gespielt habe. In der Zeit davor ging es mir lange Jahre finanziell sehr gut. Ich habe Menschen, die mir nahestehen, viel abgegeben. Ich teilte meinen Luxus und sehe darin nichts Verwerfliches.

teleschau: Wie lange war die Pause zwischen "In aller Freundschaft" und "Rote Rosen"?

Cheryl Shepard: Im März 2015 wurde meine letzte "In aller Freundschaft"-Folge ausgestrahlt. Und im November des gleichen Jahres castete ich für "Rote Rosen". Im Januar kam die Zusage, dass ich die Rolle habe.

teleschau: Ihre Pause war also gar nicht so lange.

Cheryl Shepard: Nein für Schauspielerverhältnisse war sie absolut undramatisch und kurz. Dennoch fragten mich im letzten Jahr viele Menschen, ob ich die Schauspielerei aufgegeben hätte.

teleschau: Weil Sie in Leipzig ein Café eröffneten, aus dem Sie sich mittlerweile wieder zurückgezogen haben?

Cheryl Shepard: Ja, vielleicht. Das mit dem Café war einfach ein Traum von mir. Etwas, das ich immer mal ausprobieren wollte. So wie andere Leute einen Segelschein machen. Es war nie angedacht, dass ich nicht mehr spielen will. Es waren tolle und lehrreiche Erfahrungen, die ich im Café machte. Aber ich habe auch festgestellt: Als Inhaberin bin ich die Letzte, die etwas von den Einnahmen erhält. Ich hatte fünf Angestellte, die bezahlt werden mussten. Von der Gastronomie konnte ich nicht leben. Von der Schauspielerei kann ich es schon und meine Schulden zurückbezahlen. Es war also eine rein logische Entscheidung, das Café aufzugeben. Das hatte sicher nichts mit fehlender Leidenschaft zu tun.

teleschau: Es gehört zum Konzept von "Rote Rosen", dass die Hauptdarsteller nach einem Jahr ausgetauscht werden, weil dann wieder eine neue Geschichte erzählt wird. Ist das nicht frustrierend?

Cheryl Shepard: Für uns Schauspieler ist diese Situation normal. Man spielt ein Stück, und dann ist es wieder vorbei. Dass ich bei "In aller Freundschaft" ein und dieselbe Rolle zwölf Jahre lang spielte, ist ein Zustand, den es eigentlich gar nicht gibt. Ich erlebte etwas grandios Gutes, dass es eigentlich gar nicht gibt (lacht). Insofern kann ich mich nicht beschweren. Ich lebte in einem Märchen und dieses Märchen geht nach einer kurzen Pause nun ein ganzes Jahr lang weiter. Zwischendurch fand ich mich auch ganz gut in der Realität zurecht. Genau das wird mir nach einem Jahr "Rote Rosen" wieder gelingen.

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