Bis zum Herbst können 18- bis 34-Jährige an der größten europäischen Jugendumfrage "Generation What" teilnehmen

Sex, Politik, Geld: So will man der Jugend einen Namen geben

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"Würden Sie für Ihr Land kämpfen?" - Auch (von links) Jerome, Melchior und Max stellen sich Fragen wie dieser.

Die XXL-Studie "Generation What": eine Chance - oder doch belanglos?

Hast du dich schon einmal selbst befriedigt? Wenn es Krieg gäbe, würdest du für dein Land kämpfen? Vor was hast du Angst? - Insgesamt 149 Fragen, von Politik bis hin zu Sexualität und Familie, werden den 18- bis 34-Jährigen bei der europaweiten Studie "Generation What", die noch bis Herbst läuft, gestellt. Das Ziel: Eine ganze Generation soll eingeordnet werden. Millennials, Generation Porno, Generation Y? Klischees und Schubladen gibt es bereits viele, aber jetzt soll endgültig geklärt werden, was die jungen Menschen in Europa wirklich umtreibt, was sie von Einwanderung halten, was ihre größten Sorgen sind und wie sie zu Themen wie Treue und Religion stehen. Diesmal sagen nicht die Alten, wie die Jungen sind, die Jungen geben sich selbst einen Namen. Doch: Warum braucht es eine solche Einordnung und diese XXl-Befragung überhaupt?

"Generation What" soll zur weltweit größten Jugendumfrage aller Zeiten avancieren. Durchgeführt wird sie von zwölf europäischen Rundfunksendern, in Deutschland sind der BR, der SWR und das ZDF beteiligt. Die Veranstalter erhoffen sich etwa eine Million Teilnehmer aus ganz Europa, seit dem Start im April haben bereits über 650.000 Menschen online die Fragen beantwortet. Zum Vergleich: Die deutschlandweite Shell-Jugendstudie, die alle vier Jahre in Auftrag gegeben wird, hat etwa 2.000 Teilnehmer, die allerdings vorab ausgewählt werden.

Tobias Bönte, Redakteur beim Bayerischen Rundfunk und Ansprechpartner der Jugendstudie, betont: "Bei uns kann jeder mitmachen, der ein Bild von seiner Generation zeichnen möchte. Wir wollen den Jungen die Chance geben, ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen." Das einzige, was der geneigte 18- bis 34-Jährige dazu benötigt, ist ein Internetzugang. Zu finden sind die Fragen und umfangreiche Hintergrundinformationen unter www.generation-what.de

Was ist das Ziel von "Generation What"? Tobias Bönte erklärt: "Es gab ein Vorgängerprojekt in Frankreich, 'Génération Quoi'. Da machten vor drei Jahren über 200.000 junge Erwachsene mit." Die Ergegnisse der Befragung sollen im Nachbarland solche Wellen geschlagen haben, dass der französische Staatspräsident François Hollande eine Sonderkabinettssitzung einberief, um die Ergebnisse der Studie im Detail mit seinem Kabinett zu besprechen. "Etwas in der Art wäre natürlich wünschenswert, liegt aber nicht wirklich in unserer Hand", so Bönte, der mit seinen 30 Jahren selbst noch zur Zielgruppe gehört. "Generation What?" soll den jungen Erwachsenen also eine Chance bieten, gehört zu werden, und Wünsche und Probleme verschiedenster Couleur deutlich zu machen. Bei einem Projekt dieser Größe ist Aufmerksamkeit sicher, die Medien berichten bereits umfangreich - ob sich dann etwas ändert, steht auf einem anderen Blatt.

Oft, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich im Bereich Jugend engagieren wollen, ist der Wirbel recht groß, das Ergebnis aber eher enttäuschend. Wollen die Macher die Studie vielleicht auch für sich selbst nutzen, um wieder einen Zugang zur Jugend zu bekommen? Geht es also auch um die Neuausrichtung der Programme? "Wir wollen die Generation im Bezug auf die unterschiedlichen Themen mit Hilfe dieser Umfrage verstehen, und natürlich werden auch die Öffentlich-Rechtlichen die Ergebnisse entsprechend nutzen. Das ist aber nicht das erste Ziel", antwortet Bönte. Eine Chance, die Interessen der 18- bis 34-Jährigen zu verstehen, ist die Befragung natürlich. Für die Programmmacher allerdings bedenklich: Auf die Frage "Könntest du ohne Kino, Filme oder TV-Serien glücklich sein?" antworten bis jetzt 54 Prozent der jungen Deutschen mit Ja. Auf die Frage "Könntest du ohne Fernsehen glücklich sein?" sogar 79 Prozent.

Zusätzlich zur Umfrage können die User auf der Homepage der Studie Interviews und Hintergrundberichte anschauen. Daneben zeigen die beteiligten TV-Stationen vier Dokumentationen zu den Themen Liebe und Sex, Arbeit und Wirtschaft, Erwachsensein sowie Freunde und Feiern. Der SWR sendet am Mittwoch, 25. Mai, ab 00.15 Uhr, alle vier Dokumentationen hintereinander. Alle vier Filme sind inzwischen aber auch auf YouTube verfügbar. Besonders sehenswert: Die Videos auf der Internetseite, die Jugendliche aus ganz Europa beim Beantworten der Fragen zeigen. Da wird der ein oder andere durchaus entsetzt sein, was seine "Generation" in Europa so denkt. What?!

Fünf Prozent der deutschen Teilnehmer haben mit ihren Eltern schon einmal gekifft, 47 sich mit den Eltern schon einmal betrunken, 30 Prozent sagen, dass sie ohne Sex glücklich sein können, und 62 Prozent denken, dass es zu viele Drogen gibt. Ob diese Antworten - die endgültigen Ergebnisse werden im September bekannt gegeben - soziologisch und politisch so bedeutsam sind, wie die Veranstalter betonen, sei dahingestellt. Lustig ist das Beantworten und Sich-Vergleichen allemal.

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