Schauspieler im Interview

Gabriel Raab: Senkrechtstarter zwischen Gut und Böse

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Der Schauspieler Gabriel Raab (35) interessiert sich sehr für die „Grauzonen“ zwischen Gut und Böse. Im „Bozen Krimi“ gibt er den Kommissar, im ZDF-Thriller „Liebe bis in den Mord“ ist der Oberbayer hingegen als diabolischer Bösewicht zu sehen.

„Als Privatperson bevorzuge ich friedliche Lösungen“, versichert Gabriel Raab im Interview. Gut, das zu erfahren, denn wer ihn in seiner diabolischen Rolle im ZDF-Thriller „Liebe bis in den Mord“ sieht, könnte auch auf andere Gedanken kommen ...

So kann es gehen: 2002 stand Gabriel Raab als blutjunger Darsteller auf der Bühne der Passionsspiele in Oberammergau. Heute ist er so etwas wie der Schauspieler der Stunde. Seit er bei den Salzburger Festspielen drei Jahre lang den Mammon verkörperte und 2008 sein Filmdebüt in „Totentanz“ an der Seite von Michael Mendl gab, ging es für den heute 35-Jährigen nur aufwärts. Neben der Kommissarsrolle im erfolgreichen „Bozen-Krimi“ der ARD (sechs Millionen Zuschauer) ist er jetzt am Montag, 19. September (20.15 Uhr), in dem ZDF-Montagsfilm „Liebe bis in den den Mord“ an der Seite von Felicitas Woll zu sehen. Noch 2016 wird Raab als Feuerwehrmann in der neuen ZDF-Reihe „Feuer und Flamme“ zu sehen sein. Der aus dem Landkreis Altötting stammende Gabriel Raab lebt mit der Künstlerin Alina Birkner in München.

nordbuzz: Vom Engel in Oberammergau zum teuflisch sympathischen Vergewaltiger im ZDF-Montagsfilm ist es ein weiter Weg. Wo fühlen Sie sich schauspielerisch mehr zu Hause?

Gabriel Raab: Der Engel im Passionsspiel war meine erste Rolle als Schauspieler, allerdings hatte das mit der klassischen Vorstellung von einem Engel mit Flügeln wenig zu tun. Ich war eher wie ein Straßenjunge gekleidet in Lumpen und mit dreckigem Gesicht, der Jesus in seiner Verzweiflung am Ölberg tröstet. Aber so weit ist der Weg gar nicht, denn wie ein Engel zu lächeln und dabei böse Dinge zu sagen und zu tun, macht die Figur des „Adrian“ im ZDF-Thriller nur umso diabolischer und war eine Mords-Gaudi beim Spielen.

nordbuzz: Setzt man sich in einem Passionsspielort wie Oberammergau automatisch früher mit Gut und Böse auseinander als anderswo?

Raab: Gut und Böse sind auf jedem Fall immer ein Thema in einem zutiefst katholischen Ort wie Oberammergau. Gerade die Figuren, die von ihrem Weg abkommen und zweifeln, sind ja oft am spannendsten zu spielen, wie etwa die Figur des Judas. Die Motive, die sie antreiben, Böses zu tun, sind, wenn man genauer hinschaut, oft menschlich sehr nachvollziehbar. Spannend fand ich immer Scorseses Darstellung, in der letzten Versuchung, in der Jesus vielmehr passiv bleibt und die Figur des Judas stark in den Vordergrund rückt, um am Ende sogar den Schutzengel als Satan zu entlarven.

nordbuzz: Mussten Sie sich damals in Oberammergau auch monatelang einen echten Bart und lange Haare wachsen lassen?

Raab: Ein Bart ist mir damals mit 18 noch nicht gewachsen. Lange Haare waren aber Pflicht, die haben irgendwann sehr gejuckt weil wir alle Läuse hatten.

„Einen Kommissar zu spielen, war immer ein Traum“

nordbuzz: Im neuen „Bozen Krimi“, der ab 20. September gedreht wird, wechseln Sie wieder die Seiten und gehören zum Ermittlerteam. Was sind eigentlich die Attribute des Guten und des Bösen, und auf welche schauspielerischen Mittel kann man da zurückgreifen?

Raab: Einen Kommissar zu spielen, war immer ein Traum von mir, und ich freue mich, bald wieder in Bozen zu sein. Letztlich bewegt sich das Gute und Böse immer in Grauzonen und ist selten eindeutig zuzuordnen. Das fand ich auch an meiner Figur des „Jonas Kerschbaumer“ im „Bozen Krimi“ so spannend, da ich im ersten Teil zwar ermittelt habe, aber selbst am Ende unter den Verdächtigen war. Es gibt die klassischen Bösewichte und Schurken, aber oft sind in Krimis gerade die sympathischen oder unauffälligen Personen am Ende die Täter. Für den Film „Liebe bis in den Mord“ habe ich mir die ARTE-Dokumentation „Ich bin ein Psychopath“ angeschaut, weil ich die Unfähigkeit zu echter Empathie für die Figur des Adrian sehr spannend fand. Aber auch Mads Mikkelsen als „Hannibal“ inspiriert, weil er die ganze Zeit über so charmant, wohlerzogen und freundlich ist, während er grausame Morde begeht. Am Ende ist das „Böse immer und überall“.

nordbuzz: Sie sind zuletzt schon als deutscher James Dean tituliert worden. Stört Sie so ein Vergleich oder finden sie seine Art zu spielen würde auch der heutigen Film- und Fernsehlandschaft nicht schaden?

Raab: Der Vergleich schmeichelt sehr, aber für James Dean ist meine Nase eindeutig zu groß, und ich wäre mit 35 längst weltberühmt und leider tot. Was mir an James Deans Art zu spielen sehr gefallen hat ist dass Sie immer etwas sehr Theatralisches hatte. Er arbeitete viel mit seinem Körper, und Filme wie „Jenseits von Eden“ wirken eher wie Theaterinszenierungen. Das hat viele dazu eingeladen, ihn zu kopieren, wie er sich bewegt und wie er raucht. Ein bisschen mehr von diesem Mut, groß zu spielen, würde dem deutschen Fernsehen oft gut tun. Ich habe das Gefühl, dass es meistens darum geht, immer weniger zu machen, und wenn man kurz davor ist, sich aufzulösen und zu verschwinden, nennt man das dann qualitatives deutsches Fernsehen: Sieht immer sehr authentisch aus, ist aber etwas langweilig in der Betrachtung

nordbuzz: Oberammergau, Salzburg, Bozen-Krimi, jetzt Alpenthriller. Die Berge verfolgen Sie. Oder kommen sie einfach nicht los von der alpinen Kulisse?

Raab: Ich liebe die Berge, sie sind meine Heimat. Ich hätte allerdings auch nichts dagegen öfter am Meer zu drehen!

„Liebesschmerz kann einen auf jeden Fall zum Wahnsinn treiben“

nordbuzz: Wie sehr wurden Sie von Ihren Eltern geprägt, die ja eher unkonventionell waren?

Raab: Meine Eltern sind beide Künstler und haben sich auf der Kunstakademie in München kennengelernt. Meine Mama hatte rote wuschelige Haare, die weit vom Kopf abstanden, und meine Mitschüler in Ettal haben immer gelacht und gefragt ob meine Mutter wieder in die Steckdose gegriffen hat. Außerdem hatten wir meist irgendwelche uralten Autos mit kaputten Auspuffen, die man schon von weitem gehört hat, während meine Mitschüler teure Limousinen zu ihrem 18. Geburtstag geschenkt bekamen. Als Kind wollte ich auf keinen Fall Künstler werden und lieber ein ordentliches Auto fahren und in einer ordentlichen Wohnung wohnen. Aber das hat sich dann doch geändert!

nordbuzz: Auch die Eltern Ihrer Freundin, der Künstlerin Alina Birkner, waren ja Hippies. Verbindet das? Oder war es eher so, dass man genau anders sein will als die Eltern es vorlebten?

Raab: Die Eltern meiner Freundin sind schon eher Freigeister - genau wie meine. Ich bewundere meine Eltern, wie sie immer zu ihrer Meinung und Andersartigkeit gestanden sind und wünsche mir oft, genau so viel Mut zu haben.

nordbuzz: Sie haben Ihre Liebe erst kürzlich öffentlich gemacht, obwohl Sie schon zwei Jahre liiert sind. Heißt das auch, dass Sie ein Stück mehr Verantwortung übernehmen und eine Familie gründen wollen?

Raab: Jetzt hat erst mal mein kleiner Bruder vorgelegt, und ich bin seit diesem Jahr ein sehr stolzer Onkel, aber natürlich wünsche ich mir Kinder.

nordbuzz: Wie wirkt sich das auf Ihre Arbeit und die ihrer Freundin aus? Ihrer beider Karrieren scheinen ja jetzt gerade so richtig Fahrt aufzunehmen.

Raab: Wir arbeiten beide im Moment viel, was uns sehr glücklich macht. Als Schauspieler ist es ja immer ein großes Geschenk, drehen zu dürfen, und ich freue mich, dass da die Angebote herausfordernder und vielfältiger werden.

nordbuzz: Woran kann man das festmachen?

Raab: Als Kind habe ich immer davon geträumt, Detektiv, Feuerwehrmann oder Polizist zu werden. Kommissar bin ich jetzt im „Bozen Krimi“. Als Feuerwehrmann und Dorfpolizist werde ich in einer neuen ZDF Reihe „Feuer und Flamme“ demnächst am Sonntagabend zu sehen sein. Sie wird noch dieses Jahr starten. Meine Träume als Vierjähriger sind somit alle in Erfüllung gegangen.

nordbuzz: Könnten Sie sich vorstellen, aus Liebe zum Mörder zu werden?

Raab: Liebesschmerz kann einen auf jeden Fall zum Wahnsinn treiben, aber das Morden überlasse ich doch lieber den Figuren, die ich spiele. Als Privatperson bevorzuge ich friedliche Lösungen.

tsch

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