Doku-Reihe „Ab 18!“ 

Dokumentarfilme: Selbstfindung in Zeiten der Globalisierung

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Im ersten Film der „Ab 18!“-Reihe „Coming Home“ soll Isis ihren Platz als Prinzessin in Nigeria einnehmen.

Von nigerianischen Prinzessinen bis zu japanischen Obdachlosen: Eine 3sat-Reihe erzählt außergewöhnliche Geschichten von jungen Erwachsenen, die ihren Platz in der Welt erst noch finden müssen.

Isis ist 26. Sie ist Nigerianerin, lebt in Berlin, macht liebend gern Party und möchte Sängerin werden. So weit, so normal. Doch eines Tages hat Isis ihre Mutter am Handy und wird von ihr gebeten, nach Lagos in Nigeria zu kommen. Ihr Vater soll dort zum König und Isis zur Prinzessin gekrönt werden. Prinzessin zu sein, wird das komplette Leben der 26-jährigen Jet-Setterin auf den Kopf stellen. „Im Grunde ist es wie bei Prinzessin Diana. Es gibt dann Dinge, die erlaubt, und Dinge, die nicht erlaubt sind“, beschreibt Isis ihre Situation. Ob sie in Nigeria trotzdem endlich das Stück Identität findet, das ihr bisher immer gefehlt hat? „Coming Home“ eröffnet am Montag, 17. Oktober, 22.35 Uhr, als TV-Premiere die bemerkenswert tiefschürfende Dokumentarfilmreihe „Ab 18!“, in der 3sat am 17. und 24. Oktober fünf unterschiedliche Geschichten vom Erwachsenwerden erzählt. Jeder Film ist auf seine eigene Art sehenswert.

Außergewöhnliche Schicksale, ähnliche Probleme und Ängste

„Ab 18!“ bezeichnet in diesem Fall nicht das Freigabealter, sondern die Zielgruppe. Die Filme sind von, über und für junge Menschen vor allem im Alter von 18 bis 28. So außergewöhnlich die Lebensweisen und Schicksale der jeweiligen Protagonisten in den fünf Filmen auch sind, plagen die Heranwachsenden doch allenthalben ähnliche Probleme und Ängste. Wie werde ich aufgenommen, wo bewegt sich mein Leben hin, wie kann ich so sein, wie ich es gerne möchte? Wenn zum Beispiel Isis aus Nigeria sich selbst beschwört: „einfach weitermachen. Egal wie schwer es ist. Einfach weitermachen“, so könnte das auch das Mantra eines Physik-Studienanfängers in Berlin, oder einer Verkäuferin in den USA sein.

Auch eine andere Beobachtung des „Coming Home“-Regisseurinnen-Trios, Anna Piltz, Annikki Heinemann und Peta Jenkin, könnte man auf viele junge Erwachsene weltweit beziehen, die nicht gerade Prinz oder Prinzessin wurden: „In Berlin haben wir eine starke, selbstbewusste Frau kennengelernt, die früh von zu Hause ausgezogen ist und seitdem auf eigenen Beinen steht. In Afrika ist diese Frau in die Rolle der kleinen Tochter zurückgefallen, die es nicht schafft, sich gegen die Eltern aufzulehnen oder ihnen einfach nur zu widersprechen.“

Junge Menschen auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft

Wie in „Coming Home“ handeln auch die anderen Dokumentationen von jungen Menschen auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft. Da ist der 22-jährige Japaner Kei, der Studium und Militärdienst abgebrochen hat und als Obdachloser in Kyoto lebt („Freier Mensch“). Im nächsten Film geht es um junge Skater in Tiflis („In der Schwebe“), die sich ganz dem „american way of life“ widmen und gegen die übermächtige orthodoxe Kirche in ihrem Heimatland protestieren. Der dritte Film der Reihe („Der Struggle ist real“) beschäftigt sich mit Kaddi, die 19 Jahre jung ist, gerade ihr Abi macht, aber viel lieber auf Partys geht. Dieser Film zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Kaddi bereits zum dritten Mal von ihrer Mutter, der prämierten Dokumentarfilm-Regisseurin Britta Wandaogo, mit der Kamera begleitet wurde. Und zu guter Letzt gibt es noch Sarah („Mutterglück“), die als Sechsjährige von zu Hause weglief, im Heim aufwuchs und jetzt selbst Mutter ist. Sie möchte ihrem Kind ein besseres Leben bieten, als sie selbst es hatte.

Überzeugend vor allem durch Nähe zu Protagonisten

Die dokumentarischen Porträts über die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens überzeugen vor allem durch ihre Nähe zu den Protagonisten. Der Zuschauer taucht tief mit ein in den Alltag von Isis, Kaddi, Sarah und Co. Dokumentarfilmer Andreas Hartmann, der Kei auf den Straßen Kyotos begleitete, beschreibt sehr treffend, was seinen Ansatz, aber auch dem der anderen Werke so besonders macht: „Ich bin an dem persönlichen Schicksal des Individuums interessiert und möchte über die genaue Betrachtung dessen, eine möglichst universelle Geschichte erzählen, die letztlich auch junge Erwachsene aus Deutschland bewegt“. Und genau das ist den fünf Dokumentarfilmen wirklich gelungen.

Sendetermine der Dokumentarfilmreihe „Ab 18!“:

Montag, 17. Oktober, 22.35 Uhr, „Ab 18! - Coming Home“

Montag, 17. Oktober, 23.20 Uhr, „Ab 18! - Freier Mensch“

Montag, 17. Oktober, 0.05 Uhr, „Ab 18! - In der Schwebe“

Montag, 24. Oktober, 22.30 Uhr, „Ab 18! - Der Struggle ist real“

Montag, 24. Oktober, 23.05 Uhr, „Ab 18! - Mutterglück“

tsch

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