Axel Milberg

Sehnsucht nach Südafrika

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Axel Milberg als zwielichtiger deutscher Strippenzieher der Gesellschaft Kapstadts: Die internationale Krimiserie „Cape Town“ ist am 4. und 5. Juli beim Pay TV-Sender 13th Street zu sehen.

Für Axel Milberg war das Mitwirken in der Krimiserie „Cape Town“ eine Herzensangelegenheit. Seit Jahren engagiert sich der Schauspieler für soziale Projekte in Südafrika.

Eigentlich ist Axel Milberg, der am 1. August 60 Jahre alt wird, zu prominent für eine kleine Rolle im Sparten-TV. Dennoch übernahm der Kieler „Tatort“-Kommissar den Part eines zwielichtigen Deutschen in der Krimiserie „Cape Town“, die nun beim Pay-TV Sender 13th Street (Montag, 4. Juli, und Dienstag, 5. Juli, ab 21 Uhr) zu sehen ist. „Cape Town“ erzählt von einer Mordserie im modernen Kapstadt. Die Serie beruht auf dem Roman „Dead Before Dying“ des in Afrikaans schreibenden Autoren Deon Meyer. Weil im Krimi-Hochglanzprodukt mit dem norwegischen Hauptdarsteller Trond Espen Seim („Der Wolf“) aktuelle Probleme Südafrikas und seiner Gesellschaft miterzählt werden, stieß die sechsteilige TV-Erzählung auf das Interesse Milbergs. Seit einer Filmrolle, die den gebürtigen Kieler und Wahlbayern Ende der 90-er ans Kap führte, ist er Fan und engagierter Kenner der widersprüchlichen Schönheit Südafrikas.

nordbuzz: Dass Sie bei einer Krimi-Produktion mitspielen, die auf einem kleinen Pay-TV-Kanal läuft, ist eher ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

Axel Milberg: Ich bin ein großer Kapstadt-Fan und habe mich schon vor längerer Zeit in Südafrika verliebt. Außerdem gefiel mir die Münchener Produzentin Annette Reeker, die eine internationale Serie im voraus finanzierte, ohne dabei einen TV-Sender als festen Partner im Rücken zu haben. Dazu gehört sehr viel Mut.

nordbuzz: Der Stoff ist ein klassisches Cop-Drama. Dazu ein Krimi, der von einer Mordserie erzählt. Hatten wir so was nicht schon öfter - im deutschen und amerikanischen Fernsehen?

Milberg: Ich fand das Setting durchaus interessant. „Cape Town“ basiert auf dem Roman „Dead Before Dying“ von Deon Meyer. Das Buch ist allerdings schon gut 20 Jahre alt. Annette Reeker hat den Stoff modernisiert und ihn an die heutige Gesellschaft Südafrikas angepasst. Das ist ihr ziemlich gut gelungen, finde ich.

nordbuzz: Wie kann man die heutige Gesellschaft am Kap beschreiben?

Milberg: Das ist eine durchaus komplexe Frage. Haben Sie ein paar Stunden Zeit? Man kann sagen, dass dort nach dem Ende der Apartheid und Mandelas Tod ein Machtvakuum entstanden ist. In dieses sind viele internationale Spekulanten und Geschäftemacher eingedrungen. Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Und die Struktur des Staates Südafrika ist nicht so, dass er seine Gesellschaft ausreichend schützen kann - zum Beispiel vor Korruption und Bestechung. Viel Material für einen Gesellschaftskrimi.

nordbuzz: Woher kennen Sie Kapstadt so gut?

Milberg: Ich habe Ende der 90-er dort zum ersten Mal gedreht. Ein paar Jahre später wieder und dann war ich auch privat immer wieder dort. Ich konnte mir sogar vorstellen, dort zu leben. Meine Frau und ich haben in Südafrika und Lesotho verschiedene Projekte unterstützt, zum Beispiel ein Waisenhaus.

nordbuzz: Warum ist Südafrika so ein Sehnsuchtsort für Sie?

Milberg: Das Land, vor allem die Gegend um Kapstadt, ist eine überwältigende Kombination von all dem, was im Leben Spaß macht: Sonnenschein, tolle Buchten, gutes Klima, hervorragendes Essen, großartige Weine und eine pulsierende Großstadt. Die Landschaft drumherum ist extrem vielseitig. Sie könnten „In 80 Tagen um die Welt“ drehen, ohne Kapstadt zu verlassen. Sehr spannend, am Kap leben Menschen aus aller Welt.

nordbuzz: Nun haben Sie Dinge aufgezählt, die Südafrika für Filme und Touristen attraktiv machen. Die meisten Deutschen suchen in Südafrika das Schöne. Muss man sich aufraffen, dort auch das Dunkle sehen zu wollen?

Milberg: Ich bin keiner, der dort hinfährt, um Golf zu spielen. Man kann die Probleme nicht übersehen, und das macht im übrigen auch die Serie „Cape Town“ nicht. Ich spiele einen Deutschen, der vor längerer Zeit ins Land gekommen ist, viel Geld verdiente und nun als Strippenzieher von Politik und Gesellschaft im Hintergrund agiert. Darüber lässt sich eine Menge erzählen.

nordbuzz: Wo sehen Sie die Probleme des Landes?

Milberg: Was die Lage besonders macht, ist ja, dass in Südafrika auch viel Gutes geschah und geschieht. Es ist eben eine junge Demokratie entstanden. Viele Gesetze gingen in Richtung „Black Empowerment“. Die Kehrseite der Medaille ist, dass aufgrund der über Generationen erfahrenen Rechtlosigkeit in der einfachen Bevölkerung so etwas wie ein Gefühl der Lethargie und des Fatalismus herrscht, das man gar nicht so leicht aus den Menschen rausbekommt. Die frühe Aufbruchsstimmung des Landes nach dem Ende der Apartheid ist längst verpufft. Andererseits sind auch viele Entwicklungen positiv. Faszinierend an Südafrika ist, dass manche Menschen das Land auf einem fantastischen Weg sehen, während andere die Endzeit ausrufen - und beide auf ihre Art Recht haben.

nordbuzz: Das müssen Sie erklären.

Milberg: Man sieht eben beides: Lethargie, Korruption und gesellschaftliches Chaos. Andererseits gibt es gut gemeinte Gesetze und viele engagierte Menschen, die an der Verbesserung der Gesellschaft voller Elan arbeiten. Auch wenn man länger da ist, fällt es schwer, zu sagen, welche dieser Strömungen die Oberhand hat. Es ist einfach ein wildes, faszinierendes Durcheinander.

nordbuzz: Ist Südafrika eine gespaltene Gesellschaft?

Milberg: Auch da werden Sie unterschiedliche Einschätzungen hören. Je nachdem, mit wem man spricht. Es gibt schon Leute, die wollen, dass die Weißen das Land verlassen. Andere sind mit dem zufrieden, wie es ist. Ich habe die Hoffnung, dass Südafrika seine Zukunft weiterhin selbst gestalten darf - und dass es dabei nicht so kommt wie in Simbabwe, wo man die weiße Bevölkerung und auch die Investoren aus dem Land jagte. Meine Leseempfehlung über die Gesellschaft Südafrikas ist der Roman „Disgrace“, zu Deutsch „Schande“, von J.M. Coetzee. Eine erstaunliche Erzählung.

nordbuzz: Wie spiegeln sich diese Dinge in der Serie wider?

Milberg: Die Hauptfigur, gespielt vom norwegischen Schauspieler Trond Espen Seim, ist ein Polizist, der in einer Mordserie ermittelt. Bei seinen Recherchen kommt er mit unterschiedlichen Bevölkerungsschichten in Berührung. Dabei erfährt man viel von den Hoffnungen, aber auch vom Sich-gehen-lassen und Aufgeben, was einem in Kapstadt begegnet. Ich denke, man bekommt einen ganz guten Eindruck der Stimmungen dort.

nordbuzz: Die Optik erinnert an amerikanische Hochglanz-Krimiserien. Finden Sie dennoch, dass „Cape Town“ etwas rein Südafrikanisches?

Milberg: Ich finde sie sehr unverwechselbar - aus dem, was ich geschildert habe. Kapstadt ist ein Ort, der gleichermaßen Glücksspieler anzieht wie auch Menschen, die große Hoffnungen und Ideale haben. Natürlich auch viele Leute, die einfach nur Schönheit suchen. Nicht umsonst ist die Werbeindustrie dort sehr stark vertreten. Kuba könnte eines Tages in eine vergleichbare Situation geraten: Ein traumhaft schöner Ort, die sich nach politischem Verschluss plötzlich der Welt öffnet und zur Projektionsfläche von Wünschen wird. Mit allen verwerflichen und kriminellen Konsequenzen. Ich finde die Verfassung Südafrikas, in der die Teilhabe der schwarzen Bevölkerung bis in viele Details hinein ausgearbeitet wurde, nach wie vor total faszinierend. Sie geht in ihrer Liberalität so weit, dass es dort verschiedene Rechtssysteme gibt: Neben dem landesweiten Strafrecht existieren beispielsweise noch Stammes-Gesetze, die bestimmte Dinge regeln und dem eigentlichen Gesetz nicht immer entsprechen. Trotzdem funktioniert dieses System zum Teil recht gut.

nordbuzz: Wie fällt also Ihr persönliches Fazit als Südafrika-Kenner aus?

Milberg: Südafrika ist eine komplexe Gesellschaft mit vielen Widersprüchen. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es - im Gegensatz zu vielen anderen Orten der Welt - dort irgendwie funktioniert. Vielleicht auch, weil es dort viele Menschen mit guten Absichten gibt. Leute, die weniger zynisch sind als anderswo.

tsch

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