Downton Abbey: Serienfinale auf DVD

Schluss machen, bevor die Nazis kommen

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Sonnenuntergang über „Downton Abbey“: Mit der sechsten Staffel findet die ausnehmend stilvolle und mit zahlreichen Preisen gewürdigte Serie ihr Ende.

Die Geschichte schritt auch nach den 1920-ern stetig voran, Stoff genug für eine Fortsetzung wäre fraglos vorhanden gewesen. Dennoch entschied sich „Downton Abbey“-Schöpfer Julian Fellowes, die vielfach preisgekrönte Serie mit der sechsten Staffel enden zu lassen.

In „Spartacus“ hatten wir die Gladiatoren, in „Band of Brothers“ den Zweiten Weltkrieg, in „Vikings“ sind es derzeit die Raubzüge der Wikinger. Historische Serien im TV, so scheint es, sind meist Kampf- oder Kriegsgeschichten. Nicht so bei „Downton Abbey“. Die britische Vorzeige-Produktion war stets ein Paradebeispiel dafür, dass man historische Begebenheiten auch ohne Blutvergießen aufregend aufbereiten kann. Über sechs Staffeln durchlebten Lord Grantham (Hugh Bonneville), seine Familie und deren Bedienstete diverse Dramen, stets eng verknüpft mit den gesellschaftlichen Umbrüchen des frühen 20. Jahrhunderts. Lange vor der Ausstrahlung im deutschen TV (hier wartet man noch auf Staffel 5) erscheint das große Serienfinale auf DVD und Blu-ray Disc.

Die Automobilisierung der Gesellschaft, Wirtschaftskrisen, natürlich auch der aufkommende Klassenkampf und die Turbulenzen des Ersten Weltkriegs - all diese Entwicklungen und Ereignisse waren in „Downton Abbey“ nie „nur“ Randnotiz. Vielmehr bildeten und bilden sie bis zuletzt das Fundament für diverse kleine Geschichten, die immer mal wieder Richtung Seifenoper ausschlagen, auf der anderen Seite aber mit starken Figuren erzählt und stilbewusst inszeniert werden. Nicht umsonst gilt „Downton Abbey“ als eine der besten Dramaserien der letzten Jahre.

Nachdem Staffel 1 mit dem Untergang der Titanic 1912 ihren Anfang nahm, sind wir inzwischen im Jahr 1925 angekommen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in denen der Adel immer mehr an gesellschaftlichem Einfluss verliert, möchte Lord Grantham Personal entlassen. Natürlich wird es auch wieder emotional: Die geplante Ehe zwischen Butler Carson (Jim Carter) und Mrs. Hughes (Phylis Logan) beispielsweise steht auf dem Prüfstand und letztlich auf der Kippe. So durchlaufen alle Bewohner von Downton Abbey noch einmal Tragödien, bisweilen driftet die Serie ins Melodramatische ab. Aber ganz ehrlich: Ohne diese gefühligen Momente wäre das Ganze doch auch nur halb so schön!

In der Welt der Serien hinterlässt „Downton Abbey“ in jedem Fall eine große Lücke. Mit dem Ende wird jedoch auch noch einmal deutlich, welche Rolle die Zeitgeschichte für Serienschöpfer Julian Fellowes spielt. Einerseits verwies er bei der Begründung auf gewisse Ermüdungserscheinungen, die sich nach sechs Jahren bei manchem Darsteller einstellten, etwa bei der 81-jährigen Maggie Smith. Vor allem aber, betonte Fellowes, wolle er nicht mehr in die Nazi-Zeit einsteigen. Bedauerlich, aber konsequent.

Auch als Video-on-Demand erhältlich.

tsch

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