Rock-Serie „Vinyl“

Serie von Mick Jagger & Martin Scorsese kommt auf DVD

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Der Frust muss raus: Plattenboss Richie Finestra (Bobby Cannavale) weiß, dass das nirgendwo besser geht, als bei einem schwitzigen Rockkonzert.

Das Fernsehen ist unrockbar? Mick Jagger und Martin Scorsese zeigen mit „Vinyl“, dass es gelingen kann, das Laute und Wilde des Rock in ein TV-Serienformat zu packen.

Wer die Rockmusik wirklich liebt und sich regelmäßig in lärmende Konzerthallen und schwitzige Clubs stellt, weiß Bescheid: Rock'n'Roll spricht nicht nur die Ohren an, sondern wummst, wenn's richtig gut ist, direkt in alle Sinne auf einmal. Aber kann auch eine Serie rocken? Yes, it can! „Vinyl“, produziert von Mick Jagger und Martin Scorsese, liefert den Beweis. Die erste (und voraussichtlich einzige) Staffel des HBO-Formats erscheint nun auf DVD und Blu-ray Disc.

Alles ist laut, wild und sexy: „Vinyl“ setzt der Rockszene der 70er-Jahre ein furioses Denkmal und hat die eingebaute Hitgarantie. Die in New York spielende Dramaserie entführt in die drogengeschwängerte Hochzeit des Rock und erzählt eine Story, die vor realem historischen Hintergrund um eine zentrale, fiktive Figur kulminiert: Plattenboss Richie Finestra, mit Hingabe gespielt von Bobby Cannavale, erlebt den Aufstieg des Rock und die goldene Ära der Musikindustrie.

Als Zuschauer staunt man nicht schlecht über die enormen Schauwerte der Serie. Die Autos (Finestra fährt ein goldfarbenes Mercedes SLC Coupé mit Telefon), die fantastischen Kleider der Frauen, die Schlaghosen-Anzüge, all die Kassettenrekorder, Tonbandgeräte, Plattenspieler, Marshallverstärker und Gibson-Gitarren: „Vinyl“ ist bis ins Detail ein Fest für Vintage-Fans, und natürlich spielt auch die Musik selbst eine gewichtige Rolle. Mitunter werden Songs bei Livekonzerten in voller Länge runtergerockt - Freunde des harten 70er-Jahre-Sounds werden begeistert sein.

Das authentische Setting überzeugt auf ganzer Linie, man wird gut und laut unterhalten. Allein die Geschichte wirkt ein wenig überzeichnet: Koks und Whiskey und Prostituierte in rauen Mengen und allüberall - auch wenn Richie Finestras Plattenfirma „American Century Records“ in der Krise steckt und die Verkaufsverhandlungen mit der deutschen „Polygram“ ins Stocken geraten sind. Zu allem Überfluss droht der Boykott des Labels durch eine der größten Radiosender-Ketten des Landes. Doch Richie stemmt sich mit Macht gegen die Zerstörung seines Lebenswerks.

Eine Fortsetzung von „Vinyl“ wird es nach aktuellem Stand übrigens doch nicht geben: HBO bestellte schon nach der TV-Ausstrahlung der ersten Folge (insgesamt sind es zehn) eine zweite Staffel, diese wurde dann jedoch gecancelt: Showrunner Terence Winter hatte das Projekt aufgrund kreativer Differenzen verlassen. Schade - als Rockfan hätte man gerne mehr gesehen.

Auch als Video-on-Demand erhältlich.

tsch

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