Rock'n'Roll und rote Bäckchen

„Sing Street“ auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand

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„Boy meets girl, girl unimpressed, boy starts band“: So simpel kann man „Sing Street“ erklären. Das große pochende Herz von John Carneys jüngstem Film sollte man allerdings vielleicht noch erwähnen.

Mit „Can A Song Save Your Life?“ (2013) ging es nach New York, nun zurück in die irische Heimat. Was bei John Carney dagegen sicher ist wie das Amen in der Kirche: In seinen Filmen geht es immer um Musik.

Die 80er-Jahre in Irland sehen wie die 60-er hierzulande aus. Kein Wunder. Irland ist seinerzeit wie so oft in der Geschichte das Armenhaus Westeuropas. Doch es gibt da eine Welle, die auch vor den rauen Küsten der Grünen Insel nicht haltmacht: New Wave. Wenn die Talking Heads bei „Top Of The Pops“ auftreten, hält es die Jugend nicht mehr bei den Hausaufgaben. Conor (Ferdia Walsh-Peelo) etwa. Logischer Schluss: Er gründet eine Band, „Sing Street“ heißt sie. Genauso wie John Carneys („Can A Song Save Your Life?“) jüngster, abermals voller Liebe zur Musik strotzender Film, der nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erscheint.

Das Filmcover verrät bereits die Grundidee von „Sing Street“: „Boy meets girl, girl unimpressed, boy starts band.“ - So einfach ist das, und so traumhaft passt diese simple Story in die 80er-Jahre. Wer konnte, floh in diesem Jahrzehnt aus dem verarmten Irland nach London. Doch Conor ist erst 15. Da bleibt nur die Flucht in die Musik, das Wärmen an ihrer Melancholie und vor allem das Identitätsstiftende ihrer Stars.

Das hat Conor auch dringend nötig: Seine Eltern haben nicht nur Ehe-, sondern auch Geldprobleme, und an seiner neuen Schule gibt's regelmäßig Zoff mit dem Leiter, Bruder Baxter (Don Wycherley). Doch Conors miese Stimmung löst sich vollkommen in Luft auf, als er auf der anderen Straßenseite Raphina (Lucy Boynton) das erste Mal erblickt und ihr von seiner angeblich bald durchstartenden Band erzählt. Bald darauf hat er tatsächlich eine Gruppe zusammen - allesamt zum Knutschen. Zu Ehren von Duran Duran greift man zu langen Trenchcoats und bunten Westen. Sind The Cure gerade der letzte Schrei, erscheinen die Jungs vollkommen in Schwarz und blassgeschminkt.

Mit der Band proben und Musikvideos drehen, im Schuppen rauchen, sich vom großen Bruder Brendan (Jack Reynor) die Welt erklären lassen: Man schaut Conor und seinen Kumpels gerne beim Teenagersein zu. Dabei ist trotz einiger Rückschläge immer klar, dass es ein Happy End geben wird. John Carney kann und will gar nicht verhindern, dass sich „Sing Street“ im großen Kitsch suhlt. Völlig egal. Er hat hier wieder einen Film vorgelegt, der so unbedingt liebenswürdig ist, dass auch ein wenig Schmalz nicht stört.

tsch

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