Jetzt auch fürs Heimkino: Made in France

Zu nah an der Realität

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Mitten in Frankreich werden junge, französischstämmige Muslime zu Terror-Kämpfern ausgebildet. „Made in France“ versucht sich an einer Illustrierung.

Nicolas Boukhrief hat einen Film über den Terror in Frankreich gedreht: „Made in France“, aufgrund der realen Anschläge mehrfach verschoben, erscheint nun im Heimkino.

Nicolas Boukhrief muss von Anfang an klar gewesen sein, dass er ein heikles Thema anpackt. Dass die Realität seine fiktive Geschichte so schnell überholen würde - damit konnte er jedoch nicht rechnen. Man hat hierzulande schon gehört von seinem Film „Made in France - Im Namen des Terrors“, diverse Medien berichteten darüber. Gedreht wurde der Thriller im Spätsommer 2014. Dann kam Anfang 2015 Charlie Hebdo, danach im November folgte die Anschlagsserie in Paris mit 130 Toten. Zweimal wurde der französische Kinostart des Films deshalb kurzfristig verschoben, letztlich verzichtete man ganz auf eine Leinwand-Auswertung. In Deutschland erscheint „Made in France“ nun auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Wie geht das vonstatten, wenn sich Muslime radikalisieren? Diese Frage versucht Boukhrief zu beantworten, und dabei möchte er noch darauf hinweisen, dass die Bedrohung durch Terroristen nicht immer von außen, sondern oftmals auch aus der Mitte der Gesellschaft kommt.

Sam (Malik Zidi) ist in Paris geboren, er hat muslimische Wurzeln und arbeitet als Journalist. Er möchte aufdecken, wie das so läuft mit den Dschihadisten in Frankreichs Mitte, und schleust sich in eine Terrorzelle ein. Ein naheliegender erzählerischer Kniff, um vermeintlich ganz nah ran zu kommen und Dinge zu zeigen, die sonst im Verborgenen bleiben. Es dauert im Film nicht lange, bis die Lage eskaliert und Sam selbst in Gefahr gerät.

Nicolas Boukhrief bemüht sich sichtlich um Authentizität. Bei der Darstellung der einzelnen Abläufe lässt er sich aber natürlich zu einigen Mutmaßungen hinreißen, und leider auch zu mancher Albernheit. Unter dem Strich ist „Made in France“ dennoch kein „unerhörter“ No-Go-Film, sondern einfach nur ein recht durchschnittlicher Thriller. Die Qualität ist hier aber womöglich gar nicht ausschlaggebend: Einen Spielfilm zu diesem Thema möchte man im Moment, nach allem was passiert ist und weiterhin passiert, einfach nicht sehen. Schon gar nicht zu Unterhaltungszwecken.

tsch

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