NDR setzt beim ESC auf Stefan Raab

Letzte Rettung, Raab TV?

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Stefan Raab führte Lena Meyer-Landrut zum ESC-Triumph von Oslo. An solche Triumphe würde der NDR nur zu gerne anknüpfen.

Schlimmer geht's nimmer: Nach vier verkorksten ESC-Jahren setzt der NDR alle Hoffnungen auf die Expertise eines Mannes, der eigentlich im TV-Ruhestand ist.

Seit vier Jahren trägt der NDR wieder alleine Sorge für das deutsche Abschneiden beim Eurovision Song Contest. Seit vier Jahren bietet sich den Verantwortlichen eine Bilanz des Grauens. Platz 21 (Cascada, 2013), Platz 18 (Elaiza, 2014) und zuletzt zweimal der letzte Platz (Ann Sophie, Jamie-Lee). Schlimmer kann es nicht mehr werden. Weitermachen wie bisher ist aber auch keine Option. Damit nach der ESC-Ausgabe 2017 in Kiew nicht wieder ein medialer Trauermarsch geblasen wird, greifen die NDR-Verantwortlichen auf die Produktionsfirma eines berühmten TV-Rentners zurück, mit dessen Namen sich große Erfolge verbinden.

Stefan Raab also soll's wieder einmal richten. Wenn auch nicht er persönlich, so doch immerhin seine Mitarbeiter. Schließlich war der TV-Unterhalter, der sich 2015 aus der Fernsehöffentlichkeit zurückzog, federführend beteiligt am Grand-Prix-Triumph von Lena Meyer-Landrut 2010 und achtbaren Platzierungen deutscher Starter in den beiden Jahren danach. Zwar wird der einstige ProSieben-Zampano nicht auf den TV-Schirm zurückkehren, jedoch wurde seine Produktionsfirma Raab TV beauftragt, den nationalen ESC-Vorentscheid wieder auf ein professionelles Fundament zu stellen.

Das neue Konzept, wie es aus einer vom NDR veröffentlichten Meldung hervorgeht: Ab sofort dürfen sich junge Gesangstalente mit einer Kostprobe ihres Könnens für eine Teilnahme ins Spiel bringen. Eine Expertenkommission wird unter den Bewerbern die 30 besten zu einer zweiten Casting-Runde einladen, aus der sich wiederum fünf Künstlerinnen und Künstler für den eigentlichen Vorentscheid qualifizieren. Der wird erneut von Barbara Schöneberger im Ersten moderiert. Ausgestrahlt wird die Show am Donnerstag, 9. Februar, 20.15 Uhr, live aus Köln.

Die Nachwuchs-Stars werden dann Songs interpretieren, „die national und international erfolgreiche Produzenten speziell für den ESC 2017 vorgeschlagen haben“. Tim Bendzko, Florian Silbereisen und Lena Meyer-Landrut werden die Darbietungen als Juroren kommentieren. Stimmberechtigt sind aber allein die TV-Zuschauer.

„Ich kann nur jedem empfehlen, sich zu bewerben. Es könnte die beste Entscheidung eures Lebens sein und alles verändern“, sagt eine, die es wissen muss, Lena Mayer-Landrut, das inzwischen 25-jährige einstige Mädchenwunder von Oslo. Damals lagen sich öffentlich-rechtliches und privates Fernsehen selig in den Armen nach einer historisch erfolgreichen Kooperation. „Zurück zu den Wurzeln“, kommentiert ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber den neuen Anlauf zum kontinentalen Liederwettbewerb. Er hätte auch sagen können: „Zurück zu Stefan Raab!“

tsch

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