Ein Prügelknabe revoltiert

Monsieur Chocolat

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Omar Sy spielt den ersten schwarzen Clown auf einer französischen Bühne - ein Biopic, das sich Freiheiten erlaubt, in der ethischen Haltung aber klar ist.

Das Paris der Belle Époque lacht über den schwarzen Clown Rafael Padilla. Omar Sy verkörpert die Suche des „Monsieur Chocolat“ nach Respekt.

Wie malt man einen Schwarzen? Um 1900 sorgt die Frage in der Edelmanege des Pariser „Nouveau Cirque“ für Gelächter. Clown Georges Footit (James Thiérrée) porträtiert seinen schwarzen Kollegen, den alle nur als „Chocolat“ (Omar Sy) kennen, einfach als großen schwarzen Punkt. Chocolat stülpt sich das Bild über den Kopf: „So sieht es mir wenigstens ähnlich!“ Das Publikum gröhlt und tobt vor Begeisterung - auch wenn der Clown diesmal keine Ohrfeigen kassiert. „Monsieur Chocolat“ (2016) erzählt davon, wie die Demütigungen Chocolat (Omar Sy) reich machten. Und wie sehr er darunter litt. Nachdem das Biopic in einigen Feuilletons thematisiert wurde, hierzulande aber kaum Beachtung auf der Leinwand fand, folgt nun die Auswertung fürs Heimkino.

Im Film lernen sich Rafael Padilla, so Chocolats echter Name, und Footit bei einem heruntergekommenen Provinz-Zirkus im Jahre 1897 kennen. Der eine mimt den brüllenden Kannibalen, der andere bekommt als Clown keinen Job mehr. Aber Footit hat einen Blick für das burleske Talent von Padilla. Bald schon entwickeln die beiden eine ausgeklügelte Show, die die Leute hinreißt und ihnen die Taschen füllt. Padilla kauft sich sogar ein Auto, verliert aber viel Geld am Spieltisch.

Sy besticht nicht nur durch die Slapstick-Szenen in der Manege, sondern einmal mehr damit, die Ambivalenzen und Unentschiedenheiten seines Charakters zu zeigen. Das gilt auch für den Prozess, in dem sich Padilla seiner Lage als Schwarzer in Frankreich bitter bewusst wird und beginnt, gegen sein eigenes Image zu revoltieren.

Vielleicht gerät das Aufbegehren gegen Footit in der Manege zu pathetisch und die Beziehung zur Krankenschwester Marie (Clotilde Hesme) zu schmalzig. Überhaupt appelliert Regisseur Roschdy Zems naturalistische Inszenierung zu selten und zu spät an die tröstende Magie des Zirkus, um genießbar zu sein. Dennoch: Gerade Omar Sys Eintreten für Respekt gegenüber allen Hautfarben macht den Film wichtig.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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