Der Power-„Tatort“

Jetzt auf Blue-ray und VoD:„Tschiller: Off Duty“ 

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Auch wenn er die Einheimischen auf Englisch herumkommandiert: Tschiller (Til Schweiger) ist in der Türkei sofort Herr der Lage.

Vor dem Kinostart wurde „Tschiller: Off Duty“ nur wohlgesonnenen Pressevertertern gezeigt. Der Tenor der Kritiken: ein toller Action-Film. Das stimmt so nicht ganz ...

Wer schiebt mal eben einen One-Night-Stand ein, während er seine Tochter aus den Fängen fieser Gangster befreien will? Wer provoziert mittels Giftpille den eigenen Herzstillstand, um aus einem türkischen Gefängnis zu entkommen? Nick Tschiller (Til Schweiger) tut sowas. Den Hamburger „Tatort“-Kommissar megacool auf die Leinwand bringen - das war offenbar das oberste Ziel von Regisseur Christian Alvert. Vor dem Kinostart wurde „Tschiller: Off Duty“ (2016) nur ausgewählten Journalisten gezeigt. Das kennt man inzwischen nicht mehr anders bei Filmen von oder mit Til Schweiger. Nun hält der Brachialkrimi Einzug in die Wohnzimmer.

Der erste fürs Kino produzierte „Tatort“ seit „Zabou“ (1987) knüpft inhaltlich direkt an den TV-Tatort „Fegefeuer“ an. Wir erinnern uns: Nicks Frau kam ums Leben, sie wurde von Firat Astan (Erdal Yildiz) ermordet. Tochter Lenny (Luna Schweiger) reist nun nach Istanbul, um den kurdischstämmigen Ganoven zu töten. Weil die Sache schiefgeht (Lenny wird entführt und zwangsprostituiert), muss der Papa ran.

Mit der Auswertung von Hinweisen oder durchdachten Plänen hält sich ein Nick Tschiller bekanntlich nicht lange auf, und so wirft er sich in diesem Power-„Tatort“ Hals über Kopf in eine europaweite Hetzjagd, die gerne so knallen möchte wie ein Hollywood-Blockbuster, über weite Strecken jedoch ein bisschen wie ein B-Movie anmutet. Die Kämpfe, die Schießereien, die Verfolgungsjagden - in den entsprechenden US-Pendants wirkt das alles spektakulärer, professioneller und, ja, irgendwie auch sehr viel lässiger. Was unterm Strich bleibt: blutige Nasen, viel Krawumm, sinnfreie Dialoge und null „Tatort“-Feeling.

Einen Lichtblick gibt es aber doch: Fahri Yardim. Er ist es in seiner Rolle als Tschiller-Sidekick Yalcin, der dieser krampfhaft um Coolness bemühten Action-Orgie doch noch zu etwas Lockerheit verhilft. Man ist für jede Szene mit ihm dankbar.

Acht Millionen Euro kostete der Film, das Vielfache eines TV-„Tatorts“. Während im Fernsehen aber gerne mal sieben, acht Millionen Krimifreunde einschalten, wurden nur knapp 300.000 Kinotickets für „Tschiller: Off Duty“ gelöst. Das ist auch Schweiger zu wenig - er sorgte persönlich dafür, dass der Film demnächst noch einmal deutschlandweit ins Kino kommt. Ob es diesmal besser wird? Man darf außerdem auf die Fernsehquoten gespannt sein. Mit der TV-Premiere ist allerdings nicht vor 2018 zu rechen.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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