ARD und ZDF präsentieren ihr Konzept für die Olympischen Spiele in Rio (05. bis 21. August)

Olympische Rekorde zum Abschied

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Sieht hier zwar nicht so aus, aber es ist Tatsache: Das ZDF bricht mit großer Mannschaft nach Brasilien auf, um von den Olympischen Spielen in Rio zu berichten. Insgesamt sind 480 Mitarbeiter der beiden Sender ARD und ZDF vor Ort.

Zum wahrscheinlich letzten Mal präsentieren ARD und ZDF eine Olympiade im öffentlich-rechtlichen XXL-Format mit deutschem Fokus. Nach den 306 Goldmedaillen von Rio wandert das neben der Fußball-WM größte Sportereignis der Welt zu einer „globalisierten“ Sendergruppe.

Eigentlich waren waren ARD-Programmdirektor Volker Herres und ZDF-Chefredakteur Peter Frey am Dienstagmittag nach Hamburg-St.Pauli gekommen, um ihr gemeinsames Olympia-Projekt zu feiern. Vom 5. bis 21. August wird sich auf den beiden öffentlich-rechtlichen Kanälen alles um die Sportwettkämpfe von Rio de Janeiro drehen: 340 Stunden Sendezeit werden auf 39 Sportarten und 306 zu verteilende Goldmedaillen verwandt. Weil der brasilianische Sehnsuchtsort rund um die Copacabana fünf Stunden hinter der deutschen Zeit zurück ist, fallen viele Entscheidungen bei uns erst in der Nacht. Entsprechend haben sich ARD und ZDF aufgestellt.

Im täglichen Wechsel werden sie das Programm von mittags bis etwa 5.30 Uhr mit Live Events vollpacken. In der restlichen Zeit - am Vormittag nach dem Morgenmagazin - werden Zusammenfassungen und Analysen der Nachtgeschehnisse präsentiert. Kurz gesagt: Außer Olympia gibt es an diesen Tagen neben ein paar Nachrichten nichts anderes mehr zu sehen.

Hoch oben in einem Hamburger Hotel mit Elbblick richtete Frey und Herres am Dienstagmittag aber auch mahnende Worte an die versammelte Presse. Noch immer war den Programmchefs der auf sportliche Großereignisse abonnierten TV-Giganten eine gewisse Schockstarre anzumerken. Ihr Entsetzen darüber, dass man nach Rio bis mindestens 2024 die Übertragungsrechte für Olympia verloren hat. Die folgenden Turniere wurden vom Internationalen Olympischen Komitee an das amerikanische Unternehmen Discovery veräußert, das unter anderem Eurosport betreibt. „Wir wissen noch nicht, was passiert in Sachen Sub-Lizenzen“, gibt ARD-Programmdirektor Volker Herres immerhin noch ein wenig Anlass zur Hoffnung. „Wir sind da im Gespräch.“

Dennoch wird es mit ziemlicher Sicherheit kein Rund-um-die Uhr-TV-Event wie Rio 2016 mehr im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geben. ZDF-Mann Peter Frey legt den Finger noch etwas tiefer in die Wunde und klingt fast wehmütig, wenn er sagt: „Wir wollen noch mal zeigen, was öffentlich-rechtliche Qualität bedeutet und was es heißt, Olympische Spiele aus einer nationalen Perspektive heraus zu zeigen.“ Tatsächlich ist davon auszugehen, dass das globalisierte Unternehmen Discovery beziehungsweise Eurosport keine Kamera auf deutsche Athleten richten wird, nur weil die sich im Leichtathletik-Stadion auf ihren entscheidenden Wurf vorbereiten und ähnliches.

Volker Herres sieht sein Sendekonzept gar als gesellschaftliche Aufgabe, wenn er sagt: „Eine Gesellschaft, die sich immer mehr fragmentiert, hat wenig Bindekräfte. Große Sportereignisse sind für mich auch weit über den eigentlichen Sport hinaus so etwas wie der Kitt der Gesellschaft - im Sinne eines Gemeinschaftserlebnisses. Sie halten eine Gesellschaft auch sozial zusammen.“ Das, so Herres, gelänge jedoch nur, wenn Plattformen wie ARD und ZDF die Spiele so prominent darböten. Acht Millionen Zuschauer für Randsportarten wie ein Taekwondo-Finale 2012 in London wird es dann wohl nicht mehr geben.

Dieses eine Mal sieht man den Gigantismus Olympia noch einmal in „sinnstiftender“ ARD- und ZDF-Qualität. Dafür reisen laut Herres 480 Mitarbeiter der beiden Sender nach Brasilien, die dem Gebührenzahler in etwa das gleiche Budget wie vor vier Jahren in London kosten. Insgesamt wird der Trip sogar noch etwws teurer, was - laut Herres - mit der „größeren Entfernung und anderen infrastrukturellen Herausforderungen“ zu tun habe. Vor der Kamera stellt man sich dafür mit mehr oder weniger bekannten Gesichtern auf: Alexander Bommes und Gerhard Delling sind ab mittags die Anchormen im Ersten. Ihre Dauersendung hört auf den Namen „Olympia Live“. Michael Antwerpes und Aufsteigerin Jessy Wellmer übernehmen die „Highlights“ getaufte Zusammenfassung der Nachtereignisse von 9 bis 12 Uhr.

Im Zweiten teilen sich die Live-Sendestrecke Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne. Die morgendliche Rückblicksrunde übernimmt hier Sven Voss. Die Namen der Experten hingegen geben Hinweise auf die Gewichtung der Wettbewerbe: Franziska von Almsick (Schwimmen), Frank Busemann (Leichtathletik) und Julius Brink (Beachvolleyball) co-kommentieren fürs ZDF, während die ARD auf Christian Keller (Schwimmen), Ronny Ziesmer (Turnen), Kristof Wilke (Rundern), Philipp Krone (Hockey) und Jonas Reckermann (Beachvolleyball) setzt. Dass Beachvolleyball vor der Traumkulisse der Copacabana den Primetime-Abschluss eines jeden Wettkampftags vor Ort bildet, zeigt den besonderen Stellenwert, den diese Sportart in Brasilien hat. Tatsächlich gilt Beachvolleyball dort hinter Fußball als zweitbeliebteste Disziplin in der Zuschauergunst. Dennoch muss kein Zuschauer auf seine Lieblingsdisziplin verzichten.

Was aus Rio nicht bei ARD und ZDF in deren 340 Stunden läuft, ist auf sechs parallel stattfindenden Online Kanälen verfügbar. 1.000 Sendestunden sollen auf diese Weise zusammenkommen. Wie immer in der modernen Welt wird man also eine Auswahl der vorgesetzten Medien-Möglichkeiten treffen müssen. Oder sich letztmalig-traditionell vom guten alten ARD- und ZDF-Fernsehen an die Hand nehmen lassen.

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