Simon Schwarz

„Olympia ist heute noch eine große politische Plattform“

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„Der Traum von Olympia“: Offizier Wolfgang Fürstner (Simon Schwarz, vorn), dem Führer eigentlich treu ergeben, hat als Kommandant des Olympischen Dorf 1936 einen guten Job gemacht. Trotzdem wird er aufgrund von Gerüchten um seine nicht-arische Abstammung immer mehr zum Außenseiter.

Schon wieder ein Film über die Nazizeit? Im Interview erklärt Simon Schwarz, warum das Thema noch immer relevant ist.

Ein Mann, der sich 1936 am Ziel seiner Träume sieht und dem seine Vergangenheit zum Verhängnis wird: Simon Schwarz (45) spielt die Hauptrolle im Dokudrama „Der Traum von Olympia“, das am 16. Juli (20.15 Uhr) bei ARTE und am 18. Juli im Ersten (21.45 Uhr) zu sehen ist. Den meisten dürfte Schwarz allerdings als Komödien-Schauspieler bekannt sein, etwa aus den Eberhofer-Verfilmungen nach den Krimis von Rita Falk - den zweiten Teil der Reihe, „Winterkartoffelknödel“, zeigt das Erste am Montag, 25. Juli, 20.15 Uhr, Film Nummer drei startet am 11. August in den deutschen Kinos. Im Interview erklärt der gebürtige Wiener, warum für ihn Geschichten über die Nazizeit längst nicht auserzählt sind und macht sich Gedanken darüber, warum die Österreicher die lustigeren Filme machen als die Deutschen.

nordbuzz: Was hat Sie dazu bewogen, in einem Film über die Nazizeit mitzuspielen?

Simon Schwarz: Ich gehöre nicht zu denen, die meinen, dass die Geschichten über die Nazis bereits auserzählt sind. Im Gegenteil! Vor allem, wenn ich mir die aktuellen Entwicklungen in Europa anschaue. Dazu kommt, dass ich das erste Mal eine solche halbdokumentarische, halb fiktionale Geschichte gemacht habe. Schon die filmische Umsetzung hat mich gereizt.

nordbuzz: Sie spielen den Kommandanten des olympischen Dorfes, der sich einen Tag nach den Spielen eine Kugel in den Kopf jagt. Wie eng hielten Sie sich beim Spielen an die Biografie dieses Mannes?

Schwarz: Sein Leben ist nicht bis ins letzte Detail erforscht. Einiges davon beruht auf Annahmen der Historiker. Als Schauspieler muss man sich ein solches Leben aber ohnehin ein Stück weit vorstellen, um die Figur mit ihren Emotionen und Gefühlen darstellen zu können. Er war, wie viele in dieser Zeit, überzeugter Soldat und Nationalsozialist - umso stärker der Bruch, wenn alles zusammenbricht, als herauskommt, dass er jüdische Vorfahren hatte.

nordbuzz: Es ist erstaunlich, wie aktuell der Film im Olympiajahr 2016 ist. Auch heute scheint der Sport von Politikern oder Funktionären für eigene Zwecke missbraucht zu werden, und der Rassenwahn der Nazis spukt noch immer in vielen Köpfen herum.

Schwarz: Ja, das finde ich auch. Wobei wir beim Drehen nicht absehen konnten, dass das so aktuell ist. Die zwiespältige Rolle vieler Sportfunktionäre war da schon klarer. Hier hat sich wenig geändert. Olympia ist immer noch eine große politische Plattform - wer das leugnet, hat nichts verstanden.

nordbuzz: Interessieren Sie sich für Sport?

Schwarz: Ja, schon. Aber die Hintergründe stimmen mich manchmal schon nachdenklich und traurig. Ich sehe dann aber an mir selbst, wie ich das bei einem großen emotionalen Ereignis wie Olympia oder der Fußball-EM ausblende.

nordbuzz: Für einen Schauspieler dürfte es etwas Besonderes sein, für eine solche Rolle in eine Uniform schlüpfen zu können. Gehen Sie da beim Spielen anders heran als bei aktuelleren Sachen?

Schwarz: Es ist nicht die erste Rolle dieser Art, die ich spiele. Für mich macht es aber keinen Unterschied. Die Arbeit ist am Ende die gleiche. Das ist wie bei einem Schreiner, der Tische baut, und auf einmal für den Bundespräsidenten einen Konferenztisch fertigen soll, an dem wichtige Menschen sitzen werden. Rein technisch ist die Arbeit des Schreiners dennoch die gleiche wie bei einem Küchentisch.

nordbuzz: Man sieht Sie oft in eher lustigen Rollen, wie im wunderbar-skurrilen Krimi „Winterkartoffelknödel“, der Ende Juli im Ersten zu sehen sein wird. Wie gehen Sie da heran?

Schwarz: Als Schauspieler muss man alles möglich machen. Auch in einer Komödie spiele ich nur eine Figur. Dass diese dann oft lustig ist, liegt an der lustigen Szene. Das sehen viele Kollegen anders. Aber ich muss immer die Szene ernst nehmen und möchte sie so spielen, dass ich das Gefühl habe, im echten Leben zu stehen - unabhängig davon, ob es eine tragische, historische oder lustige Figur ist.

nordbuzz: Sie leben als Österreicher seit über 20 Jahren in Berlin. Stoßen Sie dort öfter auf die Spuren der Vergangenheit?

Schwarz: Ich habe die meiste Zeit in Charlottenburg gewohnt. Meine Kinder gingen in der Nähe des Olympiastadions in die Grundschule, sodass ich da öfter dran vorbeigefahren bin. Im Olympiadorf war ich auch schon. Man stößt schon öfter auf die Spuren der Vergangenheit - auch in Österreich. Man muss nur die Augen offenhalten.

nordbuzz: Tut man Ihnen unrecht zu behaupten, dass „Der Traum von Olympia“ für Sie ein Schritt aus der zweiten Reihe werden kann?

Schwarz: Das kann schon sein. Das ist zweifellos ein Schicksal, das ich als Schauspieler trage (lacht). Die Mühlen mahlen immer gleich, und ich freue mich, dass ich diesen Film jetzt machen konnte - und dass er ein bisschen anders ist, als das, was sonst gezeigt wird. Aber ob das jetzt ein großer Schritt für mich ist, müssen Sie mich in zwei oder drei Jahren nochmals fragen.

nordbuzz: Das wird wie immer von der Quote abhängen ...

Schwarz: So funktioniert es nun mal. Wenn ein Schauspieler eine gute Quote erzielt, wird er beim nächsten Mal wieder genommen - bei einer schlechten werden dann eben die gleichen Leute wie immer besetzt. Mein Vorteil ist aber, dass ich auch in der zweiten Reihe gut beschäftigt bin. Filmen ist ohnehin immer Teamarbeit. Es ist wie beim Fußball: Jeder spielt auf seiner Position, und dann gibt es eben manche, die etwas exponierter sind, wie der Tormann beim Elfmeterschießen. Trotzdem trägt jeder dazu bei, dass es ein gutes Spiel wird.

nordbuzz: Das dürfte vor allem für „Winterkartoffelknödel“ gelten, der Fortsetzung vom „Dampfnudelblues“. Im August kommt „Schweinskopf al dente“ in die Kinos, der dritte Film in dieser Reihe.

Schwarz: Ja, sie funktioniert gut. Im Grunde ist es ein Ensemblefilm mit einer festen Mannschaft, zu der in jeder Folge ein paar neue Gesichter dazukommen. Wir sind alle sehr glücklich damit.

nordbuzz: Können Sie als Österreicher erklären, warum österreichische Serien wie „Braunschlag“ oder „Altes Geld“ und viele Filme von dort oftmals lustiger sind als in Deutschland?

Schwarz: Es ist keine Frage des Humors, denke ich. Es liegt wohl eher daran, dass Deutschland so viel größer ist und dass es hier einen Filmmarkt gibt, in dem man tatsächlich Geld verdienen kann - vorausgesetzt, man hält sich an bestimmte Grundregeln, um sein Publikum zu erreichen. Um kein Risiko einzugehen, versucht sich jeder Entscheidungsträger abzusichern. Daher spielen oft andere Kriterien eine Rolle als in Österreich, wo alles von Subventionen und Fördergeldern abhängt.

nordbuzz: Wird bei uns zu sehr auf den Markt geschielt und zu wenig auf den Bauch gehört, um wirklich etwas Lustiges produzieren zu können?

Schwarz: Wer in Deutschland eine Komödie macht, orientiert sich schon beim Schreiben an erfolgreichen Vorbildern wie Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer. Wobei ich fest davon überzeugt bin, dass gute regionale Geschichten auch weltweit erfolgreich sein können. Die Dorfstruktur funktioniert in Emden genauso wie in Asien oder in Südtirol. Ein gutes Beispiel ist für mich der Film von Marcus H. Rosenmüller, „Wer früher stirbt ist länger tot“. Ein kleiner Film aus Bayern, den alle toll fanden. Diese Dorf- und Liebesgeschichte wurde weltweit verstanden. In den Jahren darauf sagten dann viele Produzenten und Redakteure: Die Idee des Films ist gut. Aber er sollte noch mehr in Richtung „Wer früher stirbt ...“ gehen.

nordbuzz: Was steht bei Ihnen als Nächstes an?

Schwarz: Ich habe gerade zwei Taunuskrimis, einen Zweiteiler über das Hotel Sacher und den Zweiteiler „Ausgerechnet Eifel“ abgedreht, in dem ich einen schlecht gelaunten Landarzt in der Eifel spiele, der im Rollstuhl sitzt. Und ich probiere mich zum ersten Mal als Produzent für einen Kinofilm aus. Ein Liebesdrama im Roma-Milieu, das in Wien und in der Ostslowakei spielt.

nordbuzz: Das klingt eher nach Herzensangelegenheit als nach Blockbuster.

Schwarz: Als ich das Buch gelesen habe, dachte ich: Das ist etwas fürs Kino! Ich finde die Geschichte der Sinti und Roma sehr spannend. Sie waren nie ein Nomadenvolk, sondern immer durch Flucht und Vertreibung zum Wegziehen verdammt. Sie leben jetzt seit 600 Jahren in Europa und wurden trotzdem nie als Flüchtlinge anerkannt. Im Vordergrund steht aber ein tragisches Liebesdrama. Das alles ist trotzdem Neuland für mich und eine schöne Herausforderung.

nordbuzz: Das Projekt passt zu Ihnen. Sie sind nie den einfachsten Weg gegangen - zumindest was Ihre bisherigen Filme anbelangt.

Schwarz: Das hängt aber auch mit den Angeboten zusammen. Mir wurde in meinem Leben noch nie eine Rolle auf dem „Traumschiff“ angeboten. Oder ein Rosamunde-Pilcher-Film aus England. Das hat sich einfach so ergeben. Ich hätte bestimmt auch nichts gegen einen Dreh in der Südsee gehabt (lacht).

tsch

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