Zweimal lebenslänglich - Fr. 15.04 - ARTE: 20.15 Uhr

Ohnmächtig in den Mühlen der Justiz

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Noch hofft Sebastian (Felix Klare), dass die Revision endlich den erhofften Freispruch bringt. Franziska (Julia Koschitz) gegenüber behauptet er weiterhin, unschuldig verurteilt worden zu sein.

Im TV-Drama "Zweimal lebenslänglich" wird eine fast perfekte Beziehung auf eine bittere Probe gestellt.

Was machst du, wenn die Liebe deines Lebens völlig überraschend verhaftet und eines grausamen Mordes bezichtigt wird? Wenn diese Person schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt wird, während sich die gemeinsamen Freunde langsam aber sicher abwenden, weil sie erste Zweifel hegen? Ein solch beunruhigendes Szenario spielt Regisseur Johannes Fabrick ("Der letzte schöne Tag") in "Zweimal lebenslänglich" durch. ARTE zeigt das aufwühlende TV-Drama zur besten Sendezeit als deutsche Erstausstrahlung - und gibt damit die Bühne frei für eine abermals furios aufspielende Julia Koschitz.

Koschitz steht als Franziska im Mittelpunkt des Films. Gleich zu Beginn sehen wir, wie Franzi und ihr Freund Sebastian (Felix Klare) verliebt turtelnd in die Kamera lachen. Das Leben ist ein wunderschöner Traum - bis Sebastian eines morgens aus dem Bett heraus verhaftet wird. Er soll eine junge Frau ermordet und ein wahres Blutbad angerichtet haben. Sebastian beteuert verzweifelt seine Unschuld, und auch Franziska glaubt nicht, dass er so etwas je tun könnte. Beide rechnen mit einem Freispruch, schließlich basieren die Beweise der Staatsanwaltschaft auf Indizien.

Doch alles kommt anders: Sebastian wird zu 23 Jahren Haft verurteilt, und für Franziska bricht eine Welt zusammen. Zumal während des Verfahrens herauskam, dass Sebastian eine heimliche Affäre mit der Ermordeten hatte. Doch sie hält zu ihrem Lebensgefährten, auch, als sich gemeinsame Freunde nach und nach abwenden. Wenn das Gericht ihn verurteilt hat, muss schließlich etwas an den Vorwürfen dran sein, oder? Franziska bleibt unerschüttert, heiratet Sebastian sogar im Gefängnis. Doch dann hört sie von einer Ex-Freundin, dass ihr Mann noch eine ganz andere, gewalttätige Seite an sich hat...

Auf Hoffnung folgt Verzweiflung, folgt Hoffnung und schließlich Misstrauen: Was Regisseur Johannes Fabrick und Drehbuchautorin Katrin Bühlig ("Bella Block") ihre zwei Hauptfiguren durchleben lassen, ist eine Zumutung des Schicksals. Hier wird ein glückliches Paar von den Mühlen der Justiz mürbe gemacht und in die Verzweiflung getrieben. Manchmal droht das Ganze, in den Kitsch abzugleiten. Doch Julia Koschitz ("Zweimal lebenslänglich" ist ihre vierte Zusammenarbeit mit Regisseur Fabrick) spielt ihre Franziska so glaubhaft, dass man dem Film einiges verzeiht. Ein spannendes Werk, das rund um die Frage "War er's oder war er's nicht?" ein erschütterndes Drama konstruiert.

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