Die Toten vom Bodensee - Stille Wasser - Mo. 18.04 - ZDF: 20.15 Uhr

Noch'n Krimi - Aber wo bleibt das Drama?

+
Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) und Hanna Zeiler (Nora von Waldstätten) sind auf der Suche nach dem Mörder einer strangulierten Frau. Hanna Zeiler versucht dabei ihre eigene Vergangenheit zu bewältigen.

Eine Leiche wird aus dem Wasser gezogen. Ein Sexualmord? - Es steht viel Arbeit für die deutsch-österreichischen Ermittler am Bodensee an.

Still liegt er da und schweigt, der See. Verweigert sich ganz einfach der Haupt- oder wenigstens tragenden Nebenrolle, die er doch eigentlich spielen sollte in so einem "grenzübergreifenden" Krimi am Dreiländereck. Aber er tut nichts, liegt bloß da, dunkel und schwer - mit Alpengipfeln im Hintergrund. Der Sturm, der hier allerdings nur ein Stürmchen bleibt, spielt sich in den Seelen der Menschen ab. Aber auch das bleibt vor allem eine Behauptung. Es wird viel gerätselt und gekniffelt in der dritten Ausgabe der "Toten vom Bodensee" (Drehbuch: Timo Berndt, Regie: Andreas Linke). Dabei drängen sich die Tatverdächtigen nur so auf, als der Fischer eine Leiche aus dem Gewässer zieht.

450 Krimis pro Jahr sind auch für das ZDF eine Menge Holz, die Untaten drängeln sich, die Kommissare haben es nicht leicht, von ihresgleichen auf unterhaltsame Weise abzusetzen. Dessen einsichtig geworden, kündigte kürzlich der SWR seiner "Tatort"-Kommissarin am Bodensee die Mitarbeit auf.

Mit dem Bodensee-Kommissar Micha Oberländer (Matthias Koeberlin) möchte man keinesfalls tauschen. Während es die Frau mit einem Reitlehrer treibt, schläft er im Buggy und tröstet sich mit Bier aus der Dose. Aus dem Tiefschlaf wiederum weckt ihn eine Kollegin, die wirkt als hätte sie sich aus Heidi Klums "Germany's Next Topmodel" an den See verlaufen. Streng und statuarisch waltet sie ihres Amtes, selbstsicher bis zum Geht-nicht-mehr und leider an wenigen Stellen auch vernuschelt.

Aber sonst sind sie eigentlich ein gut funktionierendes Paar, der Kommissar, bei dem das Familienleben (samt niedlicher Tochter) hakt, und Hannah Zeiler (Nora von Waldstetten), die immer mal wieder einen schnippischen Spruch auf den Lippen hat. "Menschen lügen mit einem Alibi, und nicht ohne!" weiß sie. Was bleibt da dem Zuschauer mehr, als einverständig zu nicken.

Ein Frauenmord, fünf Strangulierstreifen um den Hals. Ein Sexualmord, ein Irrer? Und was hat das Kind damit zu tun, das Oberländer im Unterholz findet, als er im Haus der Toten den mutmaßlichen Täter verfolgt? Schlafgewandelt sei sie, die kleine Noemi (vorzüglich: Nara Knöpfle). Doch sie weiß natürlich viel mehr als sie den Kommissaren glauben macht. Sie hat, irgendwann kommt es raus, den Täter gesehen. Dürrenmatts "Es geschah am hellichten Tag" lässt da grüßen.

Um es abzukürzen: Letztlich fehlt dem Fall jedwede Glaubwürdigkeit. Mit viel Ambition wird immer weiter in die Vergangenheit zurückgegriffen. Doch sie kommen nicht wirklich zueinander, der Fall und seine Menschen. Und der See, der doch so bedrohlich und vielversprechend daliegen kann, er steht nur still und schweigt.

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren