Nicht schuldig! - Das „Terror“-Zuschauervotum war überraschend deutlich

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„Freispruch oder Verurteilung?“: Der Richter (Burghart Klaußner, Mitte) befragt die Schöffen - und das sind die Fernsehzuschauer.

„Meine Damen und Herren, nun ist es an Ihnen! Freispruch oder Verurteilung?“ - Mit diesen Worten wandte sich der von Burghart Klaußner gespielte Vorsitzende Richter im ARD-Fernsehspiel „Terror“ nach nicht ganz 84 Minuten Spielzeit ans Publikum vor den Empfangsgeräten.

Die Zuschauer des Ersten wurden am Montagabend gewissermaßen als Schöffen in der juristischen Bewertung eines moralischen Dilemmas berufen und per Telefonabstimmung befragt: Durfte der Kampfpilot Lars Koch (gespielt von Florian David Fitz) ein Passagierflugzeug abschießen, um zu verhindern, dass ein an Bord der Maschine befindlicher Terrorist diese auf ein vollbesetztes Fußballstadion stürzen lässt? Durfte er 164 Menschen an Bord der Maschine töten, um 70.000 in der Arena zu retten? Das von Frank Plasberg während seiner „hart aber fair“-Sendung verkündete Urteil fiel überraschend deutlich aus: 86,9 Prozent der Zuschauer stimmten für Freispruch, nur 13,1 Prozent sahen den Kampfpiloten schuldig. Der Film (nach Ferdinand von Schirachs Theaterstück „Terror“) war dafür nach den Plädoyers unterbrochen worden. Anschließend sendete die ARD jenes Filmende, in dem der Angeklagte freigesprochen wird. Der Vorsitzende Richter führte in der Urteilsbegründung den sogenannten „Übergesetzlichen Notstand“ an und verwies darauf, dass es für ein derartiges moralisches Dilemma keine Muster und Regeln gibt: „Unser Recht ist offenbar nicht in der Lage, jedes moralisches Problem widerspruchsfrei zu lösen. Lars Koch wurde zum Richter über Leben und Tod. Wir besitzen keine rechtliche Kriterien, seine Gewissensentscheidung zweifelsfrei letztgültig zu überprüfen. Das Gesetz, die Verfassung und die Gerichte ließen ihn damit allein. Es ist daher unsere feste Überzeugung, dass es falsch wäre, ihn jetzt dafür zu verurteilen. Der Angeklagte ist freizusprechen.“ Als dann wieder zu Plasberg geschaltet wurde, gab es im Talkstudio lauten Applaus für diese Entscheidung. Die intensive Diskussion in der Sendung war jedoch alles andere als eindeutig. Kontrovers wurde insbesondere auch über die Sinnhaftigkeit eines solchen „Fernsehurteils“ debattiert. Abgestimmt wurde am Abend jedoch auch in Österreich und in der Schweiz - und die Ergebnisse unterschieden sich kaum. In Österreich votierten ebenfalls 86,9 Prozent der teilnehmenden Zuschauer für „Nicht schuldig“, in der Schweiz waren es 84 Prozent.

tsch

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