Tahnee Schaffarczyk

„Du musst als Frau Eier haben“

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Tahnee Schaffarczyk betont, dass man es als weiblicher Comedian immer noch schwer in der Branche habe: „Du musst als Frau Eier haben.“

Tahnee Schaffarczyk redet im Interview über Sex, Comedy Champions und warum ihr Soloprogramm „Leck mich“ heißt.

Newcomerin Tahnee Schaffarczyk nimmt mit ihren 24 Jahren kein Blatt vor den Mund. Jedenfalls nicht auf der Bühne, da berichtet die Komikerin von Lesbenpornos, hinterfragt warum Poetry-Slammer immer so zu leiden scheinen und analysiert wie unwahrscheinlich es ist, auf Tinder die wahre Liebe zu finden. Im Interview gibt sich die sympathische Kölnerin aber ganz zahm. Bereits seit über vier Jahren macht die 24-jährige Stand Up Comedy. Jetzt ist sie zu Moderatorin der Sendung „Comedy Campions“ bei RTL II avanciert. Acht junge Talente treten in vier aufeinanderfolgenden Shows gegeneinander an, um den Titel und damit ein stattliches Preisgeld von 10.000 Euro zu gewinnen. Tahnee Schaffarczyk selbst ist in das Comedy-Business eher so reingestolpert, wie sie berichtet: „Ich habe für den 'RTL Comedy Grand Prix' bei einem Casting mitgemacht, weil meine Mutter das damals im Teletext gelesen hat. Ich belegte dann auch gleich den zweiten Platz. Und das bei meinem allerersten Auftritt.“ Danach stand für Tahnee fest, das Talent als Comedian zum Beruf zu machen.

nordbuzz: Sie sind eine 24-jährige Comedienne und haben sich bei einem Auftritt geoutet: Es gibt leichtere Ausgangspositionen. Haben Sie oft mit Anfeindungen zu kämpfen?

Tahnee Schaffarczyk: Als ich das erste Mal bei „TV total“ aufgetreten bin und mich im Fernsehen geoutet habe, gab es zwar einige negative Kommentare, doch der Großteil der Reaktionen war durchaus positiv. Homosexualität ist natürlich immer noch ein sensibles und polarisierendes Thema, aber gerade deshalb finde ich es wichtig, darüber zu reden.

nordbuzz: Das Internet macht es den Menschen ja auch leicht, Kritik zu äußern ...

Tahnee: Ja klar, man fühlt sich absolut frei im Web. Die Leute können durch diese Anonymität ihre Meinung äußern, egal wie beleidigend sie ist. Aber ich lese mir eigentlich keine Kommentare mehr durch, das macht einfach keinen Sinn. Man bekommt da keine konstruktive Kritik zu lesen, sondern das meiste Zeug, das da steht, ist einfach nur Bullshit. Was zählt, ist das Publikum. Auf das sollte man hören und vertrauen.

nordbuzz: Wir Deutschen sehen uns aber doch immer als so aufgeklärt und liberal an ...

Tahnee: Ich kann hier in Deutschland frei und ungestört mein Leben leben, worüber ich sehr froh bin. Aber klar, der Weg ist noch lange nicht zu Ende, und es dauert schon noch etwas, ehe Homosexualität und Diversität im Allgemeinen gesellschaftlich komplett akzeptiert ist. Ich sehe mich hier auch ein wenig in der Pflicht, den Leuten komödiantisch näherzubringen, dass das doch alles ganz easy ist und wir doch alle nur Menschen sind.

nordbuzz: Sie parodieren sehr oft verschiedene Menschen aus verschiedenen Regionen. Welcher Dialekt macht Ihnen am meisten Spaß?

Tahnee: Jeder Dialekt hat seine Besonderheit, und darin liegt für mich auch der Reiz. Besonders toll finde ich den Wiener Schmäh. Dieser total morbide und trockene Humor ist einfach großartig.

nordbuzz: Bei der Show „Comedy Champions“ sind Sie jetzt nicht als Comedienne, sondern als Moderatorin zu sehen ...

Tahnee: Ich hatte da einfach Bock drauf. Als Künstlerin trete ich oft genug auf, Moderieren ist jetzt wieder eine ganz andere Herausforderung für mich.

nordbuzz: Was erwartet den Zuschauer bei den „Comedy Champions“?

Tahnee: Die Show ist hart und schnell. Die Comedians liefern sich harte Battles. Das läuft ein bisschen so ab wie in der Fußball Champions League. Es gibt zwei Gruppen, die sich zunächst jeweils untereinander bekämpfen - im Anschluss dann gruppenübergreifend. Das Studio-Publikum entscheidet, wer weiterkommt. Per Ausschlussverfahren geht das dann bis zum Finale weiter, und einer wird dann der Champion gekürt. Es war für mich total spannend, das zu beobachten, immerhin kenne und schätze ich alle Kolleginnen und Kollegen, und jede Person hat ihren ganz eigenen Humor.

nordbuzz: Wie wird man „Comedy-Champion“?

Tahnee: Tja, das ist ja das Spannende an unserer Show. Man kann es nicht vorhersehen. Ich denke aber, der Comedy-Champion trifft den momentanen Zeitgeist am besten.

nordbuzz: Ihre eigenen Auftritte zeichnen sich dadurch aus, dass Sie einen sehr derben Humor haben und vor allem Sex ein großes Thema ist. Wie kommt's?

Tahnee: Ich selbst sehe das gar nicht so. Klar, Sex ist natürlich immer ein großes Thema, einfach weil es zum Leben dazugehört. Ich gehe gerne an die Grenzen der Zuschauer.

nordbuzz: Kann Comedy zu dreckig sein?

Tahnee: Mit der richtigen Verpackung, nein.

nordbuzz: Ab Herbst gibt's das erste Soloprogramm mit dem klangvollen Namen „Leck mich“...

Tahnee: Ja genau, „Leck mich“ (lacht). Das Programm heißt so, weil das natürlich meine Haltung sehr gut repräsentiert. Wenn mich jemand beschimpft, kann er das ruhig machen, aber ich denke mir einfach: „Leck mich.“ Der Name ist außerdem eine kleine Anspielung auf mein Outing.

nordbuzz: Als Frau im Comedy-Genre kommt oft der Vergleich mit Carolin Kebekus auf. Sind Sie Ihr ähnlich?

Tahnee: Wir sind beide Frauen, die Comedy machen.

nordbuzz: Nicht mehr?

Tahnee: Wir haben beide wahrscheinlich eine eher derbere Sicht auf die Dinge. Es gibt einfach aber auch nicht so viele Frauen in der Branche. Das ändert sich glücklicherweise gerade, jetzt kommen immer mehr, die sich auf die Bühne trauen.

nordbuzz: Was braucht es, um als weiblicher Comedian auf der Bühne zu bestehen?

Tahnee: Du musst als Frau Eier haben. Wenn ein Kerl auf die Bühne kommt, denkt das Publikum, das ist ein Mann, kennen wir, geil, wird lustig. Bei einer Frau ist das eher so: Aha, eine Frau, ja dann zeig doch erst mal, was du kannst. Da ist eine ganz andere Erwartungshaltung da. Dass eine Frau auf die Bühne kommt und erzählt, boah gestern, da war ich krass mit meinen Mädels einen saufen, das ist noch nicht so etabliert. Das kommt aber noch.

tsch

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