Dark Places - Gefährliche Erinnerung

Mord, neu aufgewärmt

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Libby (Charlize Theron) erforscht widerwillig den Mord an ihrer Familie.

Nach "Gone Girl" ist "Dark Places", die zweite Verfilmung eines Gillian-Flynn-Romans, weitaus mehr Frauenporträt denn Thriller. Doch Charlize Theron patzt.

Libby Day ist eine hochgewachsene, noch junge Frau. Sie trägt sehr kurzes blondes Haar, das ihr zusammen mit ihren grünblauen Augen sehr gut steht. Doch sie bewegt sich schnell und gebeugt, raucht viel und hastig. Sie haust in einer Messie-Wohnung. Libby hat sich nie von einem schrecklichen Ereignis erholt: Als sie acht Jahre alt war, wurden ihre Mutter und ihre Schwestern brutal ermordet, ihr Bruder wurde für die Tat verurteilt. Charlize Theron wird es reizvoll erschienen sein, Libby zu verkörpern - brachte ihr die Rolle einer seelisch zerrütteten Frau in "Monster" (2003) doch den Oscar. Mit "Dark Places: Gefährliche Erinnerung" (2014), wie "Gone Girl" nach einem Roman von Gillian Flynn und nun fürs Heimkino erhältlich, hat sie sich jedoch keinen Gefallen getan.

Als Überlebende des Massakers an ihrer Familie führte Libby zunächst ein auskömmliches Leben. Die Menschen hatten Mitleid mit der Kleinen, spendeten für sie, ein Bestseller über ihr Leiden erschien. Doch sie war nicht fähig, etwas für sich aufzubauen. Nun, als Enddreißigerin, hat sie gerade noch 400 Dollar und ist mit der Miete im Rückstand. Andernfalls würde sie wohl kaum das Angebot eines obskuren jungen Mannes namens Lyle Wirth (Nicholas Hoult) annehmen, für 500 Dollar bei einem Verein aufzutreten, der sich mit alten Mordfällen befasst.

Der Abend dort verläuft unangenehm. Libby wird als Lügnerin beschimpft, aber gleichzeitig gebeten, mit ihrem inhaftierten Bruder Ben (Corey Stoll) Kontakt aufzunehmen. Sie soll helfen, sein Verfahren wieder aufzurollen, denn man hält ihn für unschuldig. Libby ist entsetzt, weil nicht zuletzt ihre Aussage Ben ins Gefängnis brachte. Doch für etwas Geld überwindet sie sich, vertieft sich mit Lyle in den alten Fall und in ihre eigene düstere Vergangenheit. Seltsamerweise ist das jedoch weder spannend noch bewegend.

Auf banalste Art erweist sich nichts so, wie es scheint. Doch nicht einmal dem Zusammensetzen der einzelnen Puzzleteile weiß der Film etwas Dramatisches abzugewinnen. Der Fall schrumpft vom Thriller zum Charakterporträt zusammen - und gerät zum Vorwand dafür, dass Libby ihr Leben aufräumt. Was dabei in ihr abläuft, kann Charlize Theron außer durch schweres Ausatmen nicht nach außen transportieren. Wie frustriert von diesen Anstrengungen, durchbricht Theron am Schluss die Rollencamouflage und zeigt sich einfach lächelnd, wie sie ist.

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