Schauspiel-Star im Interview

Iris Berben über ihre neue Rolle, Familie und das Älterwerden

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Im ZDF-Zweiteiler „Familie!“ geht es um Generationenkonflikte. Im echten Leben hat Iris Berben (66) zu ihrem Sohn Oliver Berben, der als Filmproduzent erfolgreich ist, privat wie beruflich ein gutes Verhältnis.

„Sie macht mich glücklich“, sagt Iris Berben über ihre Rolle als Großmutter. Die 66-Jährige verrät im Interview auch, warum sie nie heiraten wollte.

Eine attraktive Frau, taff, erfolgreich und alleinerziehende Mutter eines inzwischen erwachsenen Sohnes - die Parallelen könnten nicht offensichtlicher sein. Im packenden Zweiteiler „Familie!“ (Montag, 10.10., und Mittwoch, 12.10., 20.15 Uhr, ZDF) spielt Iris Berben die Familienanwältin Lea Behrwaldt, die sich in einem Familien-Geheimnis und Generationenkonflikt verstrickt hat und mit ansehen muss, wie die Fassade zunehmend Risse bekommt. Wir haben mit der 66-jährigen Schauspielerin über die Definition von Familie, dem Aufrechterhalten des „schönen Scheins“ und ihre Rolle als Großmutter gesprochen.

nordbuzz: Sie spielen im Zweiteiler „Familie!“ die Juristin Lea Behrwaldt, wie würden Sie diese Figur charakterisieren?

Iris Berben: Lea hat einen gesunden Egoismus und möchte nicht, dass man in ihr Leben reinpfuscht. Sie ist eine analytische Person, eine, die alles im Griff haben will. Es fällt ihr schwer, die Kontrolle abzugeben. Ihre Mutter hat ihr zudem das Credo vererbt: „Entscheidend ist, dass man nach außen hin das richtige Bild abgibt.“ Daran hält sie lange fest.

nordbuzz: Das beinhaltet auch die Geheimniskrämerei um den Vater ihres Sohnes. Wobei die Fassade zunehmend bröckelt ...

Berben: Richtig, dieses langsame Aufbrechen ist ein Prozess, den man ihr selbst optisch anmerkt. Anfangs trägt sie Business-Kostüme, streng frisierte Haare, roten Lippenstift, das Outfit wirkt wie ein schützender Panzer. Mit der Zeit kleidet sie sich in weichen Strick, die Haare sind locker zusammengenommen, das Make-up ist dezent, sie öffnet sich allmählich.

nordbuzz: Wie viel von Lea Behrwaldt steckt in Iris Berben?

Berben: Ich sehe zuerst einen großen Unterschied, und zwar in ihrer Haltung dem Sohn gegenüber. Es spricht für mich nichts dafür, es einem Kind unmöglich zu machen, seine Identität zu finden. Ich habe immer versucht, meinem Sohn das Gefühl zu geben, dass es zwischen uns keine Tabu-Themen gibt, dass nichts existiert, was uns entfremden könnte. Das macht Familie doch aus, diese absolute Geborgenheit. Diesen Schutzraum bietet Lea Behrwaldt ihrem Kind eben nicht.

Inzwischen habe ich längst den Punkt erreicht, an dem ich mit mir im Reinen bin

nordbuzz: Nicht zuletzt weil sie Angst hat, das gute Bild zu zerstören. Welche Rolle spielt denn der schöne Schein in Ihrem Leben?

Berben: Früher war mir das wichtig. Als junger Mensch hat man ja immer den Wunsch, so wie jemand anderes zu sein. Inzwischen habe ich längst den Punkt erreicht, an dem ich mit mir im Reinen bin. Ich sage mir: Das ist das Material, das da ist, ich mache einfach das Beste daraus.

nordbuzz: Eine Haltung, die mit den Jahren kommt?

Berben: Bestimmt. Diese Gelassenheit hat mit dem Älterwerden zu tun. Vor allem wenn man als junge Frau stark über Äußerlichkeiten definiert wurde. Das nimmt dann viel Platz ein. Ich hatte lange gedacht, ich müsste dem Bild entsprechen, das andere von mir haben. Heute sage ich: Die Messlatte bin ich, nicht die anderen. Was nicht heißt, dass ich aufgehört habe, lern- und kritikfähig zu sein, das sollte man bis zum Schluss bleiben.

nordbuzz: Gab's einen entscheidenden Auslöser für die Gelassenheit?

Berben: Einer davon war sicher, die wunderbare Erfahrung „Sketch up“ drehen und komische Rollen spielen zu dürfen. Mein Umfeld war skeptisch, ob meines Mutes zur Hässlichkeit, ich empfand es als Befreiungsschlag.

nordbuzz: Zurück zum Familien-Thema. Im Film gibt es dazu mehrere Meinungen. Einmal heißt es, „Familie sind die Leute, die man sich nicht ausgesucht hat“. An anderer Stelle gilt: „Familie ist alles“. Welche Aussage ist denn für Sie stimmiger?

„Familie hat nicht unbedingt etwas mit Blutsverwandtschaft und schon gar nichts mit einem Trauschein zu tun“

Berben: Eine gute Frage. Ich bin ja nun mal der Mensch, der keine eigene Familie gegründet hat. Zumindest nicht in einem bürgerlichen Sinne, mit Vater, Mutter, Kind, und alle leben unter einem Dach zusammen. Ich würde die Aussage „Familie ist alles“ trotzdem unterschreiben - zumindest wenn man den Begriff weiter fasst. Ich denke, Familie hat nicht unbedingt etwas mit Blutsverwandtschaft und schon gar nichts mit einem Trauschein zu tun. Ich habe eine Handvoll Menschen um mich, die mir sehr nahestehen. Einen Kreis, von dem ich weiß, darin herrscht absolute Verlässlichkeit, den würde ich als meine Familie bezeichnen.

nordbuzz: Und was ist mit dem blutsverwandten Teil der Familie?

Berben: Ich lehne den Familienbegriff ab, wenn es darum geht, zusammenzusein, weil man einem bestimmten Bild entsprechen will, - der Verwandtschaft wegen, der Nachbarn wegen, des Berufes wegen. Wenn das die Gründe für ein Zusammenleben sind, dann würde ich tatsächlich sagen: „Familie sind die Menschen, die man sich nicht ausgesucht hat.“

nordbuzz: Sie selbst haben Ihre Unterschrift nie unter eine Heiratsurkunde gesetzt. Haben Sie das jemals bereut?

Berben: Nein, nie. Eine Ehe hätte weder meinem Wesen entsprochen, noch meiner Erziehung. Als Kind der 68-er wurde ich dazu erzogen, selbstbestimmt zu sein, das bin ich bis heute, - und froh darüber. Ich würde das jederzeit wieder so handhaben.

nordbuzz: Ein wichtiges Thema im Zweiteiler sind die Konflikte zwischen den Generationen. Wie sah denn die Beziehung zu Ihren Eltern aus?

Berben: In den Jahren, in denen wohl die größten Konflikte angestanden hätten, lebte ich im Internat und war nur selten zu Hause. Die Ferien waren die Ausnahmesituation und die freieste Zeit, endlich weg von den strengen Regeln des Internats. So hat die Konfrontation mit dem Elternhaus bei mir nie stattgefunden. Wenn überhaupt, dann gab es mal Diskussionen um einen Haarschnitt oder ein Kleidungsstück, ich kann mich aber nicht an ein elementares Abnabeln erinnern. Vielmehr hatte ich eine innige Beziehung zu meiner Mutter, vielleicht gerade weil wir uns so selten gesehen haben. Unser Verhältnis war freundschaftlich, aber ich hätte sie nie als meine Freundin bezeichnet, das wäre ihr nicht gerecht geworden.

nordbuzz: Wie würden Sie sich selbst als Mutter beschreiben?

Berben: Ich habe früh ein Kind geboren, auch das war eine selbstbestimmte Entscheidung. Aber gerade weil ich allein mit dem Kleinen war, war ich oft unsicher, ob ich alles richtigmache. Es gab damals nicht den riesigen Hype und die Flut an Informationen zum Elternsein, ich war mit vielen Fragen auf mich gestellt. Dafür war ich mit allen Sinnen bei meinem Sohn. Und bin es bis heute.

nordbuzz: Ein gutes Stichwort. Als Schauspielerin-Produzent-Gespann stehen Sie sich auch beruflich nahe. Wie sieht denn die Zusammenarbeit zwischen Mutter und Sohn aus?

Berben: Gut, da wir uns professionell begegnen, - und zwischen Privatleben und Job klar trennen. Es war uns wichtig, dass jeder seinen eigenen Weg geht und wir individuell wahrgenommen werden. Da wir das gut geschafft haben, hält das innige Verhältnis weiter an.

nordbuzz: Ihr Sohn hat Sie schon zweimal zur Großmutter gemacht. Wie wohl fühlen Sie sich in dieser Rolle?

Berben: Sie macht mich glücklich. Wenn ich an meine eigene Großmutter denke, dann ist das das wärmste Gefühl überhaupt. Der Titel ist für mich sehr positiv besetzt, deshalb trage ich ihn gern und hoffe, dass ich die damit verbundenen Aufgaben genauso gut hinkriege wie meine Oma.

tsch

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