Joe Bonamassa

Ein Mann und sechs Saiten

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Am 25. März erscheint Joe Bonamassas zwölftes Album "Blues Of Desperation".

Vollblutmusiker im Edelzwirn: Joe Bonamassa bewegt sich selbstsicher zwischen coolem Superstar und bodenständigem Gitarrenfreak.

Im Hintergrund hört man eine Gitarre, als Joe Bonamassa anruft. Die beiden sind unzertrennlich. Der 38-Jährige rückt sein Instrument in den Vordergrund, nicht umsonst firmieren seine Konzerte unter dem Motto "The Guitar Event Of The Year". Zum Zeitpunkt des Interviews liegen die Auftritte in Deutschland gerade mal ein paar Tage zurück, die Veröffentlichung seines neuen Albums "Blues Of Desperation" (VÖ: 25.03.) steht noch bevor. Ein Album, welches die Position des Bluesrockers weiter ausbauen wird.

"Ich bin um diese Jahreszeit immer unterwegs. Die Tatsache, dass das Album später rauskommt, ist rein zufällig." Die Antworten eines Joe Bonamassa sind geradlinig, prägnant, kurz. Er ist kein Mann, der abschweift oder muntere Anekdoten aus der Hüfte schießt. Das gilt für das persönliche Gespräch ebenso wie für sein Auftreten auf der Bühne. Wenn er in Plauderlaune gerät, dann bei musikalischen Themen. Auf die Frage, warum er fast nach jedem Song seine Gitarre wechselt, folgt eine ausgiebige Erklärung der verschiedenen Stimmungen seiner Instrumente.

Genau 242 Gitarren sollen es insgesamt sein, die er in seinem Haus stehen hat, verriet er kürzlich einem Fachmagazin. Er ist ein Sammler und ein Liebhaber, dem gerne nachgesagt wird, dass er den Blues entstaubt und wieder zurück ins Blickfeld der breiten Masse gebracht hat. Eine These, die er mit den Worten "Ich bringe den Blues nicht zurück. Alles, was ich heute zurückbrachte, war eine Tasse Kaffee in meine Garderobe" vom Tisch fegt. "Es sind Fans, die zählen, nicht unbedingt Genres", folgt seine Erklärung, verbunden mit einem prominenten Vergleich: "In welchem Genre ist Adele? Pop? Oder Singer-Songwriter? Oder Soul? Es ist Adele. Sie in sich selbst bildet eine Einheit. Und so läuft das im Jahre 2016." Und ebenso läuft das bei ihm, der über die letzten Jahrzehnte hinweg beständig seinen "kleinen Teil aus dem Stein herausmeißelte", mit dem er sich auf die Suche nach seinem Publikum begibt. "Und dann spielt das ganze Schubladisieren auch keine Rolle mehr. Ist es ein Gitarren-Event oder keines, ist es eine Blues-Show oder keine? Es ist ein Joe-Bonamassa-Konzert."

Titel wie "Bluesrock-Titan" oder "Gitarrenevent des Jahres" finden sich jedoch auf YouTube-Kanälen und Konzertplakaten. Die von Selbstbewusstsein getragene Vermarktungsstrategie funktioniert, dazu trägt die hohe Schlagzahl an Veröffentlichungen der veränderten Musiklandschaft Rechnung. Wobei der Faktor "Fan" gerade in den Gebieten, in welchen sich Bonamassa musikalisch bewegt, gar nicht oft genug betont werden kann.

"Viele Künstler, die Platten veröffentlichen, haben mehr Fans, als sie denken", zeigt sich der Sohn eines Gitarrenhändlers zuversichtlich. "Sie müssen nur rausgehen und sie finden. Schau', Eric Clapton spielt in Arenen vor acht- bis zehntausend Leuten. Das sind alles Menschen, die auf irgendeine Art Bluesrock mögen. Ähnliches gilt für B.B. King und den Blues. Ich will mich nicht mit den beiden Künstlern vergleichen. Doch die Fans sind vorhanden. Und du weißt, dass sie an deinen Alben Gefallen finden könnten."

Joe Bonamassa 2016, das ist Blues und Bluesrock der feinsten Sorte. Gemacht für ein breites Publikum ("Erst heute kam ein Zehnjähriger zu meinem 'Meet & Greet'") und ausgestattet mit dem abgeklärten Blick auf seine Karriere ("Ich gehöre nicht zur jüngeren Generation. Ich bin fast 40 Jahre alt. Und mit 62 gehe ich in Rente. Dann bin ich 50 Jahre in diesem verdammten Business gewesen"). Seitdem er im Jahr 2000 sein Debüt veröffentlichte, fand eine kontinuierliche Weiterentwicklung statt, die sich insbesondere im Songwriting niederschlägt. Sein letztes Album "Different Shades Of Blue" (2014) kletterte in die Top Ten der Charts.

Der nun erscheinende Nachfolger "Blues Of Desparation" wird mit ziemlicher Sicherheit ähnlich einschlagen. Zu diesem hat Bonamassa eine eindeutige Meinung: "Das neue Album ist nicht abwechslungsreicher oder besser oder schlechter. Aber die Songs sind besser." Die Basis also bleibt die gleiche: "Mit dem Blues ist es so: Die Urväter haben sozusagen eine Schablone erschaffen, auf der alles basiert", holt der gerne in Sonnenbrille und Anzug auf der Bühne stehende Musiker aus. "Diese hat sich über 100 Jahre hinweg nicht wirklich verändert. Was sich verändert hat, sind nur die Beteiligten. Und ihre Rolle: Wie wurden sie beeinflusst, und wie beeinflussen sie?"

Auch Bonamassa widmet sich immer wieder ausgiebig den Blues- und Bluesrockgrößen der Vergangenheit. Mit "Muddy Wolf At Red Rocks" veröffentlichte er 2015 den Mitschnitt eines Konzerts zu Ehren von Muddy Waters und Howlin' Wolf, Coverversionen sind fester Bestandteil seiner regulären Konzerte. Auch im gegenwärtigen Tourprogramm befinden sich trotz der umfangreichen eigenen Diskographie wieder Songs von Legenden wie Albert King und B.B. King. Wobei es diesmal damit eine besondere Bewandtnis hat: "Einige Songs haben damit zu tun, dass wir später in diesem Jahr eine DVD herausbringen werden, die wir letzten Sommer im Rahmen der 'Three Kings'-Konzerte aufnahmen. Sie feiert die Musik der drei 'Kings'". Die drei Kings, das sind Freddie, Albert und eben B.B. King - der Mann, vor welchem Bonamassa bereits im zarten Alter von zwölf Jahren auftreten durfte.

Allerdings gibt es auch Legenden und kongeniale Partner, mit denen er heutzutage arbeitet. Neben Beth Hart, mit welcher eine weitere Zusammenarbeit geplant ist, sind da vor allem Black Country Communion zu nennen. Zu der Supergruppe um Bonamassa, Glenn Hughes (ehamsl Deep Purple), Derek Sherinian (ehemals Dream Theater) sowie Led-Zeppelin-Sprössling Jason Bonham, deren Auflösung 2013 auf eher unschöne Weise vonstattenging, gibt es zum Schluss eine gute Nachricht: "Wir treffen uns im April und dann schauen wir mal, wie unsere Zeitpläne zusammenpassen. Es sieht im Moment sehr gut aus."

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