TV-Kritik

Rostocker „Polizeiruf 110: Im Schatten“ - Mafia in Meck-Pomm

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Allein gegen die Mafia: Die Rostocker Ermittler König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner) kämpften im „Polizeiruf 110: Im Schatten“ gegen übermächtige Gegner.

Im neuen Fall aus Rostock kämpften die Kommissare Bukow (Charly Hübner) und König (Anneke Kim Sarnau) gegen eine übermächtige italienische Mafia-Organisation. Wären sie doch nur konzentrierter bei der Sache geblieben!

Mit Katrin König (Anneke Kim Sarnau) und Alexander Bukow (Charly Hübner) verfügt der Rostocker „Polizeiruf 110“ über eines der furiosesten Ermittlerduos deutscher Krimi-Kultur. In der Folge „Im Schatten“ legten sich die beiden mit der italienischen Mafia an. Nach furiosem Beginn schlich sich im weiteren Verlauf leider mehr und mehr deutsche Krimi-Kleingärtnerei in die Handlung ein.

Ergab die Story Sinn?

Ach ja, die italienische Mafia gibt es ja auch noch. Neben den vielen neuen Gesichtern organisierter Kriminalität hatte man ihre europäische Urform schon fast vergessen. Nicht so Drehbuchautor Florian Oeller, der bereits für die Rostocker Folgen „Fischerkrieg“ und „Sturm im Kopf“ verantwortlich zeichnete. Oeller fand heraus, dass 2013 allein die kalabrische 'Ndrangheta 53 Milliarden Euro durch ihre Kassen fließen ließ - mehr als McDonalds und Deutsche Bank zusammen. Insofern ist es wichtig und realistisch, jene Form einer übermächtigen „Schattenwirtschaft“ mal wieder zum Thema eines deutschen Primetime-Krimis zu machen.

Wie überzeugend waren die Kommissare?

Die verletzlich burschikose König und der emotionale Wüterich Bukow gehören zum Besten, was der deutsche Krimi zu bieten hat - wenn es die Drehbücher nicht übertreiben mit ihnen. Diesmal ermittelten sie im Fall eines gescheiterten Polizeizugriffs am Rostocker Hafen. Bei dem sollte der von der Mafia kontrollierte Drogenexport nach Skandinavien unterbunden werden. Drei Tote in den ersten Minuten gaben Ermittlern und Zuschauern das Gefühl mit auf den Weg, dass sich das knallharte Geschäft unaufgeregt-emotionslos über den Wert des Lebens erhebt. Warum in diesem Krimi dann doch alles anders wurde, bleibt ein Geheimnis.

Wie furchteinflößend war der Mörder?

Arbeitnehmer gehen dorthin, wo am besten gezahlt wird. Dies gilt auch für Polizisten, wenn sie verglichen mit ihren staatlichen Bezügen besser dotierte Angebote des organisierten Verbrechens erhalten. Das war die Botschaft des Krimis, der die Ohnmacht des Staates gegenüber einer Organisation wie der 'Ndrangheta offenlegen wollte. Wer hier also mordete, war nicht wirklich kaltherzig, sondern gehorchte nur den Zwängen des Marktes, auch weil man noch ein paar (arme) Liebe zu versorgen hatte. Selbst wenn die Grundidee des korrupten Bullen mit Herz stark ist, geriet der Plot in der Drehbuchumsetzung doch reichlich konstruiert.

Was war der größte Aufreger?

Da wollte der Bukow doch tatsächlich die König küssen - auch wenn man zur Entschuldigung sagen muss, dass die beiden zur Tatzeit reichlich besoffen waren. Und König erwartungsgemäß die Reißleine zog. Dennoch geriet das Trinkgelage der Kollegen mal wieder zum schauspielerischen Glanzlicht der Reihe, das so auch jede Theaterbühne bereichert hätte. Bukows Absturz nach der Trennung von seiner Familie ist vielleicht dennoch ein wenig zu plakativ inszeniert. Zuviel Nachtclub - der auch noch dem Vater gehört. So viel - ins Leere hinein - tröstender Blondineneinsatz. Ein wenig Stille würde diesem Bukow gut tun.

Die traurigste Szene?

Ganz klar, trotz dreier Leichen war der frustrierendste Moment dieses Films eine entfremdete Szene mit Bukow und seinem Sohn in der Bar. Das andere Kind hatte bereits abgesagt und auch der letzte verbliebene Familien-Anker hatte keine Lust mehr auf Bespaßung durch den ansonsten fernen Daddy. Weder Essen noch Kino („Du magst doch Actionfilme ...“) konnten die Distanz zwischen Vater und Sohn übertünchen.

Wie gut war der Polizeiruf?

Gemessen an dem hohen Standard des Rostocker „Polizeirufs“, der mit Folgen wie „Familiensache“ (2014) grandiose Krimikunst ins TV brachte, war „Im Schatten“ eher durchschnittlich. Stark inszeniert waren die realistischen Polizeieinsätze zu Beginn, die auf einen nüchternen, harten Polizeifilm nach der Schule des US-Regisseurs Michael Mann („Heat“) hoffen ließen. Leider verließ Regisseur Philipp Leinemann („Wir waren Könige“) diesen Pfad. Auch weil ihn das Drehbuch zwang, in eine Vielzahl persönlicher Dramen einzutauchen, die den Film unübersichtlich machten und ihm jegliches Tempo raubten.

Wir vergeben eine Drei.

tsch

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