Männer, die's vorm Scheitern ängstigt

„Money Monster“ fürs Heimkino

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Böse gucken kann er: Moderator Lee (George Clooney) lässt sich von Show-Regisseurin Patty (Julia Roberts) die neusten Entwicklungen durchgeben.

Mit ihrem furios inszenierten Thriller-Kammerspiel „Money Monster“ rückt Jodie Foster die Opfer der Finanzkrise ins Rampenlicht - und sich selbst in die oberste Regie-Riege.

Zweimal wurde Jodie Foster bislang mit einem Oscar ausgezeichnet - 1989 für „Angeklagt“, drei Jahre später für „Das Schweigen der Lämmer“, jeweils als beste Hauptdarstellerin. Dass die 53-Jährige auch hinter der Kamera ihr Handwerk versteht, beweist ihre vierte Regie-Arbeit „Money Monster“: Fast zehn Jahre nach Beginn der Finanzkrise nähert sich der mit Julia Roberts und George Clooney starbesetzte Geiselnahme-Thriller den Opfern des ökonomischen Crashs. Eine knappe halbe Million Besucher lockte die awardverdächtige Inszenierung bereits in die deutschen Kinos, nun folgt die Auswertung auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Ohne die Profiteure des Finanzwahnsinns lässt sich die Geschichte natürlich auch bei Jodie Foster nicht erzählen: Im Zentrum steht zunächst der ungezügelte Börsen-Guru Lee Gates (George Clooney), der in seiner trashigen TV-Show vor glitzernd-pulsierender Boulevard-Kulisse die Zuschauer mit Anlagetipps bewirft. Immer wieder muss Show-Regisseurin Patty Fenn (Julia Roberts) den unberechenbaren Narzissus auf den Weg des Skripts zurückleiten. Bald schon sieht sie sich einem weiteren männlichen potenziellen Vulkan ausgesetzt: Mitten in der Live-Sendung stürmt ein junger Mann mit Waffe das Studio und nimmt Lee als Geisel.

Was nun folgt, ist ein spannungsreiches, grandios gespieltes Kammerspiel von berauschender Intensität: Kyle (Jack O'Connell), so der Name des Geiselnehmers, bindet Lee eine Bombenweste um, die er zu zünden droht, sollte die Live-Übertragung abgebrochen werden. Das ganze Land und bald alle Welt verfolgt nun, was der panisch wirkende junge Täter verlangt: eine Erklärung dafür, warum er sein ganzes Geld verloren hat. 60.000 Dollar investierte er, nachdem Lee in seiner Sendung die Aktien eines aufstrebenden Konzerns als angeblich völlig sicheren Anlagetipp präsentierte.

Die mit unabsehbaren Folgen verbundene männliche Angst vor dem Scheitern stellt sich bald als herausragend umkreistes Meta-Thema von „Money Monster“ heraus. Grandios, dass dabei mit Roberts' Charakter einmal eine Frau die Rolle der sonst in Hollywood männlich konnotierten, ruhig besonnenen Verantwortlichen übernimmt, die eine Panik unter den hühnerhaften Kerlen vermeiden will. Da kommt es zwar auch mal vor, dass Jodie Foster vereinfacht moralisiert. Das aber verzeiht man ihr ebenso wie die Tatsache, dass sie selbst nicht auftritt. Mit „Money Monster“ gelingt der anspruchsvollen Regisseurin endgültig (auch) der Sprung in die oberste Riege der Filmemacher.

tsch

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