Matthias Koeberlin

„Leider gibt es nicht mehr viele, die klare Kante zeigen“

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Im ARD-Drama „Böse Wetter“ spielt Matthias Koeberlin einen Geophysiker, der mit einem Roboter im Bergwerk nach Silber sucht und dabei einem alten Geheimnis auf die Spur kommt.

„Böse Wetter“ ist ein beeindruckendes TV-Drama über das „Geheimnis der Vergangenheit“, aber auch über Schuld und Vergebung. Ein Gespräch mit Hauptdarsteller Matthias Koeberlin.

Mit der ihm eigenen Gelassenheit und Beharrlichkeit hat sich Matthias Koeberlin in den letzten Jahren in die erste Schauspieler-Liga vorgearbeitet. Inzwischen prägt er ganze Krimireihen („Marthaler“, ZDF), wirkt in internationalen Produktionen wie „Laconia“ (2011) mit oder übernimmt die Hauptrolle in großen TV-Dramen. Jetzt ist er in „Böse Wetter“ (Montag, 3. Oktober, 20.15 Uhr, ARD) an der Seite von Götz George zu sehen. Mit dem im Juni verstorbenen Star hat Koeberlin schon öfter gedreht und sich einiges abgeschaut, wie er sagt. Vor allem dessen „Demut“ für die Arbeit, die hinter einem guten Film stecke, bewundert er. Der 42-jährige Matthias Koeberlin lebt mit seiner Familie in Köln und wurde für seine Auftritte schon mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Comedypreis.

nordbuzz: Herr Koeberlin, im „Schimanski“ mit Götz George hatten Sie Ende der 90er-Jahre ihren ersten TV-Auftritt. Jetzt sind Sie noch einmal mit ihm vor der Kamera zu sehen, ausgerechnet in seinem letzten Film. Hatten Sie bei den Dreharbeiten vor einem Jahr das Gefühl, dass es ihm nicht gut gehen könnte?

Matthias Koeberlin: Nicht die Spur. Götz George war für mich immer der Inbegriff von Kraft und Physis. Damals war nicht abzusehen, wohin die Reise für ihn gehen würde. Sein Tod war ein großer Schock für mich, wie für alle.

nordbuzz: Ihr letzter gemeinsamer Film, der ARD-Thriller „Böse Wetter“, ist eine interessante Mischung aus Thriller, Familiendrama und deutsch-deutscher Vergangenheitsbewältigung. Viele Szenen spielen unter Tage, in den alten Gruben und Flözen im ehemaligen deutsch-deutschen Grenzgebiet im Harz. Wie anstrengend waren die Dreharbeiten?

Koeberlin: Das war schon sehr speziell dort. Unter Tage hatte es immer so um die sechs Grad, alles spielte im Dunkeln und wurde nur von ein paar Lampen ausgeleuchtet. Und alle paar Stunden wurde man kurz ans Tageslicht hinaufgefahren. Das kostete allen Beteiligten eine Menge Kraft und Energie.

nordbuzz: Und Götz George - wie kam er mit den Bedingungen zurecht?

Koeberlin: Gut. Aber er war auch niemand, der sich hätte etwas anmerken lassen. Er war immer konsequent, auch was seine private Seite angeht. Das habe ich an ihm immer bewundert: Dass er bei all seiner Prominenz das Private immer privat hat sein lassen. Ich habe immer versucht, es ähnlich zu machen wie er, weil ich das faszinierend finde.

nordbuzz: Sie haben einmal gesagt, das mache für Sie den Reiz eines guten Schauspielers aus. Weil man ihn sonst zu sehr als Person hinter der Rolle wahrnehme.

Koeberlin: Ich nehme Schauspielern ihre Rolle eher ab, wenn ich wenig über ihr Privatleben weiß. Wie ihr Zuhause aussieht, interessiert mich nicht. Als Schauspieler muss man sich Geheimnisse bewahren.

nordbuzz: Was haben Sie am Schauspieler Götz George am meisten bewundert?

Koeberlin: Diese Kombination aus Professionalität und Reibung um der Sache willen. Um den Film weiterzubringen. Neugierig zu bleiben. Es immer noch ein wenig besser machen zu wollen.

nordbuzz: Haben Sie von ihm gelernt?

Koeberlin: Ja. Als jüngerer Kollege konnte man sich wahnsinnig viel bei ihm abschauen. Er war ein rastloser Geist, der immer das Optimum herausholen wollte. Natürlich hatte er auch seine Ecken und Kanten, aber es ging ihm immer um die Sache, mit einer klaren Meinung. Leider gibt es heute nicht mehr viele, die klare Kante zeigen.

nordbuzz: Im Film spielt auch Gudrun Landgrebe mit, noch ein Star aus den 80er- und 90er-Jahren. Geht diese Generation ans Filmen mit einer anderen Einstellung heran als die Jüngeren?

Koeberlin: Ja. Bei ihnen standen noch andere Dinge im Vordergrund, weniger das Blitzlicht und die Champagnerempfänge. Ich nehme da immer eine große Demut für den Job wahr, da wird noch richtig malocht. Natürlich gibt es das heute auch noch, aber insgesamt war das schon eine andere Generation.

nordbuzz: 2002 hatten Sie mit dem„Jesus-Video“ Ihren Durchbruch, seitdem ging es nur noch bergauf. Hat sich für Sie dadurch viel verändert?

Koeberlin: Es bricht jetzt keine Hysterie aus, wenn ich das Haus verlasse, und das darf auch gern so bleiben. Es hat aber auch eine Zeit gedauert, und es gehört eine Menge Glück dazu, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und Leute um sich zu haben, die einem solche Projekte anvertrauen. Es ging immer in kleinen Schritten aufwärts.

nordbuzz: Diese Gelassenheit scheint ein Wesenszug von Ihnen zu sein. Nach der Schule bewarben Sie sich einfach so auf der Schauspielschule, ohne große Vorbereitung, und wurden sofort angenommen. Hilft Gelassenheit in Ihrem Beruf weiter?

Koeberlin: Ja, sie kann wahnsinnig hilfreich sein. Weil es natürlich immer Phasen gab und noch immer gibt, in denen man eine Rolle nicht bekommt oder Projekte am Ende nicht realisiert werden. Das hat aber auch damit zu tun, dass die Schauspielerei nicht mein erster Beruf war, den ich ergreifen wollte. Das ergab sich eher zufällig.

nordbuzz: Was wollten Sie denn ursprünglich werden?

Koeberlin: Journalist.

nordbuzz: Glück gehabt.

Koeberlin: (lacht) Für mich fühlt es sich heute sehr gut an. Aber es hilft, das Ganze mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Ich hoffe, dass es auch so bleibt.

nordbuzz: Könnten Sie sich denn auch mal vorstellen, die Seiten zu wechseln und als Regisseur oder Produzent zu arbeiten?

Koeberlin: Ich bin gut ausgelastet, und manche Dinge traue ich mir auch einfach nicht zu. Regie zu führen finde ich spannend, kann es mir aber nicht vorstellen, das selbst zu machen. Was mich reizt, ist das Schreiben. Die eine oder andere kleine Geschichte habe ich schon selbst entwickelt und an Produzenten weitergegeben, die ich kenne und denen ich vertraue. Das könnte vielleicht noch etwas werden in den nächsten Jahren. Ansonsten konzentriere ich mich auf die Schauspielerei.

nordbuzz: Und auf Hörbücher. Sie haben schon viele eingesprochen.

Koeberlin: Hörbücher mag ich gern, das hat sich in den letzen zehn Jahren stetig weiterentwickelt. Ich versuche, im Jahr immer zwei oder drei davon unterzubringen. Das ist ein schöner Ausgleich zum Drehen und macht mir großen Spaß.

nordbuzz: Sie haben unter anderem die Hörbücher von Andreas Eschbach eingesprochen, dem Autor des „Jesus-Videos“.

Koeberlin: Ja, ich kenne ihn inzwischen auch persönlich und lese seine Bücher sehr gern. In diesem Monat kommt das nächste - „Teufelsgold“. Ich mag das Genre und freue mich, die Stimme sein zu können, die diese Geschichten vorträgt.

nordbuzz: Kommen Sie bei den ganzen Projekten überhaupt noch dazu, Schlagzeug zu spielen?

Koeberlin: Da ich zurzeit viel auf Achse bin, klappt das viel zu selten. Aber wenn ich mal wieder zu Hause in Köln bin und eine Stunde Zeit habe, setze ich mich hin und spiele. Das brauche ich dann auch für mich.

nordbuzz: Und die Nachbarn wissen, dass Sie wieder zu Hause sind.

Koeberlin: Das muss ich dann leider mit Kopfhörern am E-Schlagzeug machen (lacht). Nur so funktioniert es.

tsch

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