Mitten in Deutschland: NSU - Die Opfer - Vergesst mich nicht - Mo. 04.04 - ARD: 20.15 Uhr

Das Leid der Hinterbliebenen

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Adile (Uygar Tamer) und ihr Mann Enver (Orhan Kilic) betreiben einen Blumengroßhandel.

Der NSU-Terror aus Sicht der Hinterbliebenen: Der zweite Teil der Trilogie widmet sich den Opfern.

"Das kennt man ja", ist ein Satz, den man in diesem Film häufig hört: Etwa, wenn die Ermittler sich sicher sind, dass der Tod von Enver Simsek ein Ehrenmord sein muss - oder ein Drogendelikt. Das kennt man ja - von diesen Türken, meinen sie. Simsek war 2000 das erste der neun Opfer des Nationalsozialistischen Untergrunds, ihm ist "Die Opfer - Vergesst mich nicht" gewidmet, der mittlere Teil der "NSU"-Trilogie der ARD. Der Film stellt die Toten in den Mittelpunkt - nach einem Film über die Täter und vor "Die Ermittler - Nur für den Dienstgebrauch" (Mittwoch, 6. April, 20.15 Uhr).

Schon nach kurzer Zeit zeigt der Film des Deutschtürken Züli Aladag den Mord an Enver Simsek (Orhan Kilic). Mit mehreren Schüssen aus einer Ceska wird der Blumengroßhändler in seinem Lieferwagen ermordet. Die Täter, mutmaßlich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, zeigt die Kamera nicht, sie will nur den Opfern der Rechtsterroristen ein Gesicht geben. Und den Hinterbliebenen: "Die Opfer" basiert teilweise auf der Biografie "Schmerzliche Heimat" von Simseks Tochter Semiya und stellt die junge Frau in den Mittelpunkt der Handlung.

Als Semiya (hervorragend: Almila Bagriacik) ihren Vater, der zwei Tage später sterben wird, im Krankenhaus besuchen will, fragt sie einer der Ermittler eiskalt, ob ihr Vater Waffen besitze; später werden Semiya und ihre Familie abgehört, dann ihre Wohnung durchsucht. Hartnäckig verfolgen die Beamten die Theorie, Enver Simsek habe als Drogenkurier gearbeitet; ein fremdenfeindlicher Hintergrund kommt ihnen nicht in den Sinn. Die Polizei macht die Opfer zu Tätern.

Irgendwann glaubt Envers Witze Adile (Uygar Tamer) gar selbst, dass ihr Mann kriminell gewesen sei. Sie wird psychisch krank, Semiya bleibt mit ihrem Bruder alleine zurück. Dazwischen geht das Familienunternehmen pleite. "Die Opfer - Vergesst mich nicht" zeigt eindringlich, was "die Verdächtigungen, das Unrecht, die schlimmen Vermutungen", wie es Semiya nennt, mit den Hinterbliebenen des NSU-Terrors gemacht haben.

Immer wieder bekommt man bei diesem Film den Eindruck, er würde in Klischees erstarren, wenn er die Polizei bei ihren völlig falsch laufenden Ermittlungen zeigt - bis einem bewusst wird, dass elf Jahre vergehen mussten, bis endlich feststand, wer die mutmaßlich Mörder von Enver Simsek und den anderen acht Opfern des NSU-Terrors waren.

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