Das Tagebuch der Anne Frank

Leben im Schatten der Vernichtung

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Anne (Lea van Acken) schreibt ein Tagebuch, das weltberühmt wird und als eindringlichste und persönlichste Darstellung der nationalsozialistischen Verfolgung gilt.

Die feinfühlige Entwicklungsgeschichte über das wohl berühmteste Opfer der Judenverfolgung lässt deren Unmenschlichkeit umso deutlicher hervortreten.

Das Tagebuch der Anne Frank, die in Frankfurt am Main geboren wurde, dort aufwuchs und nach Hitlers Machtergreifung mit ihren Eltern nach Holland emigrieren musste, gilt als eines der beeindruckendsten Zeugnisse der nationalsozialistischen Verfolgung der Juden. Unterstützt durch den vielseitigen Autor Fred Breinersdorfer, der auch die Drehbücher für „Elser“ (2015) und „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ (2005) verfasste, hat Regisseur Hans Steinbichler mit „Das Tagebuch der Anne Frank“ (2016) eine neue filmische Adaption des Stoffes vorgelegt, die sich erfolgreich um eine aktuelle Sichtweise bemüht. Knapp 400.000 Besucher sahen den Film bereits im Kino, nun erscheint er auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Die knapp 15-jährige Anne (Lea van Acken) und der etwa gleichaltrige Peter (Leonard Carow) treten nicht schnell genug auseinander. Annes Vater (Ulrich Noethen) hat genug gesehen. Er dulde keine Knutscherei, schärft er ihr ein, als sie allein sind. Eine typische Erziehungsszene aus dem letzten Jahrhundert? Ja - und nein.

Anne Franks Familie und andere Juden verbergen sich in einem Hinterhaus, eine Geheimtür führt zu ihrem Versteck. Es ist das Jahr 1944 im deutsch besetzten Amsterdam, von wo aus die Nazis in die Gaskammern deportieren. Aus dem Kontrast zwischen dem Coming-of-Age einer Pubertierenden und der tödlichen Bedrohung schöpft „Das Tagebuch der Anne Frank“ emotionale zeitgeschichtliche Aufklärung im besten Sinne - eine Geschichte, die auch heute einen Nerv trifft.

Das bedeutet nicht nur, dass Annes Klage über die Opfer von Krieg und Vernichtung in einer Art Prolog auf die heutige Zeit gemünzt wird. Oder dass jugendliche Nazis Anne und andere jüdische Mädchen von einem Strand vertreiben. Eine aktuelle Sichtweise findet der Film vor allem darin, dass er Annes Entwicklungsgeschichte sehr offen und feinfühlig erzählt. Ihre Beobachtungen am eigenen und anderen Geschlecht, in früheren Publikationen des Tagebuchs zum Teil unterdrückt, kommen frei zum Ausdruck. Schließlich befördert auch der forsche Auftritt von Lea van Acken die Identifikation.

Anne Frank ist eine von uns oder könnte es zumindest sein, lautet die Erkenntnis. Und egal wie furchtbar ihre Situation ist, das Leben bricht sich in ihr rücksichtslos Bahn. Weil Anne so nahe rückt, vor allem jungen Zuschauern, ist die Auslöschung dieses Lebens und so vieler anderer umso unvorstellbarer.

tsch

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