Eddie The Eagle - Alles ist möglich

Lebe gefälligst deinen Traum!

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Publikum und Presse bejubeln Eddie (Taron Egerton, links) und seinen Trainer (Hugh Jackman).

Skisprungamateur „Eddie the Eagle“ flog 1988 in die Herzen der Olympia-Zuschauer. Regisseur Dexter Fletcher hat seine Geschichte als Feel-Good-Motivationskomödie verfilmt.

Die unvorteilhafte Brille, der trottelige Blick, die unbeholfene Art. Eddie, genannt „The Eagle“, verkörperte den klassischen Außenseiter. Als jener britische Sonderling bei den Olympischen Winterspielen in Calgary 1988 im Skisprung-Wettbewerb antrat, hatte es etwas von einer peinlichen Freakshow. Trotzdem, nein, eher deshalb avancierte er zum Publikumsliebling, schleuderte dem bierernsten Leistungssport das olympische „Dabei sein ist alles“ entgegen und kreierte daraus ein amüsantes, medienwirksames Spektakel. Dexter Fletcher verfilmte die Geschichte als die Motivations-Komödie „Eddie The Eagle“ (2016, nun fürs Heimkino erhältlich), die jedoch nur so von dem Mantra „Alles ist möglich“ trieft.

Es ist die altbekannte Geschichte des liebenswerten Versagers, der sich zahlreichen Enttäuschungen zum Trotz seinen Lebenstraum erfüllt. Im Fall des Nordengländers Michael Edwards geschah sie Ende der 80er-Jahre tatsächlich, und der langgehegte Traum lautete, einmal bei den Olympischen Spielen teilzunehmen. Taron Egerton porträtiert Eddie beinahe slapstickhaft als eine Art erwachsenes Kind, das etwas schwer von Begriff scheint, noch bei seinen Eltern wohnt und von der harten Realität nichts wissen will. Nach gescheiterten Sommersport-Versuchen entdeckt die dusselig-sympathische Hauptfigur die Eleganz des Skispringens. Vorteil: Großbritannien hatte seit Jahrzehnten kein Skisprungteam mehr!

So sieht Eddie seine Chance gekommen, reist ins deutsche Garmisch-Partenkirchen, um dort zu trainieren. Den historischen Ereignissen in „Eddie the Eagle“ half man aber ein wenig auf die Sprünge. In Garmisch spielt ein Großteil der Handlung, obwohl der echte Eddie dort nur sporadisch trainierte. Dieser verriet außerdem: „In Wirklichkeit waren es 20 oder 30 Trainer“ und: „Der jüngste war 12“. Der Film verdichtet die Coaches dagegen in Gestalt eines gewohnt arschcoolen Hugh Jackmans zu einem einzigen: dem gescheiterten US-Skisprung-Profi Bronson Peary, der als abgehalfterter Alkoholiker die Schanzen in der Garmischer Arena pflegt.

„Alles ist möglich“, solange du an dich glaubst, du selbst bist, deinen Traum lebst, nur auf dich hörst und dir egal ist, was die anderen sagen - so schreit einen die handwerklich solide fabrizierte Mitfieber-Comedy geradezu an. Weil man sich inzwischen daran gewöhnt hat, die dabei entstehende Gänsehaut nicht mehr als Schaudern, sondern als wohliges Feel-Good-Frösteln zu interpretieren, wirkt „Eddie the Eagle“ dann doch irgendwie gelungen: wie der Publikumserfolg des echten Eddie zwischen Mitleid, Witz und Spektakel angesiedelt, als grobhumoriges wie charmantes Motivations-Video. Einen netten Gastauftritt hat Iris Berben als Barkeeperin, die Eddie umwirbt.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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