13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi

Lass' krachen!

+
In „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ macht Michael Bay aus einem amerikanischen Trauma einen Action-Film.

„Transformers“-Regisseur Michael Bay verfilmt die Anschläge von Bengasi. Das geht natürlich ziemlich in die Hose - aber anders, als befürchtet.

Am 11. September 2012, auf den Tag genau elf Jahre nach den Anschlägen von 9/11, griffen libysche Terroristen ein amerikanisches Diplomatengelände in Bengasi an und töteten den Botschafter. Mit nur geringem zeitlichen Abstand verfilmte dieses amerikanische Trauma ausgerechnet „Transformers“-Regisseur Michael Bay. „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi“ (2015) macht schon im Titel deutlich, worum es hier geht: 13 Stunden Krieg, nicht mehr, nicht weniger. Die Kinobesucher straften den Film größtenteils mit Missachtung, nun erfolgt die Auswertung auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

Am Anfang von „13 Hours“ steht der Hinweis, dass der Film auf wahren Ereignissen basiere. Kommt eine solche Ankündigung aus Hollywood, muss man natürlich vorsichtig sein. Und tatsächlich löste das Actionspektakel in den USA eine Diskussion über seine historische Genauigkeit aus. Vor allem an der Figur des CIA-Chefs von Bengasi, der im Film schlicht Bob heißt (gespielt von David Costabile), entzündeten sich die Gemüter. Dargestellt wird er als Abziehbild eines Bürokraten, der den Rettungseinsatz verschleppt, angeblich wegen fehlender Befugnis. Ob sich das wirklich so zugetragen hat, bestreiten einige der Beteiligten.

Dem Drehbuch aber kommt eine solche Figur gerade recht. Lässt sich an Bob doch wunderbar zeigen, wozu diplomatisches Taktieren führt - nämlich zu nichts. Also müssen die Muskeljungs von der privaten Sicherheitsfirma ran, die im Film nicht ganz korrekt „Soldaten“ getauft werden. Unter ihnen ist mit Tyrone Woods (James Badge Dale) eine der wenigen Figuren, die in „13 Hours“ zumindest ansatzweise ein Gesicht und eine Geschichte haben und nicht nur als Waffenträger dienen. Aber auch der frischgebackene Vater verliert sich schnell in Klischees.

Dass sich Bay, der am Anfang in mehreren Texttafeln die komplizierten Verhältnisse im Libyen nach Gaddafi erläutert, nicht mit komplexer Politik aufhält, muss man ihm wohl nachsehen. Dass er es aber nicht schafft, einen Actionfilm spannend zu inszenieren, ist enttäuschend. Kurz vor Ende, nach zwei tösenden Stunden, gönnt er dem Zuschauer einen Moment des Innehaltens. Nachdem die Schlacht geschlagen ist, zeigt er die Frauen und Kinder der getöteten Angreifer, wie sie gespenstergleich über das Schlachtfeld ziehen, um die Toten zu betrauern. Will Bay den Terroristen doch noch das Gesicht geben, das er ihnen zuvor zwei Stunden lang verweigert hatte? So viel Feingefühl würde man so manchem Regisseur durchaus zutrauen, einem Michael Bay aber kaum.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren