Die Provinz-Posse "The Ranch" (abrufbar bei Netflix) will mehr als eine "normale Sitcom" sein

Lachen über den Rest der Welt

+
Ashton Kutcher (zweiter von links) lebt in "The Ranch" den Redneck-Traum - und ist der Albtraum jeder "Don't drink and drive"-Kampagne.

Ashton Kutcher lebt in "The Ranch" den Redneck-Traum - und ist der Albtraum jeder "Don't drink and drive"-Kampagne.

Mist statt Milliarden, Colorado statt Kalifornien, echte Familie statt geerbter Schmarotzer: In der brandneuen Netflix-Serie "The Ranch" (2016) versucht Ashton Kutcher (38) offenbar, den größtmöglichen Abstand zu seiner Rolle in der WG-Sitcom "Two and a Half Men" herzustellen - und landet am Ende doch nur wieder mit zwei weiteren Kerlen unter einem Dach.

Kutcher, selbst aufgewachsen in einer Kleinstadt, spielt Colt Bennett. Der hat einst als gefeierter Highschool-Football-Held das 512-Seelen-Dorf Garrison verlassen, um Profi-Quarterback zu werden. Doch den großen Wurf konnte er nicht landen. Als verlorener, gescheiterter und ungeliebter Sohn kehrt er mit 34 Jahren zurück auf die Familienfarm, die kurz vor dem Aus steht, obwohl Vater Beau (Sam Elliott, "Hulk") und Bruder Rooster (Danny Masterson) bis zum Umfallen schuften.

Aus Geldnot wird sogar der Strom abgeschaltet, dafür fließt der Alkohol in Strömen: in der Bar von Mutter Maggie (Debra Winger, "Shadowlands"), in der die Jungs umsonst trinken dürfen. Ist kein Bier zur Hand, schaut man tief ins Whiskyglas. Und zwar so eklatant oft, dass "The Ranch" glatt als Dauerwerbesendung für das hochprozentige Triumvirat Jim, Jack und Johnny durchgehen könnte. Gleichzeitig ist die Serie, bei deren Dreh Kutcher und Co. eigenen Angaben zufolge stets echtes Bier tranken, der Albtraum für jede "Don't drink and drive"-Kampagne. Politcal correctness? Nicht in der Pampa.

Ungelöste Generationskonflikte, der Niedergang des "Heart of America", geplatzte Träume und kaputte Ehen: Die von Don Reo und Jim Patterson ("Two and a Half Men") produzierte Provinz-Posse bemüht sich nach Kräften, mehr als nur Comedy zu liefern. "Wir wollten konzeptionell über das Übliche hinausgehen, indem wir dramatische Elemente einfließen lassen", erklärt Kutcher im Interview. "Normale Sitcoms ähneln impressionistischen Gemälden, man braucht Teile der Realität nicht - es geht eher darum, was man beim Schauen empfindet. Wir wollten dem Genre mehr Realismus hinzufügen."

Ehrenwerte Ziele. Doch immer, wenn emotionale Tiefe, Cowboy-Romantik oder gar Ernsthaftigkeit drohen, werden zwischen Küche, Kuhstall und Kneipe derbe Gags abgefeuert, die weit unter die Gürtellinie zielen. Hauptverantwortlich ist dafür Danny Masterson, der mit Kutcher bereits für die Sitcom "Die wilden Siebziger" gemeinsam vor der Kamera stand und hier als spätpubertierendes Landei reihum bei den Dorfschönheiten abblitzt. Ganz im Gegensatz zu Colt, dessen vergangener Football-Ruhm immer noch Türen und BHs öffnet. Nur nicht bei seiner Ex-Freundin Abby (Elisha Cuthbert, "24").

Der heimliche Star der Serie ist allerdings ein anderer: Sam Elliott als schnauzbärtiger Sturkopf mit Reibeisenstimme, für den die Zeit irgendwann während der Präsidentschaft von Ronald Reagan stehengeblieben ist und der den Klimawandel als eine Erfindung von Al Gore verteufelt. Ihm ist es zu verdanken, dass "The Ranch" der Balance-Akt zwischen Sitcom und Drama gelingt - und obendrein ein beeindruckender Zielgruppenspagat zwischen Leuten vom Land und dem urban-elitären Publikum.

"Die meisten Provinzserien werden von liberalen Großstädtern geschrieben und machen sich über das Landleben lustig", erklärt Kutcher. "The Ranch hingegen handelt von konservativen Menschen, die sich über den liberalen Lebensstil lustig machen. Schaut man die Serie aus deren Perspektive, kann man über die Ansichten der Charaktere lachen. Schaut man sie hingegen aus konservativer Sicht, lacht man gemeinsam mit den Figuren über den Rest der Welt. Jede dieser Perspektiven zählt und ist wertvoll."

Ungewöhnlich: Netflix zeigt die erste Staffel von "The Ranch" in zwei Blöcken. Zehn Folgen stehen bereits zum Abruf bereit, zehn weitere sollen Ende des Jahres folgen. Die Reaktionen in den Sozialen Netzwerke sollen maßgeblich in die Produktion einfließen, erklärt Masterson: "Was das Publikum mag oder auch nicht, berücksichtigen wir dann bei den letzten zehn Episoden - und hoffentlich den kommenden Staffeln." Denn ginge es nach Kutcher und Masterson, würden sie die Serie so lange weiterdrehen, bis sie in Rente gehen.

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren