Zero Days - World War 3.0

Krieg der Viren

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Die Malware STUXnet versetzte Antivirus-Experten 2010 fast schon in Panik, rief aber auch ein wenig Bewunderung hervor.

Ist es tatsächlich ratsam, Wasser und Lebensmittel zu horten? „Zero Days“, die neue Dokumentation von Alex Gibney, lässt daran keinen Zweifel.

Alex Gibney gehört zweifellos zu den bedeutendsten Dokumentarfilmern unserer Zeit. Auch, weil er sich stets auf jene Themen stürzt, die besonders schwer zu knacken sind - in seinem oscarprämierten „Taxi zur Hölle“ (2007) etwa, einer ebenso heftigen wie pointierten Kritik an den Foltermethoden der USA, oder zuletzt auch mit „Die Armstrong Lüge“ (2013), als er den Dopingskandal um die gefallene Radsport-Ikone Lance Armstrong durchleuchtete. Mit „Zero Days - World War 3.0“ (2016), kurz nach dem Kinostart auch auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand erhältlich, legt der 62-Jährige seinen bisher vielleicht spannendsten Film vor. Wer zuletzt irritiert war, als in den Medien von einer aktualisierten Regierungs-Empfehlung zu Hamsterkäufen die Rede war: Gibneys Film zeigt, dass eine solche Maßnahme durchaus ihre Berechtigung hat.

STUXnet - so heißt die Malware, die 2010 Antivirus-Experten auf der ganzen Welt in nie dagewesene Alarmbereitschaft versetzte. Ein „normales“ Virus, erklärt ein Fachmann im Film, sei in der Regel binnen weniger Minuten durchschaut und entschlüsselt. Bei STUXnet habe man nach Monaten intensiver Arbeit noch keine Ahnung gehabt, wo das Programm seinen Ursprung hat und was es eigentlich will.

Was die Fachleute aber sofort erkannten: Der Computer-Wurm verbreitet sich selbstständig, geht extrem aggressiv und zielstrebig vor, und er hat es vor allem auf Steuergeräte abgesehen - solche, wie man sie in Wasch- und Kaffeemaschinen findet, aber auch in Ampeln, Kühltruhen, Wasseraufbereitungsanlagen oder Atomreaktoren. Was auch auf Anhieb klar war: STUXnet wurde so aufwendig programmiert, dass kein Hobby-Hacker, keine kriminelle Organisation, sondern nur ein Staat mit enormen Ressourcen dahinterstecken konnte.

Inzwischen ist bekannt, dass die USA und Israel die Malware gezielt losließen, um das iranische Atomprogramm zu manipulieren. Über das gesamte Ausmaß, über die tatsächliche Bedeutung dieser ersten staatlich kontrollierten Cyberwaffe, waren sich bisher aber nur Insider im Klaren. An dem Punkt setzt Gibney an und läuft einmal mehr zu großer Form auf.

Beharrlich beißt und bohrt er sich in das Thema hinein, spricht mit Experten, die eigentlich nicht sprechen dürfen - von der CIA, der NSA, dem Mossad - und fügt die vielen für sich genommen obskuren Puzzleteile zu einem furchteinflößenden Gesamtbild zusammen, ohne dass sein Film dabei je verschwörungstheoretisch wirken würde. Eine gigantische Leistung, zumal STUXnet noch heute strengster Geheimhaltung unterliegt.

So wird „Zero Days“ zu einem handwerklich herausragenden Doku-Thriller, der eine Wahnsinnsgeschichte rekonstruiert. Gleichzeitig formuliert dieser Film aber auch eine Warnung: Mit STUXnet haben die USA und Israel einen neuen Standard gesetzt. Das digitale Aufrüsten hat begonnen, der Cyberkrieg ist eröffnet.

tsch

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