Das Mädchen Wadjda - Di. 08.03 - ARD: 22.45 Uhr

Koransuren für den Drahtesel

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Liebe auf den ersten Blick: Wadjda (Waad Mohammed) wäre gern Besitzerin dieses Fahrrads.

Gegen alle Regeln: "Das Mädchen Wadjda" will sich im ersten saudi-arabischen Kinofilm den Traum vom Fahrrad erfüllen.

1.000 Rial, ist das wahr? Während die Klassenkameradinnen ihrer Mädchenschule in Riad stressgeplagte Gesichter machen, ergreift ein fasziniertes Funkeln die Augen der zehnjährigen Wadjda (Waad Mohammed), als sie von der Dotierung des diesjährigen Koran-Rezitationswettbewerbs hört. Mit der Summe könnte sie sich ihren größten Wunsch erfüllen - ein Fahrrad zu besitzen. Wadjda arbeitet im gleichnamigen filmischen Schelmenroman aus Saudi-Arabien - der ersten Kinoproduktion dieses Landes überhaupt - schon lange auf dieses Ziel hin. Gegen alle Konventionen einer erzpatriarchalen Gesellschaft und mit einer Chuzpe und charmanten Durchtriebenheit, die Wadjda dank ihrer mitreißenden Darstellerin zur orientalischen Schwester von Tom Sawyer macht. "Das Mädchen Wadjda" von 2013 ist jetzt als TV-Premiere im Ersten zu sehen.

20 Rial für bunte Armbänder, eben so viel für einen geschmuggelten Liebesbrief: Spätestens seit Wadjda beim Spielwarenhändler den schicken grünen Drahtesel mit den hübschen Schleifen gesehen hat, geht sie nicht zur Schule, um zu lernen, sondern um kleine Deals zu machen. Ihre Mutter (Reem Abdullah) könnte das Fahrrad für sie kaufen mit dem sie das langersehnte Fahrrad-Wettrennen mit dem Nachbarsjungen Abdullah (Abdullrahaman Al Gohani) bestreiten will. Aber erstens gehören sich den herrschenden Sitten nach Zweiräder für Mädchen nicht, und zweitens möchte sich die Mama ein schönes Kleid anschaffen, um die mögliche neue Zweitfrau ihres Mannes (Sultan Al Assaf) auszustechen.

Volle Konzentration auf die Hauptfigur, die etwas erreichen will, was unmöglich scheint: In den Grundzügen rollt "Das Mädchen Wadjda" wie ein typischer Hollywood-Film ab. Die jugendliche Heldin ist wie von Mark Twain erfunden, ihre Geschäftstüchtigkeit sympathisch und ihr Freiheitsdrang unwiderstehlich. Religiosität wird mit Respekt behandelt und langsam, aber stetig entwickelt sich eine Mutter-Tochter-Allianz. Mit diesen Ingredienzen empfiehlt sich das deutsch-saudi-arabische Gemeinschaftswerk insbesondere für den US-amerikanischen Zuschauergeschmack.

Doch ohne diese Erzählweise würde das Debüt der Filmemacherin Haifaa Al Mansour wohl kaum viel Aufmerksamkeit für den meist stillen, von Wadjda aber herzerfrischend selbstbewusst geführten Kampf um Freiheit und Gleichheit in einem Land erlangen, in dem Frauen nur verschleiert in der Öffentlichkeit auftreten können und weder Auto fahren dürfen noch im Stammbaum vorkommen. Die Tiefe des Raumes in den Aufnahmen des deutschen Kameramanns Lutz Reitemeier spricht sowohl von resigniertem Rückzug als auch vom Durchgang zu einem besseren Leben, so wie in der Geschichte Witz und Ernst ineinander umschlagen können. "Ich gebe dir fünf Rial, wenn du aufhörst zu heulen", sagt Abdullah einmal zu Wadjda. Sie tut es - und hält die Hand auf. Zwischen Weinen und Lachen wünscht man Wadjda alles Glück.

2015 ließ Regisseurin Haifaa Al Mansour ihrem erfolgreichen Film "Das Mädchen Wadjda" den Roman folgen, der sich eng an den Film anlehnt.

Name der Sendung Das Mädchen Wadjda
Sendedatum 08.03.2016
Sender ARD
Sendezeit 22:45:00
Genre Drama
Filmbewertung ausgezeichnet
Genre Drama
Filmname Das Mädchen Wadjda
Originaltitel Wadjda
Regisseur Haifaa Al Mansour
Schauspieler Waad Mohammed
Schauspieler Reem Abdullah
Schauspieler Abdullrahman Al Gohani
Entstehungszeitraum 2012
Land D / KSA

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