Interview mit Krimi-Schauspieler

Astrid M. Fünderich: Kommissarin auf Lebenszeit

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Astrid M. Fünderich erzählt im Interview über ihre Rolle als SOKO-Kommissarin und die Sympathie für ihre neue Heimat Stuttgart.

Astrid M. Fünderich ist seit 2009 das Gesicht der Hauptkommissarin Martina Seiffert in „SOKO Stuttgart“. Die Stuttgarter „SOKO“ ermittelt seit 2009 in der Schwabenmetropole. Am 6. Oktober läuft im ZDF bereits die achte Staffel (immer donnerstags, 18.00 Uhr) an. Mit einem Novum: Die Story taucht tief ins Privatleben der Hauptkommissarin Martina Seiffert ein.

Astrid M. Fünderich (53) verkörpert in „SOKO Stuttgart“ die Kommissarin mit dem kühlen Kopf. Im Interview erklärt die Rheinländerin, warum Stuttgart ihrer Meinung nach oft unterschätzt wird und wie sie selbst sich im „Ländle“ eingewöhnt hat.

nordbuzz: In der ersten Folge der neuen Staffel küssen Sie eine Frau und verlieben sich in sie. - Wie war das?

Astrid M. Fünderich: Wir haben letztes Jahr zum ersten Mal versucht, eine sogenannte „Horizontale“ einzubauen. In meinem Fall hat das jetzt tatsächlich etwas mit Betten zu tun... (lacht) Aber eigentlich bedeutet eine Horizontale nur eine waagerechte Erzählweise.

nordbuzz: Was heißt das im konkreten Fall noch?

Fünderich: Über mehrere Folgen hinweg wird Martina Seifferts Privatleben beleuchtet. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich endlich einen Ehemann bekommen habe. Bisher war er nicht besetzt, wir haben immer nur telefoniert. Jetzt habe ich Stephan Schad als Richard Seiffert an meiner Seite. Daneben gibt es eben eine junge Journalistin, Paula Voss, gespielt von Anne Werner, die in SOKO-Kreisen auftaucht und lesbisch ist. Sie findet Martina Seiffert interessant und bringt sie in die größte Bredouille. Bei einem Gespräch in der Zelle kommt es dann tatsächlich zu einem Kuss zwischen Paula und Martina, der sie sehr verwirrt.

nordbuzz: Martina Seiffert betrügt ihren Mann - mit einer Frau! - Ist das nicht zu viel für die „SOKO“-Zuschauer?

Fünderich: Ich bin sehr gespannt, wie das Publikum auf die Geschichte reagiert. Das alles ist ja sehr weit außerhalb von Martina Seifferts üblicher Erlebenswelt und somit wohl auch außerhalb der Erlebenswelt der meisten Zuschauers. Aber ich finde das Thema durchaus wichtig. Homosexualität, Bisexualität oder was auch immer für eine Sexualität in alle Richtungen sollte selbstverständlich sein. Es ist für mich etwas völlig Normales, mit Homosexuellen zu arbeiten, zu leben und als Freunde zu haben. Ich finde es sehr gut, dass wir das Thema ins Fernsehen bringen, um es einfach noch ein bisschen selbstverständlicher zu machen.

„Es wird nie langweilig"

nordbuzz: Sie jagen nun schon seit sieben Jahren Verbrecher in Stuttgart. Mal ehrlich: Ist das immer noch spannend?

Fünderich: Ich saß jetzt schon unzählige Male im Vernehmungsraum und habe so oft gefragt: „Wo waren Sie gestern Nachmittag?“, aber jedes Mal antwortet jemand anderes. Es wird nie langweilig. Wobei ich das gar nicht gedacht hätte. Ich habe ja schon bei vielen Serien mitgespielt, aber nie so lange. Und dann ist da auch noch Stuttgart: Es ist immer wieder spannend, in was für Häuser man kommt, welche Ecken man entdeckt, in die man sonst nie gekommen wäre. Es macht einfach immer noch Spaß.

nordbuzz: Sie bleiben also erst einmal der TV-Kommissarin treu? Sie scheinen ja wie gemacht zu sein für diese Rolle...

Fünderich: Ja, wenn ich aussteigen sollte, - was ich nicht vorhabe, aber vielleicht bekomme ich doch mal zu viele Falten (lacht) -, wird es schwierig für viele, mich in einer anderen Rolle zu sehen. Ich gerate über so eine Arbeit mit Sicherheit in eine Schublade. Aber ich muss ehrlich sagen: Ich freue mich über die Rolle und denke gar nicht daran, was danach kommt. Wahrscheinlich entspreche ich einfach einem bestimmten Typen. Schauen Sie mich an, und denken Sie sich: Bayerische Bäuerin? Wahrscheinlich nicht. Ich denke, es ist das, was ich ausstrahle, wenn man mich spontan sieht. Da fällt den Leuten ein: Journalistin, Rechtsanwältin, Ärztin, Kommissarin ...

nordbuzz: Wieviel haben Sie mit Martina Seiffert gemeinsam?

Fünderich: Sie ist wirklich eine sehr souveräne Person, die mit Bedacht, Verstand und kühlem Kopf, aber auch Herz ihr Team führt. Ich wünschte mir, ich hätte mehr was davon! Ich selber bin viel chaotischer und unstrukturierter.

nordbuzz: Zu Hause geben Sie also nicht den Ton an?

Fünderich: Das würde ich nicht so sagen. Ich bin Mutter, und in dem Fall bin ich natürlich die Chefin. Wobei ich meine Zweifel habe, ob mein Sohn das auch immer so sieht. Und was meinen Mann angeht: Das versuchen wir gleichberechtigt zu regeln. Da weiß mal der eine den Weg, mal der andere.

„Schwäbisch ist so wunderbar maulfaul“

nordbuzz: Findet Ihr zehnjähriger Sohn es eigentlich cool, dass seine Mama Fernsehkommissarin ist?

Fünderich: Er findet es irritierend, wenn Leute nach Autogrammen fragen, aber mein Beruf ist für ihn nichts Besonderes. Ein Job eben! Für ihn sind das auch tatsächlich zwei Personen. Letztens ist er mit ans Set gekommen. Als ich in der Maske fertig war, meinte er zu mir: „Ah Mama, jetzt bist du Martina Seiffert!“

nordbuzz: Sie sind mit Ihrer Familie wegen des „SOKO“-Engagements extra nach Stuttgart gezogen. Eine gute Wahl?

Fünderich: Unbedingt. Es gefällt uns nach wie vor wirklich gut. Wir kommen mit den Leuten unglaublich gut klar - sowohl mit „Neigschmegdn“ (Schwäbisch für Zugezogene, d. Red.) als auch mit Eingeborenen.

nordbuzz: Neigschmegde? Sind sie etwa schon selbst zur Schwäbin geworden?

Fünderich: Das rutscht einem immer wieder ein bisschen raus, weil Schwäbisch so wunderbar maulfaul ist. „Was gibsch?“ oder solche Sachen passieren dann schon mal. Aber ich bin keine Schwäbin. Mein Sohn schon eher! Der übernimmt das aus der Schule.

nordbuzz: Und was macht Stuttgart als Krimistadt attraktiv?

Fünderich: Es ist vielleicht ein bisschen wie Skandinavien, wo die Kriminalitätsrate so wahnsinnig gering ist. Außerdem glaube ich, die Leute kennen die Stadt einfach nicht im Rest von Deutschland. Insofern ist es vielleicht ganz interessant zu sehen, dass es da im Südwesten so eine Großstadt gibt, die man nicht auf dem Schirm hat. Bevor ich nach Stuttgart gezogen bin, wusste ich nur, dass das irgendwo zwischen Köln und München liegt. Abgesehen davon ist Stuttgart auch architektonisch eine attraktive Stadt, viel Altbau, alter Bestand, dann aber unglaublich moderne Architektur. Einzigartig sind auch die vielen Schräglagen oder die „Stäffele“.

nordbuzz: Man hört schon raus, dass Sie sich richtig gut eingelebt haben ...

Fünderich: Ja, das heißt ja wirklich Stäffele, kein Mensch sagt Staffel oder Treppen. Manchmal sage ich Dinge, von denen ich gar nicht weiß, wie sie im Hochdeutschen heißen: Wie sagt man zum Beispiel „Veschper“?

nordbuzz: Sie drehen von Februar bis November - klingt nach Knochenjob. Bleibt da noch viel Zeit für Privates?

Fünderich: Ich kann mich nicht beschweren. Es gibt Phasen mit wenig Freizeit, und es gibt Phasen, in denen es okay ist. Dann kann ich mit meiner Familie zu Abend essen und meinen Sohn ins Bett bringen. Manchmal ist das aber auch schwieriger, weil ich abends immer noch für den nächsten Tag lernen muss, und dann kommt eigentlich alles zu kurz.

nordbuzz: Und wie sieht es mit Urlaub aus?

Fünderich: Diesen Sommer hatte ich nur zwei Wochen Urlaub, die wir in Südfrankreich verbracht haben. Bevor unser Sohn in die Schule gekommen ist, sind wir im Winter immer möglichst weit weggefahren. Das geht jetzt natürlich nicht mehr. Die Weltenbummlerin in mir ist aber noch nicht gestorben. Die Träume sind noch da, aber wir haben das ein bisschen reduziert. Im Moment konzentrieren wir uns auf Europa. Ich würde furchtbar gerne nach Island reisen, bevor die Gletscher alle abgeschmolzen sind.

tsch

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