Schauspielerin im Interview

Monika Gruber: „Ich bin für Kinder einfach zu alt“

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Monika Gruber ist ab Donnerstag, 22. September, in „Moni's Grill“ zu sehen (23.30 Uhr, ARD).

Die bayerische Kabarettistin Monika Gruber spricht im Interview über neue Projekte und grenzenlosen Humor.

Monika Gruber ist Schauspielerin, Kabarettistin aber vor allem auch: das (bayerische) Mädchen von nebenan. Ihr treuer Fan-Stamm reicht im Freistaat von arbeitenden Endzwanzigern bis zu Hausfrauen Mitte 50. Seit 2004 füllt sie mit ihren Soloprogrammen die Hallen. Ab Donnerstag, 22. September (23.30 Uhr, ARD), macht die sympathische 45-Jährige nun gemeinsam mit ihren „München 7“-Kolleginnen (neue Folgen ab Mittwoch, 5. Oktober, ARD) Christine Neubauer und Sarah Camp „Moni's Grill“ in der Münchner Innenstadt unsicher. Das Besondere an der neuen Serie ist die Mischung aus fiktionaler Erzählung und Real-Talk. Zu Gast sind unter anderem Prominente wie Komikerin Hella von Sinnen, Schauspieler Elmar Wepper und Ex-Rennrodler Georg Hackl. Doch die quirlige Blondine aus Erding hat noch viel mehr vor. Im Interview spricht Monika Gruber über die Zukunft und über Männer.

nordbuzz: Sie wirken oft wie die Urbayerin schlechthin - gibt's einen bayerischen Begriff, der Sie treffend beschreibt?

Monika Gruber: Hmm, das ist gar nicht so leicht. Ich bin vielleicht krachert!

nordbuzz: Übersetzen Sie das bitte mal!

Gruber: Ich bin laut, präsent, selbstbewusst. Ich scheiß mir nichts. Aber gleichzeitig bin ich auch g'schamig, also das genaue Gegenteil - weil ich mich eben schon hin und wieder genier und mit mir hadere. Ich habe sogar Phasen, in denen ich mir denke, dass ich den Beruf hinschmeißen muss, weil alle anderen das sowieso viel besser können als ich. Wenn ich einen Raum betrete, bin ich oft g'schamig, weil ich mir unsicher bin, wie ich damit umgehen soll, dass die Menschen schon ein vorgefertigtes Bild von mir im Kopf haben. So etwas sollte einem natürlich egal sein, ist es aber meistens nicht.

nordbuzz: Mit 27 sind Sie auf die Schauspielschule gegangen. Wann haben Sie gewusst, dass dieser Beruf genau das Richtige für Sie ist?

Gruber: Eigentlich war's mir immer klar. Aber ich hatte lange nicht den Mumm, dazu zu stehen. Ich wusste einfach nicht, dass jemand wie ich, der vom Bauernhof stammt, auf eine Schauspielschule gehen und den Beruf des Kabarettisten einfach so erlernen kann. Ich dachte, man muss dazu aus einer Künstlerfamilie stammen und irgendwie auf der Straße entdeckt werden oder so ähnlich. Völliger Schwachsinn.

nordbuzz: Und jetzt hängt nicht weniger als die Zukunft des Bayerischen Fernsehens von Ihnen ab. Wissen Sie das?

Gruber: Um Gottes willen, hoffentlich nicht. Warum denn?

„Mir krabbeln solche Dinge den Hals hoch“

nordbuzz: Es ist schließlich eine Weile her, dass der BR mit „München 7“ oder „Irgendwie und Sowieso“ Seriengeschichte schrieb. „Moni's Grill“ könnte jetzt durchaus die Nachfolge antreten ...

Gruber: Das kann ich ehrlich nicht sagen. „Moni's Grill“ ist natürlich etwas ganz Neues. Die Sendung ist ein Hybridformat, eine Mischung aus einem fiktiven Teil und aus einem Talk-Teil, der nicht gescripted ist. Ich glaube, am Anfang besteht durchaus die Gefahr, dass einige Leute fremdeln, weil sie sich denken: „Was ist jetzt das? Jetzt ist da jemand zu Gast und redet mit der Gruber. Ist die Moni dann die von 'Moni's Grill' oder ist das jetzt die Monika Gruber selbst?“ Das war auch für mich am Anfang schwer.

nordbuzz: Was von Ihnen steckt denn in der Rolle der Moni?

Gruber: Zum Beispiel, dass die Moni das Herz auf der Zunge trägt und hin und wieder Sachen raushaut, wo man vielleicht besser noch einmal hätte darüber nachdenken müssen. Doch dazu bin ich einfach zu impulsiv. Ich bin im Bekanntenkreis nicht umsonst als die Königin der Fettnäpfchen berüchtigt. Mir krabbeln solche Dinge den Hals hoch, und wenn's dann da ansteht, muss es einfach heraus.

nordbuzz: Und trotz oder gerade wegen Ihrer Direktheit gelten Sie als beliebteste Kabarettistin in Bayern ...

Gruber: Ach, Dankeschön. Ich schaue jetzt nicht ständig meine eigenen Beliebtheitswerte nach, aber ich freue mich natürlich über Komplimente. Ich kann es manchmal selber nicht glauben, dass so viele mir zuschauen. Mein Papa sagt immer wieder: „Dass Leute sich für Karten bei dir stundenlang anstellen, das verstehe ich ja gar nicht.“ Da antworte ich immer: „Ja Papa, wenn ich von dir abhängig wäre, da wäre ich schon lange verhungert (lacht).“ Aber ich weiß, wie er das meint. Dass Leute wahnsinnig viel auf sich nehmen, um an Karten zu kommen, berührt mich immer noch total. Da gäbe es jetzt nicht so viele Künstler, für die ich das machen würde.

„Ich bin einfach ein Menschenfreund“

nordbuzz: Wie lange mussten Sie sich immer unterhalten, bis bei „Moni's Grill“ tatsächlich ein sendefähiges Gespräch herauskam?

Gruber: Wir setzten uns da kein Limit. Wir haben die jeweiligen Gäste gefragt, was sie so essen möchten, und dann haben wir die Gänge einfach durchlaufen lassen. Am Ende kamen immer zwischen 70 und 90 Minuten Gespräch zusammen. Das war oft schade, weil man sich für die Sendung dann auf zehn Minuten Material beschränken musste und ganz schöne Gesprächsmomente dabei waren, die fürs Endergebnis herausgeschnitten wurden.

nordbuzz: Also gibt's in Zukunft irgendwann die „Monika-Gruber-Talkshow“?

Gruber: Nein, ich bin keine Talkerin. Ich interessiere mich nur für Menschen. Das ist die erste Grundvoraussetzung, die man für meinen Beruf benötigt. Ich bin einfach ein Menschenfreund.

nordbuzz: Es ist ja auch nicht so, dass Sie nicht ohnehin schon gut beschäftigt wären ...

Gruber: Ja, das stimmt natürlich. Ich bin jemand, der andauernd irgendwelche Ideen hat. Wenn ich das eine mache, denke ich schon drüber nach, was es sonst noch zu tun gäbe. Dieser Beruf ist wie ein großer Kinderspielplatz.

nordbuzz: Sie hatten angeblich einmal die Idee, ihr Programm ins Englische zu übersetzen ...

Gruber: Eigentlich wollte ich das Projekt 2017 verwirklichen, aber das Jahr ist schon wieder voll. Das Gute ist: Meinen Beruf kann man mit 55 noch genauso machen, also vielleicht wird's ja doch irgendwann was. Natürlich würden zu mir in England jetzt nicht 300 Leute kommen, sondern vielleicht nur zwölf. Aber das wäre ja auch spannend.

nordbuzz: Funktioniert Ihr Humor überhaupt in einer anderen Sprache?

Gruber: Ich glaube, der englische Humor ist dem bayerischen gar nicht so unähnlich. Der britische Humor ist voll auf die Zwölf und kennt keine Grenzen. So ähnlich wie hier bei uns. Die Engländer machen sich einfach über alles lustig und zuallererst einmal über sich selbst. Diese Selbstironie hat der Bayer auch. Wenn jemand einen guten Schmäh hat, dann überträgt sich das auch auf andere Sprachen. Entweder jemand hat Humor oder jemand hat keinen. Man muss die Sprache, in der man so etwas versucht, natürlich perfekt beherrschen, aber das traue ich mir bei Englisch sogar zu. In meinem beruflichen Vorleben als Fremdsprachensekretärin war die Bürosprache Englisch, also müsste das klappen.

nordbuzz: Stimmt es, dass Sie gerade auch an einem Drehbuch arbeiten?

Gruber: Ja, ich arbeite mit der Autorin Angelika Schwarzhuber zusammen. Dabei geht es um eine Frauenfigur in der Nachkriegszeit, also eine historische Geschichte. Ich habe diese Handlung schon sehr lange im Kopf, aber man muss sich dann tatsächlich auch einmal aufraffen, hinsetzen und einfach machen. Und Angelika Schwarzhuber hilft mir dabei sehr. Wir planen das jetzt einfach einmal fürs Kino. Joseph Vilsmaier ist sehr interessiert an der Geschichte.

„Ich kann einfach nicht aufhören“

nordbuzz: In „Moni's Grill“ mimen Sie als Schauspielerin die klassische Bayerin - hätten Sie nicht einmal Interesse daran, als Kommissarin Gruber im ZDF aufzutreten?

Gruber: Eine Kommissarin werde ich auf gar keinen Fall spielen. Die Krimischwemme in Deutschland finde ich schrecklich. Ich schaue keine Krimis und bin überhaupt kein „Tatort“-Fan. Es gibt bessere Sonntagabend-Beschäftigungen. Aber ich bin tatsächlich bald als Schauspielerin in einem „hochdeutschen“ Film zu sehen und spiele an der Seite von Jan Josef Liefers, Heike Makatsch und Detlef Buck in „Das Pubertier“ mit, der Verfilmung des Jan-Weiler-Buchs. Ende August begannen die Dreharbeiten.

nordbuzz: Bei all den Projekten - kommt noch eine neue Tour? Oder kehren Sie der Bühne doch bald den Rücken?

Gruber: Ab September gehe ich mit dem Österreicher Viktor Gernot auf Duo-Tour, und ab Herbst 2017 möchte ich dann wieder alleine auf der Bühne stehen, in Bayern, Österreich, da wo man mich eben auch versteht (lacht). Es gibt immer so viel, was ich noch erzählen möchte, da kann ich einfach nicht aufhören.

nordbuzz: Sie sind auf der Bühne so erfolgreich, weil Sie es schaffen, den Ton der Menschen zu treffen, sagen die Kritiker. Wie machen Sie das?

Gruber: Ich wohne in Erding, in der Nähe meiner Eltern. Da bewege ich mich weder in irgendwelchen Schicki-Micki-Kreisen, noch hänge ich ständig auf diversen Events, Galas und sonstigen komischen Veranstaltungen herum, weil ich da auch überhaupt Zeit und Lust dazu habe. Mir sind normale Leute als Gesellschaft lieber, und ich bemühe mich eben, diesen Menschen auch wirklich zuzuhören und mich mit ihnen zu unterhalten. Ich bin eine neugierige alte Urschel, wenn ein Ehepaar hinter mir streitet, dann will ich wissen, um was es geht. Das ist eine Berufskrankheit. Die besten Geschichten schreibt das Leben.

nordbuzz: Zum Beispiel?

Gruber: Letztens gab es eine sehr skurrile Situation in der Fußgängerzone. Da kam einer zu mir her und meinte: „Sie, darf ich Sie was fragen: Waren Sie nicht früher einmal die Monika Gruber?“ Darauf habe ich geantwortet: „Ja, aber des ist ganz lange her.“ Ich habe mich halb totgelacht. Solche Begegnungen sind Gold wert.

nordbuzz: Können Sie sich überhaupt noch unter normalen Menschen bewegen?

Gruber: Ja klar. Wenn ich durch München laufe, schauen die wenigsten, so international, wie das hier ist.

nordbuzz: Gibt es trotzdem die ein oder andere Situation, wo die Nähe zum Publikum lästig wird?

Gruber: Was zurzeit sehr nervt, ist die ewige Selfiemacherei. Das alleine ginge ja noch, wenn die Menschen wenigstens anständig fragen würden. Aber entweder sie gehen an dir vorbei und machen einfach ein Foto, während du grade mit deiner Fischsemmel kämpfst, wo hinten die Zwiebeln raushängen und du ausschaust wie ein Volldepp. Oder sie kommen her und sagen: „Selfie?“ Dann antworte ich manchmal: „Guten Abend erst einmal, mein Name ist Monika Gruber, wie ist denn ihr Name?“ Kein Bitte, kein Danke. Durch diese Fixierung aufs Handy werden die Leute anscheinend blöd und benehmen sich wie Autisten. Die Kommunikationsverarmung macht mich tatsächlich traurig.

„Mein perfekter Mann müsste eine Gentleman sein“

nordbuzz: Aber genau so etwas gibt Ihnen ja wieder viel Stoff zum „Lästern“ auf der Bühne ...

Gruber: Ja, stimmt auch wieder. Wenn die Leute sich nicht blöd verhalten, habe ich nichts zum Erzählen.

nordbuzz: Thema Männer - gibt es da Neuigkeiten?

Gruber: Ich bin Single. Mal glücklich, mal weniger glücklich, aber das ist halt so. Ich kann auch gut mit mir alleine zurechtkommen.

nordbuzz: Also gibt es in Zukunft keinen Gruber-Haushalt, mit Mann, Golden Retriever und Kind?

Gruber: Haus habe ich ja. Golden Retriever nicht, weil ich selten daheim bin. Aber Kinder sind endgültig durch. Als mein Neffe mich letztens zu dem Thema befragte, stellte ich klar: „Dazu bräuchte ich erst einmal den passenden Partner.“ Er hat nur leichthin geantwortet: „Dann kaufst du dir halt einen.“ Ich wollte dann von ihm wissen, wo man sich denn einfach so einen Mann kaufen könne. Und was sagt der Bub dazu? „In Landshut, die Mama meint, in Landshut gibt's alles.“ Einfach süß. Aber ich bin für Kinder einfach zu alt.

nordbuzz: Also Kinder sind abgehakt. Aber für Männer sind Sie ja definitiv nicht zu alt, wenn das überhaupt geht. Was bräuchte denn ein echter Monika-Gruber-Mann?

Gruber: Humor ist super wichtig. Außerdem ist es toll, wenn Männer von sich aus erzählen können. Ich bin privat nämlich auch hin und wieder jemand, der lieber zuhört, zum Beispiel, wenn ich am Montag schon meinen Wortkonsum für den Rest der Woche verbraucht habe. Dann muss das Reden jemand anders für mich übernehmen. Außerdem müsste mein perfekter Mann ein Gentleman sein. Das fasziniert und begeistert mich sehr, wenn der Kerl gute Manieren hat.

nordbuzz: Wieso ist das so schwer, einen solchen Mann zu finden?

Gruber: Ich glaube die armen Männer sind durch die Emanzipation und das teils forsche Auftreten der Frauen inzwischen echt oft verunsichert. Die wissen manchmal gar nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen. Man muss die Männer dann auch mal loben und sagen: „Wow, das war wirklich total nett, dass du das jetzt gemacht hast.“ Dann freuen sie sich und machen es vielleicht bei der nächsten Frau wieder. Das ist meine Taktik.

nordbuzz: Sie sind als Frau über 40 auf dem Hoch Ihrer Karriere - wie fühlen Sie sich?

Gruber: 45 ist ein super Alter. Ich habe erst mit Ende 30 so richtig gewusst, wer ich eigentlich bin. Dieser Selbstfindungsprozess hält immer noch an. Ich fühle mich jetzt wohl in meiner Haut, das war nicht immer so. Wir Frauen neigen dazu, immer so überkritisch mit uns selbst zu sein. Es ist die Gesamtheit, die einen Menschen attraktiv macht. Ob dick, dünn, groß, klein, ist dabei nicht so wichtig, Hauptsache man ist einigermaßen gepflegt. Ich hab Frauen in meinem Freundeskreis, die essen gern, die saufen gern, sind lustig, interessieren sich für alles, stehen im Leben, zicken nicht rum, sind unkompliziert. Die sind allesamt wunderbar. Ein offener Charakter macht die Menschen schön. Man muss als Frau in meinem Alter schließlich auch irgendwann einmal mit sich selbst Frieden schließen. Und das habe ich geschafft. Meistens jedenfalls.

tsch

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