Das beste Stück vom Braten - Fr. 22.04 - ARD: 20.15 Uhr

Ein Koch, sein Kritiker und die Tiefenpsychologie

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Der Kritiker und sein Koch: die beiden Streithähne Michi Griesebach (Fritz Karl, links) und Harry Dumont (Herbert Knaup).

Der Restaurantkritiker Harry und Michi, der Sternekoch in spe (Herbert Knaup und Fritz Karl), sind natürliche Feinde - spätestens seitdem sich Michi Harrys Frau nahm.

Die ARD-Komödie "Das beste Stück vom Braten" könnte der augenzwinkernde Abgesang auf sämtliche Kochshows des Fernsehens sein. "Kochen ist Krieg, die Küche ein Schlachtfeld", behauptet der Sternekoch in spe, den Fritz Karl wieder einmal mit seinem unwiderstehlichen Schmäh-Charme spielt. Michi, so heißt der Spitzenkoch, geht zu Werke, als wolle er weniger den ersten Stern als vielmehr sämtliche TV-Kochshows zerschlagen. Lieber als der beste Fraß sind Michi, der soeben ein neues Restaurant eröffnen will, ohnehin die Frauen. Von ihnen versteht er, scheint's, unendlich viel. Mehr jedenfalls als Michis Bruder, der Psychiater ...

Selbst vor der Frau des Restaurantkritikers Harry Dumont hat Michi nicht halt gemacht, und so kommt's, dass sich Harry von ihr trennen will. Harry und Michi sind natürliche Feinde. Was der eine hat, hat der andere nicht. Harry, die "Mutter aller Restaurantkritiker", will Michi immer nur Böses. Herbert Knaup zieht denn auch die Tarnperücke tief ins Gesicht, bevor er sich anschickt, den Feind wieder mal "niederzuschreiben".

Wer aber nun auf einen schönen Zweikampf zwischen Kochkünstler und Kritiker hofft, wird sanft enttäuscht. Bald sieht man Harry von Michis Bruder Volker (Martin Brambach) in den Hintergrund gedrängt. Es geht dann sehr philosophisch darum, wie sich ein rechter Mann verhält, und ob sich hinter dem Sex-Kraftprotz Michi nicht doch einfach ein Waschlappen mit Minderwertigkeitskomplexen verbergen mag.

Der Zufall will es, dass Volker, der Psychiater, ins Auto läuft und deshalb Michi in dessen Praxis die Blumen gießen muss. Während Martin Brambach als Volker auf seine unwiderstehliche Art im Krankenhaus die Patienten mit psychologischen Ergüssen unterhält, empfängt Michi beim Gießen den Anruf einer Hilfe suchenden Dame, die sich ausgerechnet als Harrys Tochter Helene (Christina Hecke) entpuppt. Klar, dass Michi sofort die Chance, den Psychiater zu spielen, ergreift - und auf umwerfende Weise bei Helene landet.

Nicht, dass hier aber ganz alleine das Hohelied des Machismo gesungen würde: Vielmehr werden nun die verständnislosen Väter nach vorne geschoben, die Harry und Michi zu gleichen Teilen gegenüber ihren Töchtern sind. Helene hatte als Kind auf den Gourmetfahrten der Eltern durch Frankreich viel zu leiden. Michis vernachlässigte Tochter leider desgleichen.

Ein bisschen zu verzweifelt werden hier Geschlechterpsychologie und Kochmetaphern in Parallele gesetzt. Das Drehbuch (Annette Simon und Guy Meredith) ist - wie auch Michael Rowitz' Regie - stets um Hochtourigkeit bemüht und versucht nebenbei auch allerlei verbale Grenzen zu sprengen. Doch so recht geht der Hefeteig nicht auf - die Pointe fehlt. Viele Gänge, kein Menü. Starke Besetzung und viele einzelne Ideen. Allein, es fehlt die letzte Leichtigkeit.

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