Eine saubere Naht

Zweite Staffel: „The Knick“

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Tut's noch weh? Auch in der zweiten „The Knick“-Staffel zeichnet sich Dr. Thackery (Clive Owen) durch große Experimentierfreude aus.

Unverändert erstklassig: Die zweite Staffel von Steven Soderberghs Arztserie „The Knick“ knüpft inhaltlich, stilistisch und qualitativ direkt an die grandiose Auftaktseason an.

Man sah es zuletzt bei der ersten „True Detective“-Staffel mit Cary Joji Fukunaga, bei „Stranger Things“ mit den Duffer-Brüdern oder auch bei der Auftaktseason von „The Knick“ mit Steven Soderbergh: Wenn die Regie für eine Serie immer in denselben Händen liegt, prägt das ein Projekt ganz entscheidend. Nicht selten wird erst durch diese Konstante echte Klasse erreicht. Auch in der zweiten „The Knick“-Staffel, die jetzt auf DVD und Blu-ray Disc erscheint, gab Oscarpreisträger Soderbergh das Zepter - oder besser: das Skalpell - nicht aus der Hand. Das Ergebnis: Das um 1900 angesiedelte Historienformat um ein New Yorker Spital bleibt in den zehn neuen Folgen ein Serien-Ereignis der Spitzenklasse.

Eine eigenwillig-unterkühlte Optik, futuristische Elektro-Rhythmen, die immer wieder aufgegriffen werden und sich über mehrere Episoden aufbauen, das Tempo und der Schnitt: Staffel 2 ist stilistisch ein perfektes Abziehbild des ersten Durchgangs. Als Ganzes betrachtet, ist „The Knick“ ein Hochglanz-Produkt wie aus einem Guss - eine Qualität, die man im großen Zeitalter der Serien doch nur bei ganz wenigen Formaten findet.

Inhaltlich verläuft der Übergang ebenfalls nahtlos. Die letzte Staffel endete mit der Einlieferung des kokainsüchtigen Chirurgen Dr. John Thackery (Clive Owen) in ein Heim für Irre und Junkies, die erste Folge der Fortsetzung erzählt kurze Zeit später von seiner Rückkehr ins Knickerbocker-Hospital. Inzwischen ist der ehemalige Chefarzt der neuen Wunderdroge Heroin verfallen, doch nach einem kalten Entzug möchte er wieder arbeiten - nicht im OP, sondern in der Forschung. Thackery will beweisen, was auch die angesehensten Mediziner anno 1901 als absoluten Stuss betrachten: dass Drogensucht nicht einfach die Folge moralischer Degeneration ist, sondern eine Krankheit.

Eine weitere Parallele zur ersten Staffel und ein Hauptgrund dafür, dass „The Knick“ sich jedem Vergleich mit herkömmlichen Arztserien entzieht: Die Geschichten der einzelnen Akteure, von eingebildeten Chefärzten bis zum lumpigen Fahrer des neuerdings motorisierten Krankenwagens, werden virtuos mit dem historischen Kontext verwoben. So muss Schwester Harriet (Cara Seymour) einsitzen, weil sie gotteslästerliche Abtreibungen durchführte, während Dr. Algernon Edwards (André Holland) eine innovative Methode erprobt, sein nach und nach erblindendes Auge zu kurieren - eine Szene, bei der man sich vor dem Fernseher beinahe übergeben möchte.

All das inszeniert Soderbergh mit großer Raffinesse. Dabei ist er nicht der Einzige, der hier brilliert. Er kann sich erneut auf gute Drehbücher und durchgehend sehr gute Darsteller stützen - Clive Owen, wird mancher sagen, übertrifft seine Leistung aus Staffel 1 sogar noch. Eine dritte Staffel der Cinemaxx-Serie befindet sich übrigens bereits in Planung. Welche Rolle Steven Soderbergh dabei spielen wird, ist noch unklar. Er hat bereits einen Abnabelungsprozess angedeutet.

Auch als Video-on-Demand erhältlich.

tsch

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