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Mit anderen Ansätzen: So ist der neue „Ben Hur“

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Hundert Millionen Dollar soll dieser „Ben Hur“ gekostet haben. Wer ihn sieht, erkennt, dass für eine solche Summe heutzutage wohl keine Superproduktion mehr zu stemmen ist. Zu ärmlich sind die Special Effects. Aber aus der Not lässt sich eine Tugend machen. Oder ist es Absicht, dass endlich einmal wieder der Einzelne und nicht nur das Massenspektakel zählt?

Geradezu brutal konsequent zeigen Regisseur Timur Bekmambetow und sein Kameramann Oliver Wood die Seeschlacht, in den Vorgänger-Verfilmungen ein Schwelgen in Totalen, nur aus den Augen des Titelhelden im Galeerensklaventrakt. Ergreifend genug ist das allemal. Doch die Neuadaption von Lewis Wallaces Historienschinken kettet sich so eng an den Helden, dass die große Geste einfach fehlt.

Ein ganz neuer Ansatz

Bereits die ersten Minuten machen klar, dass die Drehbuchautoren Keith R. Clarke und John Ridley mit einem ganz anderen Ansatz zu Werke gehen als ihre Kollegen bei den Leinwandversionen von 1925 und 1959. Sie schildern den Handlungsort, Jerusalem um 30 nach Christi Geburt, in naturalistischem Detail, mit Jesus als Zimmermann mitten unter dem Volke. Vor allem aber lehren sie zunächst, nicht mit dem Helden zu fühlen, sondern mit seinem späteren Widersacher. Tag und Nacht wacht Messala Severus (Toby Kebbell) am Krankenbett seines brüderlichen Freundes Judah Ben-Hur (Jack Huston), der nach einem schweren Reitunfall lange bewusstlos ist.

Als kleiner römischer Junge einst von der adligen jüdischen Familie Ben-Hur adoptiert, sucht Messala als junger Erwachsener seinen eigenen Weg zurück nach Rom und macht Karriere als Soldat. Judah indes heiratet seine Jugendliebe Esther (Nazanin Boniadi) und führt ein unbeschwertes Leben - wäre da nicht die Sympathie seiner Frau für die Verfolgten der römischen Besatzung und die Lehre eines Mannes namens Jesus. Messala trifft als militärischer Kommandeur im Unruheherd Jerusalem ein. Er bittet Judah um Unterstützung bei der Unterdrückung der Opposition, doch der will sich aus der Politik heraushalten. Als die Ben-Hurs eines Attentats auf den Präfekten bezichtigt werden, lässt Messala zu, dass Judahs Mutter und Schwester verschleppt und er selbst zum Galeerensklaven gemacht wird.

Anders als die pompösen und kitschigen Vorlagen

„Ben Hur“ lässt nicht nur die Schwarz-Weiß-Zeichnung des Messala hinter sich, sondern auch den pompösen Kitsch, mit dem die Romanvorlage und die beiden anderen Hollywood-Fassungen Judah Glück im Unglück widerfahren und nach Rom gelangen lassen, weil er den Kapitän des Galeerenschiffs edel rettet. Stattdessen erscheint die Ruderfront als die menschenverachtende Einrichtung, die sie nun mal war. Anders gewendet wird Judah noch amerikanischer, als er sich immer schon gab: Seine Rettung von dem Höllenschiff verdankt er fast nur sich selbst. Die nächste Lektion, dass er Herr seines Schicksals ist, erhält er von dem reichen Afrikaner Ilderim (Morgan Freeman). Der arrangiert ein Wagenrennen, mit dem Judah Revanche an Messala nehmen kann.

So viel Tüchtigkeit, aber auch so viel Verständnis für das Leid des Menschen geht nicht ohne Verluste ab. Der Monumentalfilm braucht eine alles überwältigende Botschaft, um sein Publikum zu gewinnen. Daran scheitert „Ben Hur“, und er will es auch. Nicht einmal das Bekehrungserlebnis, für den Stoff obligatorisch, ändert daran etwas. Ein großartiger Jack Huston holt die Kraft seiner Figur zum Überleben und zur Vergebung ganz aus ihr selbst.

Von Andreas Günther

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