I Saw The Light

Kein Licht, nirgends

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Der eine ein aufstrebender Hollywood-Star, der andere eine Country-Legende: Tom Hiddleston verkörpert in „I Saw The Light“ Hank Williams.

Der Countrymusiker Hank Williams gilt heute als einer der größten Songschreiber des 20. Jahrhunderts. Warum das so ist, darauf weiß „I Saw The Light“ keine Antwort.

Sie weiß nicht, woher er das haben soll, räumt Hank Williams' Mutter Lillie (Cherry Jones) autofahrend ein. Dieses Talent, gottgegeben - ein Attest, das im Süden der USA in weiten Kreisen fix ausgestellt ist. Hank selbst, gespielt von Tom Hiddleston, katert gerade aus, döst auf der Rückbank und zuckt nicht mal mit der Augenbraue. Eine Haltung und Einstellung, die auch der Zuschauer von „I Saw The Light“ (2015) bald einnimmt. Ein Biopic ohne große Momente, ohne genaues Ziel und vor allem ohne die Magie der Musik, die eine solche Produktion zu tragen vermag. Kinowürden wurden dem Film hierzulande verwehrt; das Drama erscheint direkt auf DVD, BD und als Video-on-Demand.

Hank Williams starb im Alter von 29 Jahren. Schon lange war er Alkoholiker, sonstigen Drogen und gerade Schmerzmitteln, die er vor allem wegen eines erst spät richtig diagnostizierten Rückenleidens einnahm, nicht abgeneigt. Trotzdem schossen seine Country- und Honky-Tonk-Schlager reihenweise an die Spitze der Charts. Millionen von Amerikanern versammelten sich vor den Fernsehgeräten, wenn der Junge aus Alabama in Nashvilles Institution Grand Ole Opry aufspielte. Einsam beschrieb er sich in seinen Liedern („I'm So Lonesome I Could Cry“), liebeskrank („Lovesick Blues“) und betrogen („Your Cheatin' Heart“). All das war Hank Williams wohl auch. Doch „I Saw The Light“ kann das nur spärlich herausarbeiten.

In den Extras der BD-Ausgabe kommt Hiddleston zu Wort, der sich begeistert ob der Chance zeigt, eine solche Legende auf die Mattscheibe zu bringen. Das schafft er auch, da gibt es kein Vertun. Man sieht, wie sich der Brite in die Südstaaten hereinarbeitet, dem 1953 verstorbenen Musiker Ausdruck verleiht und ihn unter seinen „Dämonen“ leiden lässt. Besonders Letzteres sei auch das Ziel der Filmbiografie, erklärt er weiter. Doch Marc Abraham, Drehbuchautor und Regisseur von „I Saw The Light“, verliert dabei jeden gespannten Faden.

Einzig der turbulenten Ehe mit Audrey (Elizabeth Olsen) wird der Film gerecht. Das Zusammenspiel von Hiddleston und Olsen ist aufreibend, ihre Streits und anschließenden Versöhnungen sind einnehmend. Zwar lässt die Erzählung immer wieder offen, warum die beiden sich überhaupt in den Haaren haben - ob das beabsichtigt ist, darf bezweifelt werden. Doch hilft die Zankerei zumindest zeitweise über die sonstige Unausgegorenheit hinweg. Die beiden werfen sich gegenseitig vor, untreu zu sein, nur Vorteile aus der Ehe ziehen zu wollen - einen Blick hinter die Anschuldigungen verwehrt das Biopic.

Genauso wie es nicht zu erklären vermag, warum Hank Williams als einer der größten Sänger und Songschreiber des 20. Jahrhunderts angesehen wird. Das ist wohl das Ärgerlichste an der ganzen Geschichte: Die Musik und das Talent des Protagonisten bleiben auf der Strecke. Abraham springt von einer Lebensanekdote zur nächsten, zeigt Williams lieber 15-mal betrunken und depressiv denn als vielschichtige Person. Einzelne Charakterzüge werden in einzelnen Episoden abgefertigt und als selbstverständlich verkauft. Hiddleston, der selbst den Gesang übernahm, kann einem da schon leidtun. Noch mehr die vielzähligen Nebenakteure, die gesichtslos bleiben und die man von einer Szene auf die nächste schon wieder vergessen hat.

tsch

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