Kino-Star im Interview

Matt Damon: „Vielleicht muss Bourne die Welt vor Trump retten“

+
Wenn Agenten altern: „Beim ersten Film war ich 29, jetzt bin ich 45. Alles ist anstrengender geworden“, gibt Matt Damon über seine bekannteste Rolle zu.

Die Fans wollte es so: Matt Damon ist als „Jason Bourne“ ab 11. August zurück im Kino. Schon zum vierten Mal sucht er nach seiner Vergangenheit. Und wieder verschlägt es die ehemalige CIA-Killermaschine nach Berlin - für ein kurzes Intermezzo mit einem Hacker, der die Welt über die dunklen Machenschaften der Geheimdienste aufklären will.

Matt Damon selbst hat die Rückkehr sehr genossen, wie er gut gelaunt und redselig im Interview verrät, bevor er sich ernsthafte Gedanken über seine Zukunft als Schauspieler und über die Zukunft einer Welt macht, die sich rasend schnell verändert und in der Donald Trump bald US-Präsident sein könnte.

nordbuzz: Sie scheinen von Berlin nicht genug zu bekommen ...

Matt Damon: Wir haben dieses Mal leider weniger als eine Woche in Berlin gedreht: Schnell rein, schnell wieder raus. Dabei liebe ich Berlin. Während der Dreharbeiten zum zweiten „Bourne“-Film habe ich vier oder fünf Monate hier gelebt. Ich glaube in 50 Jahren werden die Leute mit Stolz sagen: Ich war zur Jahrtausendwende in Berlin! Hier passiert so viel. Nicht umsonst sind wir immer wieder zurückgekommen.

nordbuzz: Was macht Berlin so interessant für die „Bourne“-Filme?

Damon: Für den aktuellen Film schien es die einzig logische Wahl zu sein, wo der Hacker, den Bourne trifft, leben könnte - wegen der Gesetzeslage in Deutschland und der Hacker-Community in der Stadt. Bei den anderen Filmen ging es auch darum, dass die Infrastruktur für große Produktionen hervorragend ist und dass wir hier die idealen Motive fanden. Wir drehten hier sogar die Szenen, die in Moskau spielten. Okay, die Berliner haben im Kino darüber wahrscheinlich gelacht ...

nordbuzz: Haben Sie noch Kontakt zu Franke Potente, mit der Sie die ersten beiden „Bourne“-Filme drehten?

Damon: Leider nicht. Aber das ist der Lauf der Dinge im Filmgeschäft. Man erlebt eine wunderbare Zeit zusammen, und dann trennen sich die Wege. Ich weiß aber, dass sie eine Familie gegründet hat. Ich wünsche ihr alles Gute und wenn ich an sie denke, sind das schöne Erinnerungen. Aber ich habe sie lange nicht gesehen.

„Wir hatten keine Story“

nordbuzz: Jason Bourne verlangt Ihnen als Schauspieler körperlich eine Menge ab: Ist das mit der Zeit anstrengender geworden?

Damon: Natürlich. Beim ersten Film war ich 29, jetzt bin ich 45. Alles ist anstrengender geworden. Ich liebe es aus ganzem Herzen, Filme zu machen. Aber ich kann mir mittlerweile sehr gut Jobs hinter der Kamera vorstellen. Ich mag mich einfach nicht mehr sehen. (lacht) Filme werde ich immer machen, aber bei der Schauspielerei könnte ich mich etwas zurückzunehmen.

nordbuzz: Wie motivieren Sie sich für die körperlichen Herausforderungen?

Damon: Paul (Greengrass, Regisseur, Anm.d.Red) sagte zu mir recht früh in der Vorproduktionsphase: Wenn wir Jason Bourne auferstehen lassen, dann muss in der ersten Einstellung zu sehen sein, dass es ihm in den letzten zehn Jahren nicht allzu gut ging. Damit zeigen wir, dass wir es ernst meinen und dass wir das Publikum ernst nehmen. Das war meine Motivation, jeden Tag zweimal ins Fitnessstudio zu gehen - was ich sonst nie machen würde. Ich fühle mich wohl in meiner Haut.

nordbuzz: Wann haben Sie zum ersten Mal gedacht, dass es nach dem „Bourne Ultimatum“ vielleicht voreilig war, Bourne in Rente zu schicken?

Damon: Wir haben im Lauf der Jahre immer mal wieder über Bourne geredet, waren allerdings skeptisch, dass es einen weiteren Film geben würde. Aber es kamen letztlich so viele Leute auf uns zu, dass wir gar keine andere Wahl hatten, als ihn auferstehen zu lassen. Ich habe genügend Filme gemacht, die niemand sehen wollte: Glauben Sie mir, ich weiß wie selten und wundervoll es ist, dass es offenbar eine treue Fangemeinde gibt, die auf einen neuen Film wartet.

nordbuzz: Warum hat es dann so lange gedauert?

Damon: Ganz einfach: Wir hatten keine Story! Wir wussten nicht, was wir erzählen sollten. Allerdings hatte das Studio einen Vertrag mit den Erben von Robert Ludlum: Es musste 2012 unbedingt ein „Bourne“-Film in die Kinos kommen. Den konnten wir einfach nicht liefern. Deswegen wurde das Franchise erweitert, und es gab den Film mit Jeremy Renner.

„Vielleicht muss Bourne die Welt vor Trump retten“

nordbuzz: Wie fanden Sie die Idee, einen Konkurrenten zu bekommen?

Damon: Mir wurde es damals so erklärt: „Stell Dir vor, es gibt die 'X-Men' und das Spin-Off 'Wolverine'. Wir haben bereits 'Wolverine' gedreht - nun bauen wir das 'X-Men'-Universum drumherum. Es gibt andere CIA-Programme mit anderen Agenten, was die 'Bourne'-Reihe unabhängiger von Paul und mir macht.“ Ich kann verstehen, dass Universal ganz angetan war von der Idee, die Reihe zu erweitern: „Bourne“ ist nicht „Bond“, den es seit 50 Jahren mit unterschiedlichen Darstellern gibt und wo man nicht alle Filme gesehen haben muss, um den aktuellen zu verstehen.

nordbuzz: Dafür hat „Bourne“ aber eine größere Relevanz und ist stärker in der echten Welt verhaftet ...

Damon: Wir wollten immer aktuell sein, obwohl wir natürlich eine Hyper-Realität erschaffen, die es so auch nicht gibt. Trotzdem zeigen wir eine Welt, die das Publikum kennt. Deswegen haben wir uns mit dem vierten Film auch so schwer getan. In der ersten Trilogie ging es vor allem um die Ära Bush, um den Krieg gegen den Terror. Deswegen haben wir Waterboarding thematisiert, und deswegen spielten die großen Actionszenen in Madrid, London und New York - den Städten, die von Anschlägen betroffen waren.

nordbuzz: Die Welt hat sich seitdem massiv verändert ...

Damon: Richtig, sie muss mit anderen Problemen fertig werden. Deswegen beginnt „Jason Bourne“ an der griechisch-mazedonischen Grenze, deswegen gibt es die gewaltsamen Proteste gegen Sparmaßnahmen in Athen, und deswegen geht es am Ende um den Konflikt zwischen Datenschutz und Sicherheit. All das gab es 2007 nicht: Ich war erstaunt, was in weniger als einer Dekade alles passiert ist. Aus kleinen Social-Media-Buden sind transnationale Konzerne geworden, Edward Snowden hat die Arbeit der Geheimdienste enthüllt, uns ist bewusst geworden, was man alles aus unsere Daten lernen kann.

„Die Leute haben uns eines Schlechteren belehrt“

nordbuzz: Schreiben Sie eigentlich E-Mails?

Damon: Doch, doch. Wirklich. Aber die sind ziemlich langweilig. Ich verweigere mich dem digitalen Leben nicht: Ich bin mit meinem Smartphone genauso verwachsen wie alle anderen Menschen. Allerdings kann ich mit Social Media nichts anfangen, ich twittere nicht und habe auch kein Facebook-Profil.

nordbuzz: Wussten Sie vor dem Film, was man alles hacken kann?

Damon: Damit kenne ich mich nicht sehr aus. Ich las allerdings mal einen Artikel in der „New York Times“: Eine alte Dame hat sich darin für ein Experiment hacken lassen. Danach erklärten die Hacker und ein Journalist dann erklärt, welche Daten sie abgreifen und wie sie damit ihr Leben kontrollieren können. Es war beängstigend. Allerdings nicht so beängstigend wie die Erkenntnis, dass egal wo sie sich einhackten: Es war immer schon jemand vor ihnen da.

nordbuzz: Wann gibt es denn die nächsten Teile der neuen „Jason Bourne“-Trilogie?

Damon: Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht einmal, ob es einen zweiten Teil gibt. Das liegt an Paul, und er wird erstmal noch mindestens zwei andere Filme machen. Danach schauen wir mal, was die Zeit so bringt und ob Jason Bourne die Welt vielleicht vor Donald Trump retten muss. (lacht)

nordbuzz: Das hört sich jetzt ein bisschen witzig an ... Wie besorgt sind Sie denn wirklich?

Damon: Sehr. Vor allem nach dem Brexit. Niemand konnte sich vorstellen, dass der Brexit wirklich passiert. Und dann haben uns die Leute eines Schlechteren belehrt. Das macht den Aufstieg von Donald Trump noch beängstigender. Auf der ganzen Welt gewinnen die Rechtsaußen an Einfluss - das ist hier nicht anders als bei uns.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren