Forsaken

John Henry, Wildwest-Waschlappen

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Namhaft besetzt: Das Western-Drama „Forsaken“ von Regisseur Jon Cassar („24“) will mit zwei Sutherlands und Demi Moore punkten.

Spannende Konstellation: Kiefer Sutherland drehte mit Vater Donald und „24“-Stammregisseur Jon Cassar das Western-Drama „Forsaken“.

Donald und Kiefer Sutherland zusammen in einem Film, wann hat es das zuletzt gegeben? Es ist erstaunlich lange her: 1996 war es, also vor Kiefers Aufstieg zum „24“-Star, im Justizthriller „Die Jury“. Knapp zwei Jahrzehnte später haben die beiden wieder für ein gemeinsames Projekt zusammengefunden. In der Heimkino-Premiere „Forsaken“ (2015), ein Western-Drama, dürfen sie sogar Vater und Sohn spielen. Die seit einer gefühlten Ewigkeit von der Bildfläche verschwundene Demi Moore ist auch dabei. Eine Konstellation wie diese weckt natürlich Erwartungen. Umso mehr, weil Jon Cassar auf dem Regiestuhl saß: Er inszenierte 58 Episoden des gefeierten Echtzeit-Thrillers „24“, kennt Kiefer Sutherland also wie seine eigene Westentasche. Was soll da noch schiefgehen?

Das erste Aufeinandertreffen von Kiefer und Donald Sutherland ist durchaus denkwürdig: „Deine Mutter ist gestorben“, begrüßt der mürrische Reverend William Clayton (Donald) seinen nach vielen Jahren heimgekehrten Sohn John Henry (Kiefer). Dann dreht er sich um, geht zurück ins Haus und lässt den betreten dreinschauenden Sprössling draußen stehen.

John Henry wird in „Forsaken“ noch öfter dumm aus der Wäsche schauen. Etwa, wenn Mary Alice (Demi Moore) ihm erklärt, dass sie nicht mehr warten wollte und einen anderen Mann geheiratet hat, oder wenn John Henry von den Raufbolden verprügelt wird, die sich in der Stadt um den niederträchtigen James McCurdy (Brian Cox) scharren. Oft genug aber auch, weil Kiefer Sutherland mit seiner Rolle nicht viel anzufangen weiß. „Ich war fertig mit dem Töten, aber das Töten nicht mir mir“, deutet der Bürgerkriegs-Veteran eine düstere Vergangenheit an. John Henry möchte kein Revolverheld mehr sein, sondern sich lieber mit seinem Papa versöhnen und das Feld bestellen. Mutter hätte es so gewollt.

Angelegt ist die Figur des John Henry als die eines Mannes im Wandel, der fortan gewaltfrei leben und dabei aufrecht stehen will, was im Wilden Westen natürlich schwierig ist. Kiefer Sutherland jedoch interpretiert ihn über weite Strecken als einen vertrockneten Waschlappen. Zumindest bis zur finalen Auseinandersetzung mit McCurdy und seinen Schergen.

Wo der eine Sutherland an seine Grenzen stößt, wirkt der andere unterfordert. Donald Sutherland hat kaum Gelegenheit, sein Können aufblitzen zu lassen. Schauspielerisch jedenfalls begegnen sich Vater und Sohn nicht auf Augenhöhe. So gerät „Forsaken“ zu einer verkorksten Mischung aus Porträt und Beziehungsdrama, einem platten Rührstück vor halbscharig inszenierter Wildwest-Kulisse. Kiefer Sutherland und Jon Cassar sollen lange davon geträumt haben, gemeinsam einen Western zu drehen. Dieser Traum, muss man sagen, wäre besser ein solcher geblieben.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.

tsch

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