Wie der neue Sender kabel eins Doku auf Zuschauerfang geht

„Jeden Abend ein klares Doku-Versprechen“

+
„Wir wollen Deutschlands bester Doku-Channel werden“: Annika de Buhr vertritt diesen Anspruch als Moderatorin vor der Kamera. Senderchef Thorsten Pütsch zieht dahinter die Strippen.

Der jüngste Spross der ProSiebenSAT.1-Senderfamilie kabel eins Doku geht am Donnerstag, 22. September, an der Start und muss sich auf einem hart umkämpften Markt behaupten. Deswegen gibt's zum Auftakt ein attraktives Programm mit vielen Erstausstrahlungen.

Die Luken dicht: Jeder, der täglich gerne sein Fernsehgerät im Wohnzimmer einschaltet, muss nicht nur damit rechnen, dass er angesichts der wachsenden Beliebtheit von Streaming-Diensten und Rund-um-die-Uhr-Abrufmöglichkeiten auf Smartphones und Tablets zu einer eher konservativen, traditionsgeprägten Zuschauerschaft zählt. Er muss sich auch damit abfinden, dass er von den Fernsehverantwortlichen als „Zielgruppe“ beäugt und entsprechend klassifiziert wird. Der am Donnerstag, 22. September, neu startende Sender kabel eins Doku, der jüngste Spross der ProSiebenSAT.1-Familie, ist da keine Ausnahme. Senderchef Thorsten Pütsch hofft darauf, eine der letzten noch verfügbaren Nischen im überbordenden Gesamtangebot der deutschen TV-Landschaft gefunden zu haben. Und er spekuliert darauf, dass tatsächlich möglichst viele 40- bis 64-jährige Männer - das ist nämlich seine „Kernzielgruppe“ - mit ihm aufs Western-Pferd steigen wollen.

„Wir wollen Deutschlands bester Doku-Channel werden!“ - Das hat sich der ehrgeizige TV-Manager als Ziel für kabel eins Doku gesetzt. Mit dem Neustart möchte seine Senderfamilie neben ProSieben (jüngere, eher männliche Zuschauer), SAT.1 (breites, vorwiegend weibliches Publikum), kabel eins (etwas reifere Zuschauer), aber auch den kleineren Ablegern wie Sixx (Frauen), SAT.1 Gold (eher ältere Frauen) und ProSieben MAXX (erneut eher jüngere Männer) eine der letzten Lücken schließen. „In unserer Sendergruppe ist es bisher gut gelungen, das Lebensgefühl neuer Zielgruppen anzusprechen. Diesen erfolgreichen Weg gehen wir jetzt auch bei kabel eins Doku“, sagt Thorsten Pütsch.

Deswegen setzt kabel eins Doku auf eine Themenpalette, die zumindest aus Sicht der Verantwortlichen eher bei den älteren, glücklicherweise auch noch sehr fernsehinteressierten und zudem kaufkräftigen sowie für entsprechende Werbebotschaften aufgeschlossenen männlichen Zuschauern ankommen sollte. Der neue Sender steht ganz im Zeichen von Dokumentationen und Reportagen - „von Geschichte über Real Crime bis zu Natur und Technik“, sagt Pütsch. Und wer ohnehin vom klassischen kabel eins-Angebot kommt, das lange Zeit auch mal für kernige Western-Helden stand, sollte sich doch gleich über die Deutschland-Premiere der Doku-Reihe „Der Wilde Westen - Die wahre Geschichte“, von und mit Robert Redford, freuen. Hoch zu Ross geht es gleich am Start-Abend, donnerstags, um 20.15 Uhr, damit los.

Anders als im Vorfeld zu befürchten war, setzt kabel eins Doku tatsächlich - zumindest in der wichtigen Startphase - auf viel frische Inhalte, darunter einige international erfolgreiche Formate in deutscher Erstausstrahlung. Für das laufende Jahr hat Pütsch über 630 Stunden neues Lizenz-Programm, darunter zu 75 Prozent Free-TV-Premieren und Sendungen, die noch gar nicht im deutschen Fernsehen zu sehen waren, eingekauft. Dazu zählt die mit immerhin vier der begehrten Emmy-Preise ausgezeichnete Reihe „Anthony Bourdain - Kulinarische Abenteuer“. Den exzentrischen, allen Geschmacksrichtungen aufgeschlossenen Küchen-Entdecker, der bereits Präsident Barack Obama zu Tisch lud, zieht es rund um die Welt - unter anderem nach Myanamar, Libyen, Peru oder in den Kongo. Seine Reihe wird ab Freitag, 22. September, täglich jeweils um 16.20 Uhr, zu sehen sein.

Um dem Sender ein eigenes Gesicht zu geben, geht kabel eins Doku auch mit einer Eigenproduktion an den Start: Das von Annika de Buhr moderierte Format „Das Doku Magazin - täglich mehr verstehen“ soll die Themenvielfalt des Dokumentarischen in einer Sendung abbilden. Fünfmal pro Woche widmet sich die TV-Journalistin aktuellen Themen aus Gesellschaft, Geschichte und Wissenschaft - für immerhin eine Stunde Sendezeit. Vollmundig lobt Thorsten Pütsch das neue Angebot, das er als „einzigartig in der deutschen Senderlandschaft sieht“. Immerhin erfülle kabel eins Doku „jeden Abend ein klares Doku-Versprechen“.

Zur besten Sendezeit setzt der Neustart dabei auf feste, gut wiedererkennbare Programmplätze. Das ist wichtig, um sich auf dem Konkurrenzmarkt zu behaupten, der längst nicht mehr nur das klassische lineare Fernsehen und auch viele, meist sehr klar positionierte Pay-TV-Dokusender umfasst. Montags geht es dabei laut Thorsten Pütsch um die Themen „Natur & Technik“ - unter anderem mit der flämischen Reihe „Reisen auf eigene Gefahr“, die erstmalig im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird. Dienstag stehen „Reporter & Geschichten“ im Zentrum, unter anderem auch mit sogenannten „True Crime“-Formaten und Reportagen aus dem Hause Spiegel TV.

Der Mittwoch ist ähnlich eingefärbt und steht zur Primetime unter dem Motto „Täter & Opfer“, unter anderem mit der am 28. September startenden Echte-Fälle-Ermittlerreihe „Fatales Vertrauen - Dem Mörder so nah“. Donnerstags dreht sich abends programmlich alles um „Mythen & Legenden“, freitags um „Helden & Taten“, samstags um „Macht & Mächte“. Und den umkämpften Sonntagabend - man denke nur an die ARD-„Tatort“-Reihe im Ersten - möchte Thorsten Pütsch mit „Katastrophen & Schicksalen“ bestreiten. Hier kommt dann unter anderem die Flugzeug-Absturzreihe „Mayday - Alarm im Cockpit“ als Free-TV-Premiere zum Einsatz.

Ausgestrahlt wird kabel eins Doku über alle relevanten Verbreitungswege - über Satellit, digitales Kabel und IPTV sowie über das Internet unter kabeleinsdoku.de. Wer sich für kabel eins Doku interessiert, sollte schon bald einen neuen Sendersuchlauf starten - das Programm ist bundesweit kostenlos und unverschlüsselt zu empfangen. Hürden vor den Zugang zum Programm darf Thorsten Pütsch nämlich nicht aufbauen, schon gar nicht, da seit einiger Zeit der N24-Dokuableger mit einem ähnlich gelagerten Programmangebot auf die Jagd nach den aufgeschlossenen, etwas reiferen Zuschauern geht.

Schwarzmalerei kann sich ein Senderchef da sowieso nicht erlauben. Er schätzt die Überlebenschancen für seinen Neuling erwartungsgemäß gut ein. Um konkrete Zahlen, welche Marktanteile realistisch sind, drückt er sich allerdings herum. Nur soviel: „Wir sehen definitiv Potenzial bei Zuschauern, die sich für das Genre Dokumentation interessieren“, sagt Thorsten Pütsch. „Die zahlreichen Wettbewerber unterstreichen die Relevanz dieses Genres in Deutschland.“ So kann man es auch sehen.

tsch

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren