Lena Urzendowsky

„Ich wusste genau, was ich geben muss“

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Die erst 16-jährige Lena Urzendowsky hat ihre erste Hauptrolle im ARD-Drama „Das weiße Kaninchen“ über sexuellen Missbrauch von Minderjährigen mit Bravour gemeistert.

Das ARD-Drama „Das weiße Kaninchen“ über den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen und die Gefahren des Internets gehört zu den Höhepunkten im diesjährigen Herbstprogramm und dürfte für Gesprächsstoff sorgen (nicht nur im Anschluss bei „Maischberger“). Die Hauptrolle spielt die erst 16-jährige Lena Urzendowsky.

Nein, fürs ewige Chatten und Surfen habe sie wenig Zeit und Lust, versichert Lena Urzendowsky. Zu viel anderes zu tun - schauspielen, für die Schule lernen, auf Castings gehen oder einfach mal nur abhängen, wie andere 16-Jährige eben auch. Bald dürfte es mit der Ruhe dann endgültig vorbei sein: Im ARD-Drama „Das weiße Kaninchen“ (Mittwoch, 28.9., 20.15 Uhr) spielt sie die Hauptrolle - eine Schülerin, die von einem Chatfreund mit offenherzigen Fotos erpresst wird. Es geht um Cybergrooming und sexuellen Missbrauch, und bestimmt hätte sie sich auch einfachere Themen für ihren ersten großen Auftritt im Fernsehen aussuchen können. Für sie war es jedoch „ein Volltreffer - weil die Rolle so intensiv ist, und das ist natürlich das, was man als Schauspielerin möchte“. Lena Urzendowsky arbeitet schon länger auf dieses Ziel hin - und hat es ganz ohne ihren berühmten Bruder Sebastian geschafft.

„Ich habe das allein in die Hand genommen“, sagt Lena Urzendowsky. Um die erforderliche Dreherfahrung vorweisen zu können, fragte sie bei einem Regisseur an, ob er nicht zwei kleine Filmszenen mit ihr aufnehmen könne. So ging alles los. Lenas Bruder, der Schauspieler Sebastian Urzendowsky („Der Turm“, „Paul is dead“, „Die Fälscher“), kann also stolz sein auf seine jüngere Schwester, die ihre erste Hauptrolle mit Bravour gemeistert hat - eine schwierige obendrein. Sebastian ist 15 Jahre älter als sie und war „in der Zeit, in der die Erinnerungen anfangen“, längst von zu Hause ausgezogen. „Aber jetzt ist das Verhältnis ganz eng zu ihm, er ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben!“

Am Set des Films „Das weiße Kaninchen“ fühlte Lena Urzendowsky sich immer gut aufgehoben. „Ich hatte keine Angst davor, etwas falsch zu machen.“ Regisseur Florian Schwarz hat jede Szene vorher mit ihr intensiv durchgesprochen. Auch zu ihren Schauspielkollegen Devid Striesow und Louis Hofmann hat sie ein gutes Verhältnis aufgebaut. „Ich wusste genau, was ich geben muss.“ Über das Ende des Films haben sie natürlich ebenfalls gesprochen: „Der Regisseur hat es ganz anders interpretiert als ich, was ich lustig finde: Wir drehen den selben Film mit zwei völlig unterschiedlichen Auflösungen!“

Es fiel Lena Urzendowsky nicht schwer, sich in die 13-jährige, manchmal etwas naive und unsichere Sara hineinzuversetzen. „Ich hätte mich zwar von Grund auf anders verhalten als sie, konnte aber alle ihre Handlungen gut nachvollziehen.“ Recht anstrengend fand sie die körperlichen Szenen - und das Weinen. „Nach einigen Takes hatte ich irgendwann keine Energie mehr. Am Set habe ich das noch nicht gemerkt, bei der ganzen Anspannung, die volle Konzentration verlangt. Aber wenn ich nach einen solchen Drehtag abends nach Hause kam, war ich platter als ich dachte.“ Sogar das schwierige Verhältnis zur Filmmutter zu spielen sei ihr nicht schwergefallen, obwohl sie sich mit ihren eigenen Eltern gut versteht. Ihre Mutter Jeannette übrigens ist selbst Theaterschauspielerin und eine bekannte Sängerin in Berlin („Chanson-Nette“). Sie weiß also, was es bedeutet, Schauspielerin zu sein.

Von Cybergrooming, der onlinebasierten Anbahnung des sexuellen Missbrauchs eines Kindes, hatte Lena Urzendowsky vor dem Projekt noch nie etwas gehört. Sie sei kein großer Verfechter von Social Media und sehe sich nicht als starke Nutzerin, wie sie versichert. „Bisher habe ich auch nicht die Dringlichkeit gesehen, mich mehr mit Facebook oder Instagram zu beschäftigen, obwohl so ein bisschen Surfen auch ganz lustig sein kann.“ Durch den Film sei sie gegenüber bestimmten Bereichen von Social Media etwas skeptischer geworden. Bei Freundschaftsanfragen von Leuten auf Facebook beispielsweise, die sie persönlich nicht kenne. Angst vor dem Internet und seinen Gefahren habe sie aber nicht, sagt Lena Urzendowsky.

Ihr engster Freundeskreis weiß auch ohne Facebook inzwischen ganz gut, an welchen Projekten sie arbeitet. „Früher habe ich nicht darüber geredet, weil ich nicht als arrogant abgestempelt werden wollte“, erklärt Lena Urzendowsky. „Irgendwann haben sie mir dann gesagt, dass es genau umgekehrt sei.“ Es steht auch schon die nächste Hauptrolle an, und sie hat auch bereits im neuen „Usedom“-Krimi mitgespielt und eine kleine Rolle im „Gladbeck“-Drama, das gerade produziert wird. Und die Schule natürlich. Wobei: „Ich würde eine tolle Rolle nicht ausschlagen, nur wegen der Schule. Dann wiederhole ich lieber ein Jahr. Die Schauspielerei ist einfach meine große Leidenschaft und sehr wichtig für mich.“ Es gibt aber auch andere Sachen, die sie sich in Zukunft vorstellen kann. „Philosophie zum Beispiel. Ich habe große Lust, das zu studieren.“

tsch

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