Rea Garvey

"Ich will kein Sofa-Kritiker sein"

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Rea Garvey (43) moderiert eine neue Musik-Show auf ProSieben. In "Musicshake" performen Gäste wie OneRepublic, Joris und Anna Loos Songs, die ihr Leben geprägt haben. "Ich will ganz einfach großartige Musik hören und machen. Meine Gäste bieten mir durch ihre Interpretationen Unikate an, etwas, das man so nicht woanders bekommt", so Garvey.

Ein gut gelaunter Rea Garvey spricht im Interview über Musik, Castingshows und Gott.

Es läuft bei Rea Garvey. Bis vor kurzem war der gebürtige Ire noch als Coach bei "The Voice of Germany" tätig, jetzt bekommt der 43-Jährige auf ProSieben eine eigene Musik-Show. In "Musicshake by Rea Garvey" (Donnerstag, 26. Mai, 20.15 Uhr) performen Stargäste wie OneRepublic, Joris und Silly-Sängerin Anna Loos Songs, die ihr Leben geprägt haben: Vom peinlichsten Lieblingslied bis zum idealen Trost-Soundtrack ist alles dabei. Bisher ist allerdings nur eine Ausgabe der Show geplant. Im Interview verrät der ehemalige Reamonn-Sänger gut gelaunt, wie es sich anfühlt, eine eigene TV-Show zu bekommen, warum Formate wie "Musicshake" wichtig sind und wem der größte Dank in seinem Leben gilt.

teleschau: Sie sagten einmal: "Deutsches Fernsehen braucht mehr Musik." Warum?

Rea Garvey: Mir fehlt das einfach, ist ja klar, ich bin schließlich Musiker. Aber ich kann mich wirklich erinnern, dass ich mit meiner ersten Single damals von einer Musik-Show zur nächsten gezogen bin und tagelang verschiedene Shows gespielt habe. Das gibt's heute nicht mehr. Das fühlt sich an, als hätte man etwas amputiert. Die Musiklandschaft kann sich nicht mehr repräsentieren, aber die Musik ist da, ich weiß es.

teleschau: Warum gibt es denn nicht mehr so viele Musiksendungen?

Garvey: Im Fernsehen beschließt die Quote, was gemacht wird. Gerade die, die Kultur zeigen wollen, haben oft nicht die Chance dazu. Ich war immer ein Riesenfan von Musik-Shows. Als ich ein Teenager war habe ich die gebraucht, um meine Musik zu finden. Ich glaube, dass solche Shows wie "The Voice" oder "Sing meinen Song" zeigen, dass das Interesse durchaus noch da ist.

teleschau: Machen Sie deshalb mit "Musicshake" jetzt eine ganz eigene Musik-Show?

Garvey: Wenn mich was stört, versuche ich, etwas zu verändern. Das war auch schon bei "The Voice" so. Ich fand das Konzept super, war aber sehr kritisch gegenüber Castingshows. Deshalb wollte ich ein Teil des Versuchs sein, Castingshows positiv zu verändern. Bei "Musicshake" ist es das gleiche. Ich will versuchen, eine Show zu machen, bei der die Musik im Mittelpunkt steht. Durch die vielen Medien fehlt den Menschen heutzutage oft der Hintergrund zur Musik. Sie hören im Radio ein tolles Lied, und dann ist es ganz plötzlich wieder verschwunden, auf irgendeiner Playlist oder irgendeinem Streamingportal. Ich finde das schade. Ich will oft mehr über diese Musiker wissen. Das ist der Gedanke hinter "Musicshake": dass man näher an die Musiker herankommt und durch Gespräche mehr über sie erfährt.

teleschau: OneRepublic, Anna Loos und Joris sind mit dabei und performen Songs aus ihrem "Soundtrack des Lebens". Was für eine Art Show soll "Musicshake" also werden?

Garvey: Es wird die größte Musik-Talkshow in Deutschland. Einfach weil es keine andere gibt (lacht). Wenn man solche Weltstars wie Ryan Tedder, den Sänger von One Republic, holt, und wenn der erzählt, welches Lied ihn besonders inspiriert hat, dann will man auch hören, wie er den Song interpretiert. Ich erzähle auch von meinen Lieblingssongs und "guilty pleasures" und performe selbst auf der Bühne. Ich will ganz einfach großartige Musik hören und machen. Meine Gäste bieten mir durch ihre Interpretationen Unikate an, etwas, das man so nicht woanders bekommt. Jeder hat ja so seinen eigenen "Hero-Song", und ich will diese Lieder so hören, wie sie in den Köpfen und Herzen meiner Gäste klingen.

teleschau: Wollen Sie mit "Musicshake" einen Gegensatz zu Formaten wie "DSDS" darstellen?

Garvey: Aus Karma-Gründen möchte ich keine anderen Shows angreifen. Ich will kein Sofa-Kritiker sein, das ist nicht meine Art. Ich will der aktive Kritiker sein. Wenn ich etwas nicht gut finde, dann versuche ich selbst etwas zu ändern, anstatt auf dem Sofa zu sitzen und andere zu kritisieren. Das hilft niemandem. Wenn ich Erfolg damit habe, dann kommen vielleicht auch andere mit neuen Ideen daher. Das Beste, was der Musik passieren kann, ist eine gewisse Konkurrenz zu schaffen. Manche sagen, dass das Fernsehen tot ist. Ich glaube aber, dass Fernsehen auch in Zeiten des Internets die einzige Plattform ist, wo man wirklich etwas Neues probieren kann und die Menschen erreicht.

teleschau: Sie waren bei "The Voice" ein absoluter Sympathieträger ...

Garvey: Ich bin jemand, der gerne den Mund aufmacht, und der auch viel zu sagen hat. Ich bin einfach ehrlich und nicht gut darin, meine Emotionen zu verbergen. Bei "The Voice" hatte ich immer viel Spaß und habe mich nie verstellen müssen.

teleschau: Trotzdem war es jetzt an der Zeit, eine Pause einzulegen ...

Garvey: "The Voice" ist wie ein schneller Zug. Man kann immer wieder ein- und aussteigen. Die Fahrt geht trotzdem weiter. Ich habe der Show gut getan, weil ich Spaß daran hatte. Aber meine Nachfolger werden das auch super machen.

teleschau: Sie waren als Juror bei "The Voice" Teil eines Teams. Wie fühlt es sich an, jetzt eine eigene Show zu bekommen?

Garvey: Wenn ich den Flur entlanggehe und da steht fett der Name meiner Show an der Tür, da bekomme ich schon Gänsehaut. Aber ich habe wenig in meinem Leben alleine erreicht. Ich hatte immer ein Team um mich und bin so froh, dass es diese Menschen gibt. Ich kenne meine Stärken und weiß, was ich selber kann. Aber ich weiß auch, dass ich die Menschen um mich herum trotzdem brauche. Man muss nicht alles alleine schaffen.

teleschau: Sind Sie ein Teamplayer?

Garvey: Mir macht es immer Spaß, mit anderen zusammenzuarbeiten. Auch bei "Musicshake" bin ich nur einer von vielen. Die Idee kommt von mir und meiner Frau. Wir haben das zusammen entwickelt. Meine Aufgabe als Gastgeber in der Show ist es jetzt, dass alle nach Hause gehen und sagen: Hey, das hat Spaß gemacht.

teleschau: Wem gilt der größte Dank?

Garvey: Dem lieben Gott (lacht). Ich habe ein schönes Leben.

teleschau: Bis jetzt ist nur eine Ausgabe "Musicshake" geplant. Wovon hängt es ab, ob noch mehr Sendungen produziert werden?

Garvey: Vom Erfolg (lacht).

teleschau: Also doch wieder nur von der schnöden Quote?

Garvey: Nicht nur, auch der Inhalt ist wichtig. Wenn der Sender sieht, dass das eine Show ist, an die man glauben kann, ist das gut. Ich kann nur mein Bestes geben.

teleschau: Wie entstand das Format? Viele weisen auf eine gewisse Ähnlichkeit zur Konkurrenzveranstaltung "Sing meinen Song" hin ...

Garvey: Ich liebe das (lacht). Wie können Menschen etwas vergleichen, obwohl sie die Sendung noch gar nicht gesehen haben? Kritik wird immer kommen. Meine Aufgabe ist es, die beste Show zu machen, die ich machen kann. Ich habe eine Show entworfen, die sehr besonders, neu, spannend, unterhaltsam und musikalisch ist. Erst anschauen, dann urteilen!

teleschau: Sie waren Sänger bei Reamonn, Coach bei "The Voice", machen alleine Musik, gehen im Sommer auf Tour und haben jetzt noch eine eigene Show: Ihnen gehen nie die Ideen aus. Machen Sie denn auch einmal Pause von der Musik?

Garvey: Nein, warum sollte ich? Ich liebe Musik. Das strengt mich nicht an. Ich habe den Luxus, in meinem Leben machen zu können, was mir Freude bereitet. Natürlich ist das harte Arbeit, aber ich liebe es. Das ist der Sinn des Lebens, das Leben zu genießen. Von mir bekommt man immer mehr als 100 Prozent. Den Rest lege ich in die Hände von Gott.

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