Schwimmstar im Interview

Franziska van Almsick: „Mir geht es darum, Leben zu retten“

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Auch Jahre nach ihrem Karriereende bleibt Franziska van Almsicks Element das Wasser: In „Findet Dorie“ ist sie als „Lautsprecherstimme“ zu hören.

Franziska van Almsick schwebt in „Findet Dorie“ über den Dingen und ist froh, dass sie als Synchronsprecherin keine hässliche Qualle spielen muss.

Dass Franziska van Almsick (38) in „Findet Dorie“ (Kinostart: 29. September) eine Sprechrolle übernimmt, ist irgendwie logisch. Schließlich gehört die ehemalige Weltklasseschwimmerin wie ein Fisch ins Wasser. Auch wenn Franziska van Almsick mittlerweile gar nicht mehr so gerne ins Schwimmbad geht - weil sie dort einfach nicht entspannen kann. Das macht sie lieber mit ihren Söhnen, die als Trickfilmfans schon zum zweiten Mal in einem Pixar-Film die Stimme ihrer Mama hören können, die in gewisser Weise über den Dingen schwebt.

nordbuzz: Sie haben zwei Söhne: Schauen Sie sich „Findet Dorie“ gemeinsam an?

Franziska van Almsick: Ja klar. Das haben wir sogar schon gemacht. Sie lieben Trickfilme. Zur Zeit ist „Die Monster AG“ ganz groß. Aber das wechselt immer mal. Die Jungs schauen sich Filme immer 15, 20 Mal an. Aber das sind immer „Jungsfilme“. Ich könnte ja auch mal „Die Schöne und das Biest“ gucken - aber das ist bei meinen Jungs nicht so angesagt.

nordbuzz: Hatten Sie selbst „Findet Nemo“ gesehen, bevor Sie für die Rolle angefragt wurden?

van Almsick: Ich kannte den Film, allerdings kann ich mich nicht daran erinnern, ob ich extra ins Kino gegangen bin. Als er vor 13 Jahren rauskam, war ich noch als Schwimmerin aktiv. Ich erinnere mich gut daran, dass ich die Unterwasserwelt spektakulär fand. Mit meiner Affinität zum Wasser musste ich mir den Film natürlich ansehen. Wenn man dann Kinder hat, sieht man so einen Film dann auch öfter. Dass die Mutter am Anfang gleich weg ist, war natürlich nicht einfach.

nordbuzz: Wie haben Sie Ihren Kindern die Situation erklärt?

van Almsick: Am Anfang kann man das gar nicht erklären. Mein Großer fand das ziemlich entsetzlich, wir haben „Findet Nemo“ beim ersten Mal auch nicht zu Ende geschaut. Aber das wurde besser: Der Film ist ja auch sehr lustig.

nordbuzz: Wie kamen Sie denn überhaupt zu diesem Projekt?

van Almsick: Ich arbeite mit Disney bei dem Projekt „Deutschland schwimmt“ zusammen - und in diesem Zusammenhang bot man mir die Sprechrolle an. Ich bin sehr froh darüber, weil es einfach toll ist, in so einem großen Film mitzumachen. Auch wenn es nur ein kleiner Part ist.

nordbuzz: Man fragte sich im Vorfeld, welchen Fisch Sie wohl sprechen würden ...

van Almsick: ... und dann bin ich eine Lautsprecheransage.

nordbuzz: Hat Ihnen das gefallen? Oder wären Sie doch lieber ein Fisch im Wasser gewesen?

van Almsick: Als ich die Anfrage für „Findet Dorie“ bekam, freute ich mich natürlich. Aber ich fragte auch gleich: „Was bin ich denn für ein Fisch? Wenn ich so eine hässliche Qualle bin, würde ich's mir ja nochmal überlegen ...“ (lacht). Ein faules dickes Tier am Meeresgrund hätte ich aus meiner Persönlichkeit heraus vielleicht schwerer ertragen.

nordbuzz: Zum Glück wurde es dann die Lautsprecherstimme.

van Almsick: Das war etwas ganz anderes, als ich erwartet hatte. Vor allem, weil ich meinen eigenen Namen benutze und irgendwie über den Dingen stehe. Irgendwie ist das aber ganz treffend, weil ich als ehemalige Athletin Vorbild für viele junge Schwimmer bin. Außerdem werde ich auch älter, habe mittlerweile selber Kinder und stecke in einer Erklärrolle. Dass ich auch im Film Anweisungen geben kann, wie „Licht an, Licht aus.“ passt also ganz gut zu meinem Leben. Das war bei meiner ersten Disney-Sprechrolle ähnlich: In „Cars“ spielte ich eine Reporterin und habe zu der Zeit für RTL bei der „Formel 1“ gearbeitet.

nordbuzz: Eröffnet sich da eine neue Karriereperspektive?

van Almsick: Ach was. Ich lass mich einfach überraschen. Es macht immer sehr viel Spaß, und es ist immer schön, wenn man die Möglichkeit hat, viele verschiedene Sachen machen und sich austoben zu können. Das genieße ich sehr. Die Chance haben nicht viele.

nordbuzz: Als Stimme vom „Meeresbiologischen Institut“: Was haben Sie denn für eine Beziehung zu den Ozeanen?

van Almsick: Die ist mittlerweile besser geworden, als sie ursprünglich war. Früher mochte ich es überhaupt nicht, im Meer zu schwimmen. Mittlerweile bin ich weniger im Pool und öfter mal im Meer, auch weil ich aus dem Training raus bin. Ich gehe wirklich selten schwimmen: Wenn ich in ein Schwimmbecken steige, dann ziehe ich meine Bahnen.

nordbuzz: Legt sich da automatisch ein Trainingsschalter um?

van Almsick: Ja. Ich kann auch nichts dagegen tun, obwohl ich gar nicht mehr trainieren will. Aber ich kann einfach nicht langsam schwimmen. Planschen kann ich aber auch nicht: Ich bin nicht die Maus, die da auf der Luftmatratze rumlümmelt. Deswegen ist das Meer mittlerweile ideal: Es ist einfach entspannter, ein bisschen im freien Wasser zu schwimmen.

nordbuzz: Aber Sie meiden Schwimmbäder nicht wie der Teufel das Weihwasser?

van Almsick: Nein, auf gar keinen Fall. Zumal ja die Jungs schwimmen „müssen“. Da lasse ich auch nicht mit mir reden.

„Mir geht es nicht um den nächsten Olympiasieger, mir geht es darum, Leben zu retten“

nordbuzz: Als Leistungssport?

van Almsick: Das nicht. Dafür haben sie zu viele andere Interessen. Aber sie müssen schwimmen lernen. Ich setze mich ja im Rahmen der Kampagne „Deutschland schwimmt“ dafür ein, dass in Deutschland jedes Kind schwimmen lernt. Da sind meine Kinder bestimmt nicht die Ausnahme. Ich sage beim Thema „Schwimmen“ immer: Wir sind nicht bei „Wünsch Dir was“. Mir geht es nicht um den nächsten Olympiasieger, mir geht es darum, Leben zu retten. Wenn Du nicht schwimmen kannst, kannst Du sterben. Allein wenn Kinder eine Klassenfahrt machen, ist es für mich als Mutter wichtig zu wissen, dass meine Kinder schwimmen können.

nordbuzz: Können die Kinder heutzutage wirklich nicht mehr schwimmen?

van Almsick: Die Menschen schauen immer ganz verstört, wenn man dieses Thema anspricht: Jeder geht davon aus, dass die Kinder automatisch schwimmen lernen. Das tun sie aber nicht. Es gibt mittlerweile viel weniger Schwimmunterricht an Schulen: Und wenn, dann steht ein Lehrer mit 30 Kindern am Beckenrand. Vor allem in den ländlichen Regionen gibt es oftmals gar keine Infrastruktur mehr, und nicht jeder kann es sich leisten, Schwimmkurse zu bezahlen. Das ist eine fatale Entwicklung. Natürlich hoffe ich, dass so ein Film wie „Findet Dorie“, der zeigt, wie schön das Wasser ist, ein wenig Aufmerksamkeit auf das Thema lenkt.

nordbuzz: Vielleicht klappt es ja dann mal wieder mit einer Olympiamedaille ...

van Almsick: Wenn das mal so einfach wäre. In Rio hat jeder getan, was er konnte. Ganz so dramatisch, wie es im Nachhinein dargestellt wurde, fand ich es jetzt gar nicht. Ein paar Medaillen wurden ganz knapp verpasst. Da hat das nötige Quäntchen Glück gefehlt.

nordbuzz: Trotzdem wurde die Ziele nicht erreicht.

van Almsick: Klar, wir wollten eine Medaille. Das ganze Team kann sich verbessern, keine Frage. Aber wir hatten einige Bestzeiten dabei, und ich wehre mich vehement dagegen, dem Schwimmverband vorzuwerfen, dass er abgesoffen wäre. Es ist ein grundlegendes Problem, dass wir vierte, fünfte, sechste Plätze in Deutschland nicht würdigen. Wir sollten es öfter wie Dorie halten und sagen „Einfach schwimmen, einfach schwimmen.“ Irgendwann gibt es auch wieder eine Medaille.

tsch

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