Aline von Drateln

"Ich hatte nie Vorbilder"

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"Nichts beflügelt mich mehr, als wenn ich merke, dass die Zuschauer reagieren und gut finden, was ich sage und tue": Sky-Moderatorin Aline von Drateln fiebert dem Bayerischen Fernsehpreis entgegen. Sky überträgt am 3. Juni unverschlüsselt.

Wenn am Freitag, 3. Juni, der Bayerische Fernsehpreis vergeben wird, ist erstmals Sky für die (unverschlüsselte) Übertragung der Gala im Prinzregententheater in München zuständig. Moderatorin Aline von Drateln verrät, wie sie dem großen Tag entgegenfiebert ...

Als Moderatorin des Sky-Formats "Kinopolis" ist Aline von Drateln viel unterwegs. Sie besucht Festivals, spricht mit den größten Stars dieser Welt und stellt Woche für Woche die neuesten Kinofilme vor. Am Freitag, 3. Juni, 20.15 Uhr, moderiert sie zusammen mit Sebastian Hellmann den 28. Bayerischen Fernsehpreis im Prinzregententheater in München, da Sky in diesem Jahr zum ersten Mal die traditionsreiche TV-Gala übertragen wird - unverschlüsselt. Im Interview spricht von Drateln über das Gefühl, vor so vielen Menschen auf der Bühne zu stehen, die Suche nach dem perfekten Abendkleid und warum ihre Kinder glauben, dass sie am Flughafen arbeitet.

teleschau: Frau von Drateln, am 3. Juni moderieren Sie die Verleihung des Bayerischen Fernsehpreises in München. Worauf dürfen wir uns freuen?

Aline von Drateln: Das wird keine One-Woman-Show werden, denn ich führe ja gemeinsam mit meinem lieben Kollegen Sebastian Hellman durch den Abend! Für meinen Part gilt: Ich sehe meine Aufgabe darin, den Preisträgern eine Bühne zu bieten und vor allem auch meinen Sender Sky zu repräsentieren. Am Ende stehe ich aber auf der Bühne und bin für jedes Wort selbst verantwortlich.

teleschau: Außer dem Deutschen Schauspielerpreis in Berlin haben sie bislang keine ähnlich große Veranstaltung moderiert. Macht es einen Unterschied, ob Sie auf der Bühne vor 500 oder vor 5.000 Zuschauern stehen?

Aline von Drateln: Das werden wir sehen. Nichts beflügelt mich mehr, als wenn ich merke, dass die Zuschauer reagieren und gut finden, was ich sage und tue. Ich stehe schon lange vor der Kamera, und dort ist es recht einsam. Man freut sich über einen guten Witz und blickt dann doch immer nur in das Auge der Kamera - das ist etwas anderes, als vor großem Publikum zu stehen.

teleschau: Der Bayerische Fernsehpreis wird von der Bayerischen Staatsregierung verliehen. Spüren Sie im Vorfeld den Einfluss der Politik?

Aline von Drateln: Wenn es diesen gibt, dann haben sie es so gut verschleiert, dass ich es nicht gemerkt habe (lacht). Was mich aber schon jetzt positiv überrascht hat, ist, dass der Bayerische Fernsehpreis immer von unterschiedlichen Sendern präsentiert werden darf. Allein dadurch beweist Bayern seine Vielfältigkeit. Daher freuen wir uns von Sky natürlich, dass wir zeigen können, dass wir in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und kein elitärer Fußballsender sind. Wir werden immer größer und stehen längst in einer Reihe mit den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern.

teleschau: Zu dieser Außendarstellung des Senders leisten Sie als Moderatorin von "Kinopolis" einen wichtigen Beitrag. Das Format hebt sich schließlich deutlich von König Fußball ab.

Aline von Drateln: Zum Glück! Denn von Sport habe ich überhaupt keine Ahnung. Meine Freunde haben sich alle schlappgelacht, als sie vor rund drei Jahren gehört haben, dass ich jetzt für Sky arbeite. Sie dachten, es müsse etwas mit Sport zu tun haben. Bis ihnen klar wurde, dass Sky auch andere Standbeine hat: den Film zum Beispiel.

teleschau: Haben Sie Vorbilder für die Moderation?

Aline von Drateln: Ich bin in einem Lehrerhaushalt aufgewachsen und gehöre zu den Kindern, die ohne Fernsehen groß geworden sind. Ich hatte nie Vorbilder. Wenn sich die anderen Kinder auf dem Schulhof übers Fernsehen unterhalten haben und in diesen oder jenen verliebt waren, konnte ich nie mitreden. Das hat sich bis heute gehalten, was durchaus Vorteile hat. Ich versuche niemanden zu kopieren, sondern mache immer mein eigenes Ding.

teleschau: Als Mann findet man es immer wieder faszinierend, wie wichtig für viele die Mode bei solchen Veranstaltungen wie dem Bayerischen Fernsehpreis ist ...

Aline von Drateln: Auch mich fasziniert das, glauben sie mir (lacht).

teleschau: Seit wann sind Sie damit beschäftigt, die passende Garderobe für den Abend auszusuchen?

Aline von Drateln: Es gibt im Vorfeld viele Anfragen und Designer, die mir ihre Kleider anbieten. Es ist einfach herrlich, wenn es an der Tür klingelt und die Abendkleider angeliefert werden, während ich die ganze Zeit damit beschäftigt bin, die Kinder und die Katze davon fernzuhalten. Aber Fernsehen ist nun einmal ein visuelles Medium. Das wurde mir schmerzlich bewusst, als ich früher Nachrichtensendungen moderiert habe und nach Interviews mit Politikern stolz und mit Schweißperlen auf der Stirn aus dem Studio kam - und in der Konferenz danach gesagt wurde: Dein Interview war gut, aber dein T-Shirt passte überhaupt nicht zu deiner Augenfarbe.

teleschau: Haben Sie das passende Kleid für den Abend denn nun schon gefunden?

Aline von Drateln: In jeder Frauenzeitschrift steht, man solle seine Stärken unterstreichen und seine Schwächen kaschieren. Bei mir ist die Stärke jetzt eher der Po und weniger der Busen. Aber da ich nicht wie Miles Davis den ganzen Abend mit dem Rücken zum Publikum stehen kann, bin ich immer noch auf der Suche nach dem perfekten Kleid (lacht).

teleschau: Hilft Ihnen da jemand?

Aline von Drateln: Seit meiner Zeit beim Frühstücksfernsehen habe ich eine hinreißende Stylistin, die meine Problemzonen besser kennt als mein Ehemann (lacht). Mit ihr werde ich mich garantiert beraten. Aber ansonsten habe ich auch hier das erste und das letzte Wort.

teleschau: Für Sky und "Kinopolis" sind Sie viel unterwegs. Wie schaffen Sie es, Arbeit und Familie zu vereinbaren? Sie haben drei Kinder, von denen das jüngste noch nicht in die Schule geht.

Aline von Drateln: Ich habe bei Sky den tollsten Job der Welt. Wir haben kein festes Studio, sondern sind immer dort, wo etwas los ist - auf den wichtigen Premieren, bei Festivals, auch mal bei einem Filmstart in L.A. Meine Kinder glauben, dass ich am Flughafen arbeite, weil ich mich immer von dort melde (lacht).

teleschau: Wird dieser schwierige Spagat zwischen Arbeit und Familie bei uns gebührend anerkannt?

Aline von Drateln: Als Mutter muss man jeden Tag kämpfen. Hier sind wir weit von Gleichberechtigung entfernt. Wenn ein Vater zum Kitafest einen Kuchen aus dem Supermarkt mitbringt, wird er schon dafür gefeiert, dass er daran gedacht hat. Die Mutter, die eine selbstgebackene Pumuckl-Torte anschleppt, wird allenfalls gefragt, ob die Eier darin auch Bio sind. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau zeigen sich aber auch daran, dass Sebastian Hellmann bestimmt nicht gefragt wird, welchen Anzug er bei seiner Moderation tragen wird.

teleschau: Bei Männern gibt es einfach nicht so viele Möglichkeiten, was die Garderobe angeht.

Aline von Drateln: Stimmt. Männer wählen lediglich den blauen oder schwarzen Anzug. Bei uns Frauen gibt es da deutlich mehr Optionen - wie bei so vielem. Schließlich wird von uns nicht nur erwartet, top gekleidet zu sein. Wir wollen und müssen arbeiten, sonst sind wir Glucken. Aber wenn wir arbeiten, sollen wir bitte auch noch rank und schlank sein. Und den Bio-Kuchen für den Kindergeburtstag selbst backen, und eine vegane Variante bitte noch dazu. Es ist ein Kampf an vielen Fronten.

teleschau: Was hilft da?

Aline von Drateln: Humor. Und: Augen auf bei der Berufswahl (lacht)! Ich kann nun mal keinen Job beim Fernsehen annehmen und mich anschließend darüber beschweren, dass die Zuschauer meine Locken diskutieren.

teleschau: Lassen Sie uns noch einmal kurz auf Film und Fernsehen zurückkommen. Wie schätzen Sie die Lage der Branche in Deutschland aktuell ein?

Aline von Drateln: In den letzten Jahren hat sich viel zum Positiven verändert. Das Niveau war noch nie so hoch wie heute: Serien werden zu cineastischen Inszenierungen, momentan zu beobachten beim Drehstart von "Babylon Berlin". Hier arbeiten X Filme mit der ARD, Sky und Beta Film gemeinsam an einer hochkarätigen TV-Serie, die 2017 ausgestrahlt wird. Aber die meisten denken bei Kino immer noch an Popcorn essende Teenies und Blockbuster, und nicht an ein förderungswürdiges Kulturgut, wie das in Frankreich eher der Fall ist. Aber das wandelt sich gerade - auch dank wunderbarer Schauspieler und großartiger Regisseure.

teleschau: Sie selbst lieben das Kino ...

Aline von Drateln: Film ist meine Leidenschaft. Ich gehe ungefähr dreimal die Woche vormittags ins Kino, zu den Pressevorführungen, und auf der Berlinale sind es dann schon mal drei Filme am Tag. Dann fällt es mir besonders schwer, den Kindern abends "Die Sendung mit der Maus" zu verbieten, wenn man selbst so viel Zeit vor der Leinwand verbringt (lacht).

teleschau: Was kommt als nächstes bei Ihnen?

Aline von Drateln: ich bin in meinem Leben immer gut damit gefahren, nie weiter als einen oder zwei Monate zu denken. Die beliebte Frage, wo ich mich in fünf Jahren sehe, habe ich mir selbst nie gestellt. Ich bin im Moment sehr glücklich damit, wie alles läuft.

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