Schauspielerin im Interview 

Rebecca Immanuel: „Ich habe mich wirklich lieb“

+
Schauspielerin Rebecca Immanuel schreitet positiv durchs Leben. „Anstatt über die Dunkelheit zu jammern ist es wichtiger, ein Licht anzuzünden“, betont die 45-Jährige.

Rebecca Immanuel glaubt an das Gute in der Welt und ist überzeugt, dass alles klappt, wenn man nur sein Leben in der Balance hält.

Rebecca Immanuel, die mit bürgerlichem Namen Sonja Zimmer heißt, hält nichts von negativen Gedanken. Im Interview berichtet sie freimütig von den verschiedenen Techniken, mit denen sie ihr Leben meistert und die sie auf positive Gedanken bringen. Ab Freitag, 16. September, 20.15 Uhr, darf die sympathische Schauspielerin ihr angeborenes Helfersyndrom im Film zeigen. Immanuel spielt in der neuen ARD-Unterhaltungsreihe „Die Eifelpraxis - Erste Hilfe aus Berlin“ die Krankenschwester Vera Mundt, die Patienten auf dem Land Hausbesuche abstattet. Eine engagierte Städterin, die sich durchaus mal mit ihrem Chef kabbelt, um für bedürftige Menschen genügend Zeit aufbringen zu können. Bekannt wurde Rebecca Immanuel mit der erfolgreichen Anwalts-Comedy „Edel und Starck“ (2001 bis 2004, SAT.1). Derzeit steht die Schauspielerin wieder mit dem Kollegen von damals, Christoph M. Ohrt, in Südtirol für SAT.1 vor der Kamera. Ein Umstand, der die 45-Jährige begeistert.

nordbuzz: Sie spielen Vera Mundt, eine Krankenschwester, die pflegebedürftige Menschen zu Hause besucht. Haben Sie sich schon einmal bewusst mit dem Thema Älterwerden beschäftigt?

Rebecca Immanuel: Nicht wirklich. Ich habe eine tolle Freundin, die 30 Jahre älter ist als ich. Sie hat zu mir gesagt: Das Altwerden ist schön, weil man so gelassen wird. Man bekommt eine schöne Distanz zu den Dingen. Ich glaube wirklich, wenn man eine gewisse Seelenhygiene betreibt und auf seinen Körper achtet, dann kann man in Deutschland gut und würdevoll altern. Ich würde mir wünschen, dass, wenn meine Zeit gekommen ist, ich einfach meine Augen schließe und friedlich einschlafe.

nordbuzz: Glauben Sie, dass in Deutschland genug für diese Menschen getan wird, die alleine, ausgeschlossen oder pflegebedürftig sind?

Immanuel: Nie im Leben. Wenn irgendein Familienvater oder eine Mutter so haushalten würde, wie manche Politiker mit unserem Geld umgehen, da würde der Haussegen mächtig schief hängen. Dass wir es in einem Land wie diesem versäumt haben, genügend finanzielle Ressourcen für Alte, Pflegebedürftige, Behinderte, Kinder und die Bildung der Jugend beiseite zu legen, das wird sich irgendwann rächen. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir alle wach werden und eine ethischere und nachhaltigere Lebensweise und Politik verfolgen.

nordbuzz: Kann man als Einzelner überhaupt etwas ausrichten?

Immanuel: Anstatt über die Dunkelheit zu jammern ist es wichtiger, ein Licht anzuzünden. Jeder kann damit anfangen, mit sich selbst ins Reine zu kommen und mit dieser positiven Ausrichtung auch seinem Nachbarn, seinen Angehörigen, Kollegen und Mitmenschen auf der Straße zu begegnen. Wenn man an seinem eigenen Seelenfrieden arbeitet, dann kann man auch in der Masse Frieden herstellen. Die Inder sagen: Du ordnest täglich dein Haar, warum nicht dein Herz? Wenn man nicht täglich sein Herz ordnet, dann wird das nichts. Ich weiß, das ist jetzt ein bisschen philosophisch, aber ich glaube, nur so kann ein friedliches Miteinander funktionieren.

nordbuzz: Wie ordnen Sie ihr Herz?

Immanuel: Ich meditiere sehr viel und wende mich meinem eigenen Seelenfrieden zu. Dadurch bin ich 80 Prozent meiner Zeit im Flow. Klar, wenn ich wenig Schlaf kriege, weil zum Beispiel mein Kind krank ist, dann bin ich nicht ganz so gelassen und geduldig wie sonst. Aber ruhig atmen ist in solchen Situationen schon eine gute Hilfe.

nordbuzz: Was bedeutet das, ruhig atmen?

Immanuel: Wenn man in der Arbeit im Stress ist, kann man einfach mal aufs Klo verschwinden, damit die Kollegen das nicht so mitbekommen, und sich hinsetzen, bewusst seine Füße fühlen, die Körperwahrnehmung stärken und eben ruhig atmen. Man wird sofort gelassener. Oder auch einfach lächeln und zwar so, dass es fast schon wehtut. Man stimuliert damit einen bestimmten Nerv, der im Gehirn signalisiert: Oh, es geht mir gut. Wenn sie den Nerv eine Minute stimulieren, dann schütten sie bestimmte Hormone aus, beeinflussen ihre Körperchemie, und los geht's: Plötzlich hat man wieder Zugang zu Ideen, die vorher nicht da waren. Das ist super.

nordbuzz: Sie gelten als sehr positiver Mensch. Ist das der Grund?

Immanuel: Auf jeden Fall. Ich habe mich mit 20 dazu entschieden, mich selber lieben zu lernen. Und ich habe mich wirklich lieb. Mich erschüttert das immer, wenn meine Freunde oder Kollegen von Zeit zu Zeit so hart mit sich ins Gericht gehen und sich selbst gegenüber lieblos verhalten. Das tut mir richtig weh. Dann muss ich ihnen auch sagen: Du, ich mag nicht, wie du über dich redest. In dem Moment, wo man nachsichtig mit sich selbst umgeht, kann man das auch einem anderen gegenüber leisten. Hm, vielleicht sollte ich mal ein Buch schreiben (lacht)?

nordbuzz: Können Sie nicht auch mal wütend werden?

Immanuel: Man wäre ja kein Mensch, wenn man nicht bisweilen gekränkt, ärgerlich oder irritiert reagiert. Man muss sich an manchen Tagen nur die Nachrichten angucken, und schon kriegt man wieder Gänsehaut. Ich denke mir heutzutage wirklich oft: Meine Güte, was ist da schon wieder schiefgelaufen? Wer dieses Gefühl nicht kennt, steht nicht mit beiden Beinen in der Realität.

nordbuzz: 2010 kam Ihr Sohn auf die Welt. Haben Sie für ihn Ihre Karriere zurückgestellt?

Immanuel: Ich bin ein Mensch, der nach Erfüllung strebt. Und Erfüllung liegt nicht im Materiellen. Ich werde immer darauf achten, dass ich meinen Beruf so auslebe, dass ich kein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber bekomme. Ich schaue, dass ich so viel arbeite, wie wir zum Leben brauchen und dass wir noch ein kleines Polster haben, wenn mal wieder so ganz schreckliche Monate kommen, wo man sich den Hintern aufreißt, leider aber keinen Drehtag hat. Ich liebe es, Mama zu sein. Kinder werden so schnell groß. Dieses Aufwachsen möchte ich um keinen Preis und Film der Welt verpassen.

nordbuzz: Sie sind durch die Serie „Edel und Starck“ einem sehr großen Publikum bekannt geworden. Hätten Sie mal wieder Lust auf so eine Arbeit?

Immanuel: Von der Spielfreude her auf jeden Fall, aber da muss mein Kind echt noch größer werden. Bei einer Serie hat man als Schauspieler 60 bis 70 Wochenstunden, ohne Textlernen. Was bleibt da noch? Ich hänge an meinem Privatleben. Damals war die Serie für mich natürlich wie ein Sechser im Lotto. Ich liebe mein „Edel und Starck“, und ich stehe jetzt auch wieder mit meinem Kollegen von damals, Christoph M. Ohrt, für „Verliebt, verlobt, vergeigt“ auf SAT.1 vor der Kamera. Ich freue mich sehr darüber.

tsch

Mehr zum Thema

Kommentare

Das könnte Dich auch interessieren